laut.de-Biographie
Augn
Bands, die das Social-Media-Game beherrschen, gibt es im deutschsprachigen Punk- und Metal-Bereich einige. The Screenshots, Shitlers oder auch Team Scheisse haben früh begriffen, dass Meme-Material für größere Aufmerksamkeit sorgt. Auch die Band Augn aus Berlin, deren zwei Mitglieder anonym auftreten, begreift früh, dass YouTube und Instagram für virale Bekanntheit durchaus nützlich sind, und veröffentlicht dort ihre Videos zu "Very Sad Opfertyp", "Brandenburger Wolf", "Bitcoin" und "Nokia". Neben den lustigen Videos mit viel Humor sorgt auch der Mix aus Post-Punk und Metal-Riffs für eine schnell wachsende Fanbase.
So gibt es bereits 2023 anlässlich des C/O-Pop-Festivals einen ersten öffentlichen Auftritt im Kölner Club Buhmann & Sohn, der aber bereits nach 15 Minuten endet, weil der Sänger sein Mikrofon nach nur 15 Minuten erfolgreich zerstört. Provokation gehört zum Stilmittel der Band, die auch in den Lyrics gerne kontrovers über gesellschaftliche Themen singt. Auch ein Auftritt im Berliner Monarch gerät denkwürdig, weil Augn den Auftrittsort als "stinkenden Scheißclub" bezeichnen, Nürnberg als "pädophil und rechts" einordnen und mit Aussagen wie "Die Sachsen haben Corona erfunden und lassen sich für Bratwurst impfen" bei zugezogenen Menschen aus Dresden oder Leipzig wahrscheinlich wenig Sympathien ernten. Immerhin: Laut Aussagen von Hamburger Konzertbesuchern gab es sogar wütende Reaktionen und die Zerstörung von Schaufensterpuppen, die statt der Band auf der Bühne standen. Skandale erzeugen oder provozieren können Augn also perfekt, die Reaktionen auf den satirischen Humor fallen mitunter weniger freundlich aus.
Im Mai desselben Jahres folgt das erste Album "Du Wirst Sehen / Gerstenkorn", das von großen Teilen der Presse als Kritik am bürgerlichen Wutbürgertum positiv auf- und als deutsche Antwort auf Sleaford Mods wahrgenommen wird. Doch auch Musikerinnen-Kolleginnen werden in "Deutschrap ist tot" als "scheißreiche Akademikerkinder" verunglimpft. Die Antworten der sonst so Beef-freudigen Szene bleiben bisher leider aus.
Ein Jahr darauf folgt 2024 bereits der nächste Aufschlag mit dem Doppelalbum "Gerstenkorn / Fata Morgana", auf dem sie sich wieder neue Opfer für ihr hämisches Gepöbel aussuchen. Augn selbst bezeichnen die Album-Lyrics als "Porträt eines durchschnittsdeutschen Familientreffens" und die eigentliche Motivation unter dem prägnanten Motto "Muss ja". Wer sich würdig für das neuerliche Geschenk fühlt, darf sogar zur quietschgelben "FDP-Soli-Edition" greifen und dafür sorgen, dass wir auch in den nächsten Jahren noch herzlich über den Downfall der Kleinstpartei lachen dürfen.
Die Kreativität versiegt auch 2025 nicht, und schon wieder reicht der Output für ein Doppelalbum, diesmal mit dem Titel "Grüner Star / Rosarote Brille". Opfer des beißenden Spottes ist diesmal vollkommen zurecht das "Deutsche Kino". Ein Volk, das Schweighöfer, Bully Herbig und Til Schweiger zu millionenfachem Erfolg an den Kinokassen verhilft, darf - oder muss - Zeilen dieser Art aushalten. Genug Material für beißenden Sarkasmus gibt es also auch weiterhin, ebenso wie man das Risiko in Kauf nimmt, auf der laufenden Tour 2026 beschimpft zu werden. Wir haben es alle nicht anders verdient.


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