laut.de-Biographie
Baran Kok
Er kommt gerade heim aus Dagestan. Er war noch da gestern. Mit dieser Line nimmt Baran Kok all die Leute hops, die denken, sie könnten dem ersten schwulen, kurdischen Rapper Deutschlands irgendetwas Neues erzählen. Dagestan, das ist die Provinz Tschetscheniens, die für ihre besondere Vorliebe der Mixed Material Arts bekannt ist. In rechten Kreisen ist Dagestan deswegen als so eine Art Kur für Queerness zum Meme geworden. Baran hält nun dagegen: Eher macht er Dagestan schwul, als dass irgendein Hansel von TikTok ihm irgendetwas erzählen kann.
Trotzdem kann man sich wohl vorstellen, dass sein Weg bis dahin alles andere als leicht ist. Geboren in Istanbul zieht seine kurdische Familie früh in seiner Jugend ins beschauliche Freiburg. Dort versucht er erst einmal zu leben, wie es auch seine Klassenkameraden tun: Shisabars, BMW, sogar eine Freundin hat er eine Zeit (auch, wenn er in mehreren Interviews bestätigt, dass das ein eher sinnloses Unterfangen war). Baran weiß längst, wer er ist. Und er braucht dafür Raum.
Also kriegt er irgendwie bei seinen Eltern durchverhandelt, dass er für ein Jahr in die Staaten darf. Die Idee von eine Au-Pair leuchtet denen zwar erst einmal nicht ein, schließlich sei Kinderbetreuung ja eher Frauensache. Aber ein Argument zündet: Er wolle ja vielleicht Jura oder Business studieren. Da müsse er ja wohl englisch lernen! Damit im Rücken zieht er also nach Chicago - und darf sich das erste Mal so richtig frei entfalten und er selbst sein, statt nur mit fünfzehn heimlich Grindr runterzuladen.
Als er nach Hause kommt, muss er klar Schiff machen - aber auch, wenn er in Interviews nur ungern darüber spricht, läuft sein Coming-Out nicht gut. Er zieht prompt darauf nach Berlin und geht seinen eigenen Weg. Und auch wenn er als Deutschrap-Kiddie und Fan von Artists wie Celo & Abdi oder MoTrip schon immer wusste, dass er rappen wird, verdingt er sich doch erst einmal als DJ.
Dort knüpft er schnell Kontakte. Er wird Tour-DJ von Domiziana und bereist die Republik. Das nutzt er, um sein Rap-Ding zu starten. "Herr Officer" ist ein Shitpost von einem Song, der ihn quasi über Nacht zum Star macht. Er queert "Miss Officer" von Lil Wayne - und TikTok frisst ihm aus der Hand. Im Guten wie im Schlechten.
Aber die Viralität nutzt er aus und landet mit Songs wie "Hey Alexa" und "Traurige Hure" weitere Treffer. Er spielt Voract für Shoki, landet als Feature auf einem Track von $oho Bani und spielt auf der Mainstage vom Splash!. Bis zu seiner ersten EP "Fag Life" braucht es zwar noch bis 2026, aber eins ist klar: Baran ist im Deutschrap an diesem Punkt absolut etabliert.


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