16. Juli 2026

"Ich entrappifiziere meinen Algorithmus"

Interview geführt von

Mit Soda-Zitron bewaffnet schwitzen wir im Gastgarten des Café Europa in der Wiener Zollergasse. Mir gegenüber sitzt Jugo Ürdens, fast schon ein Wunder, dass wir es geschafft haben uns zu treffen, nach Weisheitszahn-OP und Sommergrippe.

So beginnt ein teilweise schon philosophisches Gespräch über Musik, Kreativität, Politik und Rauchen. Am Ende verrät Aleks Simonovski, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, welches Gericht seine Musik wäre und wer es in einem Restaurant eher nicht bestellen würde.

Es freut mich nochmal ganz offiziell zu Beginn. Wie soll ich dich denn nennen, ist dir Aleks oder Jugo lieber?

Äh, Aleks kannst du ruhig machen... das ist ganz egal. Das ist egal.

Ok. Wir sind hier ja gerade im Café Europa und auf deinem Album "Für Mich" ist ja auch ein Track mit dem gleichen Namen. Wieso?

Ähm... Das ist kein Laden, über den man einen Song schreibt, dem man einen Song widmet, weil er halt sehr so eine Gentrifizierungshölle, so ein Hotspot in der Zollergasse ist, so mehr Hipster, mehr alternativ geht kaum. Aber wir kommen seit über zehn Jahren her, und irgendwann hinterfragt man nicht mehr, wohin man geht und man ist halt einfach da. Dann dachte ich, das ist Anlass genug, einen Song zu schreiben darüber.

Im Gegensatz zu deiner früheren Musik ist mir schon beim Hören von "Für Mich" irgendwie aufgefallen, dass es so bisschen reflektierter und auch bisschen eigensinniger klingt und nicht mehr ganz so wild, wie frühere Musik von dir. Gab's da einen Grund dafür oder eine Situation, dass du einen Mindset-Wechsel hattest?

Ja, ja, komplett. Ich weiß nicht wann er passiert ist, aber ich bin schon durch paar tiefe Täler gewandert, die Jahre über, ohne da jetzt arg pathetisch zu klingen. Ich hab - es klingt so bescheuert - aber es hat wirklich mit dem Rauchen-Aufhören was zu tun gehabt. Und zwar war das so, der Versuch, okay, schaffe ich es, da Nein zu sagen? Das war die einzige Motivation dahinter. Schaffe ich es? Wenn ich es schaffe, dem nicht mehr nachzugeben, dann ist alles andere dann ja easy. Weißt du, das heißt, ich kann dann, wenn man das schafft ... bei mir war die Gesundheit egal. Mir war alles andere egal. So ey, wenn du das schaffst, dann, dann, dann, vielleicht kriegst du den Rest auch ein bisschen besser in den Griff. Und das habe ich dann irgendwie gemacht. Und die Musik mach ich mit verschiedenen Produzenten ... Und da war es so, lass mal versuchen, das Album so ehrlich und direkt und einfach wie nur möglich zu machen. Und die Musik muss, muss einfach sein. Und das ist dann halt alles so in die Indie-Richtung gegangen. Das war kein Ding so ey, schau mal, nach links und rechts, das funktioniert, sondern das war ein ganz natürliches Ding. Ein Produzent meinte so ey, lass das mal versuchen. Mit dem "Hund"-Album beim "Benzin"-Song hat das angefangen, und dann waren wir so: boah krass, das macht voll Bock. Und dann war das so, als würde man als kleines Kind so eine neue Sportart ausprobieren und da so voll Spaß dran finden. Das heißt, man geht so komplett unvoreingenommen an so eine bisschen andere, was heißt andere Musikrichtung, aber halt anderen Sound. Dann hat das eine zum nächsten geführt, und dann waren wir so: lass jetzt dann versuchen, soundtechnisch auch relativ stringent zu bleiben. Ja, aber dieser Wechsel kam mit dem Rauchen und dann durch paar andere Entscheidungen. Aber ja.

Also hast du Tipps für Leute, die mit dem Rauchen aufhören wollen?

[Lacht].

Weil du's ja selbst hinter dir hast.

Ja. Also, es gibt kein "ich hör morgen auf" oder "ich höre am Montag auf oder am Dienstag auf". Ich habe mitten an einem random Montag, nachdem ich schon Zigaretten geraucht habe, aufgehört. Also es gab keinen cleanes 'neuer Tag, neues Ich'. Man muss das einfach machen, glaube ich. Und das Schlimme ist, das Schlimmste ist, du musst es halt wollen. Also, du musst es wirklich wollen. Nein, nein, nein, wirklich. Es kann nicht so ein Alibi sein. Ja, ich sollte. Vielleicht versuche ich es mal so. Man muss so 'reicht jetzt aber' sein. Also, ich habe keine Tipps.

Alles klar. Und weil du es ja auch angesprochen hast, so in der Kindheit einen neuen Sport auszuprobieren. Wie hast du eigentlich überhaupt gemerkt, dass Musik so dein Ding ist? Also wann wurde dir so klar, dass es nicht nur ein Hobby ist, sondern dass da vielleicht mehr geht?

Keine Ahnung. Ich war mega schlecht darin. Ich habe glaube ich ein Jahr gebraucht, um den Takt zu treffen. Also wirklich kein Gefühl dafür und keine Ahnung, ich weiß nicht. Man ist so reingeschlittert. Und dann war es so ey, lass mal versuchen, da jetzt das zu machen und das zu machen und das zu machen und schauen, wie weit man kommt und wie weit man quasi ungeplant es schafft, dem dem regulären Alltag zu entfliehen, also dem Bürojob, ohne das zu verteufeln. Aber es war so, lass mal schauen. Ja, also so blind und naiv.

Ja und was ich mich auch immer frage, in welchen Situationen findet man denn überhaupt Ideen? Also gibt es bei dir zum Beispiel bestimmte Situationen. Ich habe jetzt letztens ein Buch gelesen, da ging es darum, dass Künstler in bestimmten, weirden Situationen, vielleicht auf dem Klo oder in der Dusche, vielleicht kurz vor dem ins Bett gehen, die besten, kreativsten Ideen haben und am produktivsten Neues erfinden. Hast du da irgendwie eine Situation, die dir vielleicht einfällt, wo es bei dir oft so ist, dass du kreativ wirst?

Boah, also Texte kommen immer so, so random, also so Ideen, das sind dann meistens irgendwie Wortfetzen. Dann habe ich so eine Notiz, wo ich halt jede, jede Idee reinwerfe. Tatsächlich kommen oft beim Duschen Ideen, aber nicht zwingend immer. Also ich verstehe Leute nicht oder Musiker*innen nicht, die aus dem Nichts irgendwas schaffen. Da tu ich mir sehr schwer und es braucht immer einen direkten Bezug zu dem, was passiert. Der kann auch mal vielleicht paar Jahre zurückliegen. Aber vielleicht erinnert mich irgendwas daran. Zum Beispiel, ich habe diesen "Kopf Hoch"-Song gemacht. Es ist einer meiner absoluten Lieblingssongs auf dem Album. Und da ist meiner Freundin arbeitstechnisch die größte Scheiße passiert, die man sich vorstellen kann. So, und dann war's halt einfach so, und dann bin ich sie besuchen gekommen, wo sie da war, und da hat sie mir erzählt und ich habe das sofort zum Anlass genommen. Also es lief halt wirklich scheiße bei ihr, weißt du. Und das war halt einfach so wirklich direkt übersetzt. So dann war das, was ihr passiert ist, die Muse, die Ding dahinter.

Der Auslöser.

Genau, der Auslöser davon, dass man so ins Denken kommt und sagt boah hey und tactactac. Ich find's halt so schwierig, weil man Kreativität selten erzwingen kann. Man muss aber schon ready sein, dass wenn dann diese kreative Phase kommt, dass man sich da reinschmeißt. Das heißt aber auch, regelmäßig ins Studio zu gehen. Ich mache die meiste Musik dann auch wirklich vor Ort, und das Schreiben passiert auch meistens vor Ort in den Sessions. Aber du musst halt auch mal durch 15 Sessions gehen, die scheiße sind, bis dann halt eine funktioniert.

Ich glaube, dass das sehr vielen kreativen Berufen so. "Für Mich" ist ja dein drittes großes Studioalbum ....

Warte kurz... eins, zwei, drei, ich glaub das ist das vierte sogar.

Stimmt, danke. Und du hast da ja auch früher in Interviews viel über Druck im Musikbusiness und mentale Struggles gesprochen. Und ich würde dich gerne fragen, wie geht's dir heute damit? Also nur wenn du's teilen willst.

Es ist nach wie vor katastrophal stellenweise. [Lacht]. Aber verglichen zu damals halt viel, viel besser. Aber auch nach einem, nicht Lebenswandel, nicht dass ich jetzt so self-optimizing drauf bin, das ist Blödsinn, darum geht's gar nicht, so du musst sieben Mal die Woche Sport machen, bla bla. Aber durch so einen anderen Blickwinkel hat sich das bisschen verschoben und durch einmal die Woche Therapie gehen, sich damit auseinandersetzen und befassen, ist der Umgang damit einfach ein anderer. Also die Struggles sind die ähnlichen und die Emotionen, die negativen, die Panik, die Angst, das kommt immer. Nur ist der Umgang damit halt ein anderer. Weil man flüchtet sich dann halt nicht in Extreme, die einen noch mehr runterziehen, sondern versucht, ein bisschen gesünder damit umzugehen. Das war so dieses Ding. Und ich muss auch sagen, mir geht es auch viel besser, seitdem ich quasi das wieder alleine mache. Also ich habe mich dann von meinem damaligen Management getrennt. Das mit dem Label also bei Sony ... Als ich niemandem mehr die Schuld geben konnte für das, was nicht funktioniert und sondern nur noch mir, hat das seitdem viel besser geklappt, weil es keinen "Escape Code" gab. Kein warum habt ihr das? Warum bin ich in keiner Playlist? Warum das? Eigentlich allen die Schuld in die Schuhe geschoben. Alle waren schuld, nur man selbst nie. Halt bescheuert.

Ich mein ich kenn das auch sehr gut, denke das ist menschlich. Aber was war genau für dich am stressigsten am Musiker-Lifestyle?

A die Unsicherheit, die finanzielle. Aber was noch viel, viel stressiger in meinem Ding war, war die Sound-Findung und was für Musik man machen möchte. Ich bewundere ja Musiker*innen, die so drauf scheißen können und nicht nach links und rechts schauen. Aber ich hab mich irgendwann in diesem Prozess so verloren, dass ich Musik nur gemacht habe, in der Hoffnung, dass sie gefällt, aber nicht, dass sie mir gefällt. Auch wirklich über Jahre. Auch die Musik, die draußen ist, ist oft sehr mittelmäßig gewesen. Ist halt so ein Weg. Aber ich fand das am stressigsten, das Musik machen per se, neben den ganzen, neben der finanziellen Unsicherheit, neben dem ganzen anderen Scheiß. Das war eine der schwersten Sachen, das zu finden, was man machen möchte, und nicht zu schauen, was macht die Person und die Person. Das hat ja auch nie funktioniert, und trotzdem hat man das nicht einsehen können. Und jetzt war's so: Scheiß mal drauf. Lass jetzt einfach das uncoolste Album machen, was es gibt. Und egal. Aber bis zu diesem egal zu kommen, war so furchtbar.

Ich find's stark dazu zu stehen, nicht das "Coolste", was man in dieser Branche zumindest machen kann, zu machen. So das bin halt ich.

Ja genau aber das hat ewig gedauert. So ich werd kein Levin Liam sein, ich werd kein Souly sein, ich werd kein keine Ahnung wer sein, nenn mir irgendeine andere coole Person. Also auch nicht nur Männer. Aber halt vom Ding. Ich habe ganz lange gebraucht, das einfach einzusehen. Weißt du, dass ich nicht die coolste Person im Raum bin, sondern nicht ansatzweise dorthin komme. Ich bin auch nicht mysteriös und Ding und bla so, weißt du, ich wünschte es, aber es geht einfach nicht.

"Haltung zeigen, Klicks abholen."

Deine Texte sind ja nicht so diese typischen Deutschrapthemen, die man so kennt. Nicht nur Drogen, nur Kriminalität, nur Party und Lifestyle. Du singst ja auch drüber, wies für dich ist, nicht die österreichische Staatsbürgerschaft zu haben, aber trotzdem in Österreich zu leben. Wie ist das Gefühl für dich, darüber zu singen, und wieso glaubst du, dass deine Musik trotzdem gut ankommt? Also es funktioniert ja irgendwo.

Ja, es funktioniert besser denn je, die Phase, mal schauen wie lange noch. Ich hoffe es geht noch bisschen länger. It's fine. Ich hoffe das kann man so halten und dass man kleine Babysteps nach oben macht. Aber ich glaube, vor allem auch auf den "Aus Prinzip"-Song bezogen. Diesen Song hatte ich geschrieben, ich glaube, auf acht Instrumentals schon. Und erst hat's dann geklappt, als wir in diese Indie Richtung gegangen sind. Jetzt macht das auf einmal Sinn! Boah, jetzt hört sich das ja geil an auf einmal. So Amen! Davor war das ja irgendwas. So und jetzt gibt sich das irgendwie die Hand. Ich bin so der Prototyp Ausländer in dem Fall, der aber jedes Jahr immer weniger mit seinen Wurzeln zu tun hat. Ich spreche jedes Jahr noch schlechter meine Muttersprache. Ich bin immer seltener unten. In meinem engen Kreis sind sehr viele mit Migrationshintergrund, aber das sind alles halt alternative Leute aus der Kunstszene. So, wenn ich halt quasi auf die Ottakringer Straße zum Beispiel gehe, in Wien, bekannter Ort, wo viele Ausländer und so sind. Die schaut mich schief an mit meinem gecroppten Shirt. Was ich sagen möchte ist, ich entschuldige mich, ich vergesse manchmal, auf deine Frage zurückzukommen. Es ist halt mein Umgang damit. Und wenn ich singe, so, ich verlerne meine Sprache, ich versteh' kaum meinen Vater, und das ist halt eine Sache, die ich wenig höre von Leuten, die so auf pseudo Nationalstolz und machen in dieser Szene. Und dann schreiben mir ganz viele Leute, die sagen so ey Bruder, mir geht es auch so, ich habe mich nie getraut, das zu sagen. Das ist so dieser Umgang, also mein Umgang damit.

Das muss schwierig sein, irgendwie Erwartungen von allen Seiten zu versuchen zu vereinen und irgendwie das Gefühl zu haben, man ist nirgends so ganz drin.

Voll. Und ich glaube, das ist ein Gefühl, das kennen ganz viele. Das kann auch zum Beispiel die Person, die vom Dorf in die Großstadt zieht. Die hat ein ähnliches Gefühl, wenn sie am Wochenende dann zu Hause ist oder einmal im Monat. Und dann fühlt sie sich auch nicht da und dort. So. Das ist ein gängiges Gefühl, das viele kennen. Dann versuche ich das hoffentlich halbwegs hörbar und spannend zu erzählen. Es hat ja natürlich schon auch was Sozialkritisches, aber halt ohne Zeigefinger. Ich finde das immer so arm. So fick, das weißt du. Und da versuche ich dann, so K.I.Z.-mäßigen Humor da reinzubringen.

Systemkritisch und politisch, das bist du ja auch auf jeden Fall in dem Song "Dagegen". Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Erstens. Und zweitens, wieso findet es wichtig, gerade jetzt Farbe zu bekennen und das rauszuhauen?

Nummer eins, Carlo5 und ich, wir haben einen gemeinsamen guten Freund, also einen Produzenten und Songwriter. Den kenne ich aus Wien. Der lebt mittlerweile seit Jahren in Berlin. Bla bla bla. Wir haben uns irgendwann gegenseitig gefolgt und haben uns so geschrieben, so ey ich feier deine Visuals.

Eine Insta-Bromance also.

Es war eine Insta-Bromance. Aber auch gar nicht, ich feier deine Musik, sondern ich find deine Visuals krass. Und das war ein dreiviertel Jahr, bevor wir uns dann dazu entschieden haben. Den Song zu machen hat ewig lange gedauert. Also ich weiß nicht, wie viele Versionen wir gebraucht haben, um diesen Song zu machen. Ausgangspunkt war die Line des Jahres von glaub ich Zartmann "Ich schrei fick' die AfD und ich frag mich wer die wirklich wählt". Und Carlo 5 und ich, wir haben uns das erste Mal getroffen an dem Tag, bei dieser Session. Und haben halt nur gelabert. Nur und das ist ganz wichtig, dass du halt irgendwie, bevor du Musik machst, dass du einfach mal redest. Irgendwie sind wir ins Reden gekommen. Ich weiß gerade nicht, was tagesaktuell politisch da war, zu der Zeit parallel, aber genau. Wir treffen uns wir kommen ins Reden. Mich hat diese Line so geisteskrank aufgeregt, dass ein Zartmann dafür gefeiert wird, dass er einfach so das most Offensichtliche sagt. Und das halt nur in eine Richtung geht. In die, in die die linke Bubble reinschreit. Ja Bruder krass, du bedienst nur. Und dann kam aber dieses Ding hier. Aber besser, als dass er gar nichts sagt. Und dann kam so diese Ambivalenz und dieses Problem. Okay, so was sage ich? Wohin sage ich das? Was bringt es? Bringt es was? Und dann sind wir so ewig lang in so ein, fast ein Streitgespräch gekommen. Und dann haben wir versucht, diesen Song genau mit diesem Problem halt so zu übersetzen. Und ich bin dagegen, um dagegen zu sein. Eigentlich mache ich eh nichts so und like und dings, aber halt nur so lang es halt ins Bild passt. Oft erwische ich mich dabei, wie ich genau das mache. Ich bin ja Teil des Problems. Das war so, ja.

Das sind ja voll die Gegensätze.

Genau. Und eben in diesem Song versucht das auch Carlo, wenn er sagt "Ich bin ein dummer weißer Mann mit 100 weißen Gramm". So 'mich hält niemand an'. So 'meine Privilegien nehm ich mit'. Oder bei mir oder so "Ich schrei Fick' die Afd, in meiner WG / Habe ich was bewegt? Bin ich wichtig?". So 'Haltung zeigen, Klicks abholen.' Aber natürlich ist es wichtig, dass man was sagt. Nur wie sagt man das? Und das ist immer schwierig.

Du hats ja erwähnt, dass der Song ja in Berlin entstanden ist. Du machst ja aber großteils in Wien Musik. Wie ist das für dich? Weil, ich merke es ja schon an der Uni. Allein da sind die Kreise super klein. Jeder kennt jeden. Ich schätze, in der Musikbubble ist es ähnlich. Wie findest du das? Nervt dich das, dass da jeder jeden kennt? Oder findest du es eigentlich ganz nice, dass man sich mit jedem ein bisschen vernetzt fühlt?

Ich finde das voll schön. Aber in Berlin sind die ja auch viel offener, was Vernetzung und so angeht. In Wien ist da immer so ein recht starkes Konkurrenzdenken habe ich das Gefühl von Artist zu Artist. Aber eines, das sich immer mehr ein bisschen auflockert. Also noch vor ein paar Jahren war es noch ganz schlimm, die Camps, die da schon integriert haben, aber eher so kritisch allem gegenüberstanden. Und jetzt ist es doch deutlich offener. Ich finde das sehr schön. Ich finde das sehr wichtig.

Kannst du dir weiterhin vorstellen, von Wien aus Musik zu machen?

Ja, definitiv, definitiv. Also ich mach mittlerweile so die Hälfte von Berlin und Wien aus, aber mit ganz ausgewählten Leuten. Nicht mehr so wie früher. Ich hab früher immer tausende Shows gemacht mit tausenden Leuten. Und das hat irgendwie nichts gebracht.

Ich habe natürlich auch ein bisschen gewühlt in der Vergangenheit. Wie man eh schon merkt. Und ich habe gelesen, dass du ein Restaurant aufmachen willst.

Oh ja. Ich will das immer noch machen. Mehr denn je, tatsächlich. Es formt sich immer mehr, auch die Speisekarte festigt sich. [Lacht]. Aber es dauert noch. Dafür fehlt mich noch das Geld und die Zeit. Aber es wird voll gut funktionieren, ich schwöre.

Ich liebe ja auch Essen. Wenn du deine Musik jetzt irgendwie beschreiben müsstest, welches Gericht wäre sie denn jetzt? Und wer würde dieses Gericht vielleicht nicht bestellen

Wow, schöne Frage. Nein, es klingt jetzt ein bisschen bescheuert, aber es ist mein Ayvar-Brot mit dem Schafskäse und mit pochierten Eiern drauf. Weil das ist der gentrifizierte Jugo, also der Hipster Jugo, der genau versucht, diese Welten runterzubrechen auf ein Gericht.

Also der beide Welten lecker findet.

Genau. Das ist so lustig. Schau mal, ich wollte mit meiner Musik früher natürlich immer versuchen, sehr, sehr arg zu gefallen, auch den quasi klassischen Jugos. Auch dass die mich akzeptieren mit Rap und Ding und bla. Weißt du. Und aber das Lustige ist, seitdem ich das nicht mache, kriege ich aus der Richtung viel mehr Liebe und Respekt. Die schrieben mir so, Brate, ich höre das überhaupt gar nicht, aber krass, dass du das machst. Es ist jetzt viel schöner, dass die halt, seitdem man eben nicht mehr nach links und rechts schaut, das dann viel mehr Leute das fühlen. Und wer würde das nicht hören? Keine Ahnung. Also, wer würde das nicht bestellen? Boah, was denkst du?

Hm ich würde jetzt mal sagen, so einer von der FPÖ.

Ja das klar. Aber ich habe vor Jahren eine Anfrage für einen ÖVP, für irgendso ein Stadtfest bekommen, die ja auch close sind mit denen [FPÖ]. Und das hab ich natürlich abgelehnt. Aber das fand ich sehr lustig, weil ich glaube, da war ich für die dann auch der Vorzeigeausländer. Aber ja. Aber ich glaub alles aus der Richtung. Also alles so mit rechts. Das ist eh klar.

Schade eigentlich weil schmecken tut's ja.

Ja das schmeckt hervorragend. Aber die würden das wahrscheinlich nicht bestellen.

"Ich fühl mich wie 17, voller Euphorie."

Wir haben jetzt auch viel über deine Musik geredet, dein neues Album. Aber was hörst du denn selbst?

Ich höre gerade ... "Like A Prayer" von Madonna. Absoluter Banger. Warte, ich zeig dir genau, was. Also gerade neu dazugekommen zu meinen Lieblingssongs sind Madonna "Like A Prayer", Kobrakasino, das ist so eine österreichische Band, geisteskranke Musik. Also das sagt man nicht. Extrem gute Musik. "Zentrale" heißt der Song. Der neue Song von Mathea "Einfach Nichts". Deutschpop, sehr gut [Chefskiss mit Fingern]. Und ich hör' grad wieder ganz viel System Of A Down. Ja und ich glaub das war's.

Das ist ja eine ganz gute Mischung.

Definitiv. Ich entrappifiziere meinen Algorithmus.

Aber ist ja auch cool sich für andere Genres zu öffnen, weil sich in was reinzuzementieren, ist ja dann auch doof. Noch mal zurück zu deinem Auftritt am Donauinselfest 2025: sind weiterhin Glatzen auf der Bühne geplant, dein fast schon Markenzeichen? Und wie sieht generell deine Zukunft aus?

Ich habe eine zweite Notiz, wo jede Idee, die ich umsetzen möchte, drauf steht. Und da stand das drauf mit den Glatzen. Haha, wie lustig ist das? Und dann spinnst du das irgendwann weiter. Und dann war so ey, lass die auf die Bühne kommen mit so fake Instrumenten und meine Liveband und haha, hihi. Und das wird definitiv weiter getragen, sofern das möglich ist. [...] Wir sind ja schon voll die Gang. So, es ist sehr, sehr funny. Und Festivalsommer steht jetzt an! Ich glaube ich bin jetzt bei 15 Festivals. Auch sehr viele kleine Stadtfestl dabei, mit Bühnen, die circa so 20 Zentimeter hoch sind. Aber egal, alles mitnehmen, alles mitnehmen. Eine Tour im Februar [...] Ende November davor ist die Wienshow dazu im Flex in der Halle, wo ich 700 Tickets zu verkaufen hab. Da habe ich sehr großen Respekt davor und große Angst. Aber wird schon. Ende des Jahres bin ich bei Mola Support auf ihrer Weihnachtshow. Das wird sehr lustig. Genau. Und ich hoffe, ich schaffe es wieder, zu dem Album ein Remix Album zu machen. Das ist ein Ziel. Zwei recht große DJs in Deutschland haben mir ungefragt schon mal den "Aus Prinzip" Song geremixt. Hört sich insane an. Und jetzt bin ich gerade dabei, andere Producer und DJs zu überzeugen, das zu remixen. Genau.

Ja, und jetzt, wenn du sagst super viele Liveauftritte geplant und so, und ich meine, ist ja schon, dass du dein Leben umgekrempelt hast. Wie ist das aber zu vereinbaren mit "so da bin ich dort", "dann bin ich da", also so viel unterwegs zu sein. Das ist ja schon schwierig.

Definitiv schwierig. Aber ich baller' nicht, ich kiffe nicht, ich mach garnix so. Manchmal hab ich das Gefühl, ich trink' bisschen zu viel, aber es hält sich meiner Meinung nach so im Rahmen. Jetzt hatte ich am Wochenende einen Auftritt in Saarbrücken und dann einen Auftritt in Wien. Und das wird jetzt jedes Wochenende sehr viel sein. Ich freue mich schon, aber ich habe auch ein bisschen Angst davor. So aber alleine die Tatsache, dass ich das wieder machen darf. Ich fühl mich wie so 17, voller Euphorie. Scheißegal. Also weißt du, es wird jetzt durchgezogen. Also ich blicke dem schon sehr positiv entgegen.

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