laut.de-Biographie
Florian Künstler
Wer Florian Künstlers Lebenslauf liest, könnte ihn zunächst für einen besonders wechselwilligen Berufsberater halten. Bademeister, Konditor, Zweiradmechaniker, Rettungssanitäter, Schulbegleiter. Die Musikindustrie wirkt zunächst nur wie ein weiteres Häkchen auf einer langen Liste. Dass er sich am Ende bis in die deutschen Charts spielt, gehört zu den unwahrscheinlichsten Stationen seiner Vita.
Künstler wird 1985 in Berlin geboren. Sein Vater stirbt vor seiner Geburt, seine Mutter ist drogenkrank. Die ersten Lebensjahre verbringt er bei Verwandten und in Pflegefamilien, bis er mit sieben Jahren bei einer Familie in Ratekau bei Lübeck ein dauerhaftes Zuhause findet.
Mit zwölf schenkt ihm sein Pflegevater eine Gitarre. Von da an steht das Ziel fest: Musiker werden. Während andere ihren Weg über Musikhochschule, TikTok oder Castingshow finden, spielt sich der norddeutsche Singer-Songwriter durch Fußgängerzonen, kleine Bühnen und Stadtfeste. Dort entsteht auch sein Stil: geradliniger Deutschpop, der lieber auf klare Worte als auf komplizierte Metaphern setzt.
Der Weg bleibt holprig. Künstler bricht seine Ausbildung ab, wird aus seiner Pflegefamilie geworfen und schlägt sich zeitweise mit Straßenmusik und Gelegenheitsjobs durch. Ein Freund holt ihn schließlich von der Straße, bietet ihm ein Zimmer in seiner WG an und beginnt, mit ihm Songs zu schreiben.
Es folgen erste Auftritte als Duo Charlie und Herr Künstler, Festivalshows im Norden und die Begegnung mit Produzent Der Polar, der ihn ab 2012 fördert. Nach dem Ausstieg seines Partners zieht es ihn nach Berlin. Tagsüber absolviert er seine Ausbildung zum Bademeister, abends spielt er als Solokünstler oder Straßenmusiker
2019 scheint er es endlich geschafft zu haben: Der erste Plattenvertrag ist unterschrieben. Dann legt die Corona-Pandemie die Branche lahm und das Label trennt sich wieder von ihm.
Künstler macht weiter. Er arbeitet zunächst als Bademeister, später als Schulbegleiter für autistische Kinder, vor allem, weil der Job genug Zeit für die Musik lässt. Parallel wächst seine Karriere langsam weiter. Columbia veröffentlicht die Debüt-EP "Umwege" (2020), deren Titel seine bisherige Laufbahn erstaunlich treffend zusammenfasst. Es folgen Songs wie "Diese Straßen" (2021), "Halbe Liebe" (2022), "Wovor hast du Angst" oder "Plötzlich Liebe" (2023).
Musikalisch bleibt Florian Künstler seiner Linie treu: Singer-Songwriter-Pop mit Klavier, Gitarre und großen Gefühlen. Überraschungen sind selten, Wiedererkennung dafür umso mehr.
2023 gelingt ihm mit "Kleiner Finger Schwur" der bislang größte Erfolg seiner Karriere. Der Song erreicht Platz 45 der deutschen Singlecharts. Künstler kündigt seinen Job als Schulbegleiter, veröffentlicht das Album "Gegengewicht" und macht die Musik endgültig zum Hauptberuf.
Nach weiteren Singles erscheint 2025 das zweite Album "Du Bist Nicht Allein". Im Juni 2026 folgt mit "Alles Nur Geliehen" das dritte Studioalbum samt gleichnamiger Tour.
Vielleicht beschreibt der Titel seiner Debüt-EP Florian Künstler am besten. "Umwege" ist weniger ein Albumname als die Geschichte einer Karriere, die selten nach Plan verläuft und trotzdem immer wieder dort landet, wo sie mit zwölf Jahren begonnen hat, bei einer Gitarre.


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