laut.de-Biographie
Men At Work
Im Januar 1983 gelingt der Pop- und Rock-Gruppe ein einzigartiges Kunststück: Men At Work belegen als erste australische Band gleichzeitig Platz eins der amerikanischen Billboard-Single- und Album-Charts. Sowohl die Single "Down Under", als auch das Album "Business As Usual" sind jedoch bereits im Jahr 1981 erschienen.
Die Wurzeln der Formation liegen in Schottland. Zusammen mit seiner Familie siedelt der junge Colin Hay 1967 nach Australien über. Als Partner von Ron Strykert gründet er 1978 ein noch namenloses Singer/Songwriter-Duo, das sich später dank Jerry Speiser (Schlagzeug) und Greg Sneddon (Keyboards) zu einer Band entwickelt.
Doch bereits 1979 steigt Sneddon aus und wird durch Greg Ham ersetzt, der zusätzlich Saxophon und Flöte spielt. John Rees stößt als Bassist hinzu. Bei der Suche nach einem Bandnamen spielen ein zufälliges Baustellen-Warnschild und Straßenarbeiter eine wichtige Rolle: fortan firmieren die fünf Musiker als Men At Work. Als oft gebuchte lokale Combo erspielen sie sich in Melbournes Cricketers Arms Hotel eine rasch wachsende Fangemeinde.
Es kommt zu einem Plattenvertrag mit Columbia Records, und bereits die erste Single bringt auf dem fünften Kontinent den Durchbruch: die Single "Who Can It Be Now?" erobert 1981 Platz eins der australischen Hitparade. Rasch folgt mit "Business As Usual" im November 1981 ein Debütalbum, das wie die zweite Single-Auskopplung "Down Under" erneut die Spitzenplätze der Hitparaden belegt. Mit diesen Erfolgen im Rücken drängt es die Band, auch außerhalb ihres Heimatlandes aktiv zu werden.
Columbia Records lehnt das Ansinnen einer Alben-Veröffentlichung in den USA zunächst ab. Doch das Management bleibt am Ball, und es gelingt, "Business As Usual" sowohl in Nordamerika als auch in England auf den Markt zu bringen. Zwecks Promotion gehen Men At Work in den Staaten auf Tour - mit Erfolg. Im Oktober 1982 stürmt zunächst "Who Can It Be Know?" die Charts, ab November belegt ihr Album für 15 Wochen Platz 1. "Down Under" erscheint als weitere Single-Auskopplung, während der Erstling noch immer in den Hitparaden steht. Das Men At Work-Fieber erfasst nun auch England und Resteuropa. 1983 bekommt die Band sogar einen Grammy-Award verliehen.
Das bereits 1982 produzierte, doch erst 1983 veröffentlichte Nachfolge-Album "Cargo" erweist sich weltweit als weiterer Millionenseller, bestückt mit Hits wie "Overkill", "It's A Mistake" sowie "Dr. Heckyll And Mr. Jive". Doch damit ist dann der Zenit erreicht, auf den raschen Aufstieg folgt ein lang währender Fall. Nach einer Schaffenspause kommt es zu Umbesetzungen innerhalb der Band, Speiser und Rees verlassen Men At Work. Zwischenzeitlich zum Trio geschrumpft, entsteht 1985 das dritte Album "Two Hearts". Charts-Erfolge bleiben jedoch weitgehend aus.
Zwischenzeitlich verlässt auch Strykert die Band, danach geben sich in raschem Wechsel verschiedenste Musiker die Klinke in die Hand. Der letzte große Auftritt von Men At Work geht im Juli 1985 beim australischen Live-Aid-Ableger "Oz For Africa" in Sydney über die Bühne, der via Satellit auch in London und Los Angeles empfangbar ist. Anfang 1986 löst sich die Formation auf und Colin Hay konzentriert sich auf sein erstes Solo-Album "Looking For Jack". Zehn Jahre später kommt es zu einer kleinen Wiedervereinigung von Gründungsmitgliedern, die mit Gastmusikern 1998 auf Tour gehen. Die gute Fan-Resonanz führt zum Live-Album "Brazil". 2000 präsentieren Men At Work anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Sydney ihren Mega-Hit "Down Under" noch einmal während der Abschlussfeier. Neben seiner Solo-Karriere spielt Hay in Ringo Starrs Allstar Band.
Im Jahr 2010 verklagt der Musikverlag Larrikin Music die Band, da der Flöten-Part von "Down Under" beim bekannten australischen Kinderlied "Kookaburra Sits In The Old Gum Tree" aus dem Jahr 1934 abgekupfert sei. Die Inhaber der Urheberrechte des Folksongs verlangen von Men At Work satte 60 Prozent der Tantiemen des Welthits. Letztlich müssen die Australier fünf Prozent der seit 2002 mit dem Song erzielten Einnahmen sowie zukünftige Tantiemen bezahlen. Hay, der den Song mit Strykert geschrieben hatte, bezeichnet jegliche Ähnlichkeit zur Melodie des Volkslieds als "unbeabsichtigt, naiv und unbewusst."
Im April 2012 findet man Flötist und Saxofonist Greg Ham tot in seinem Haus in Melbourne. Er wurde 58 Jahre alt. Als Todesursache wurde Herzstillstand genannt. Gleichzeitig gab Hay in Interviews zu Protokoll, dass das Plagiatsverfahren dem Flötisten sehr zugesetzt und er sich für den Urheberrechtsstreit verantwortlich gefühlt hätte.
Seither hält Colin Hay das Erbe der Band aufrecht. Er tourt mit Mitgliedern seiner Soloband immer wieder als Men At Work um die Welt, 2026 etwa durch Nord- und Südamerika. Dabei erinnert er auf seiner Homepage stets an den verstorbenen Freund: "Ich vermisse meinen Freund Greg Ham. Wir tourten gemeinsam als Men At Work in der zweiten Hälfte der 90er und den 2000ern. Er ist nicht mehr da, aber unvergessen, und sein Beitrag zum Sound und zur Persönlichkeit der Band bleibt für immer."
Ebenfalls 2026 distanziert er sich von der Verwendung des Songs "Down Under" durch australische Einwanderungsgegner. Das Lied gehöre nicht denen, die versuchen, Fremdenfeindlichkeit zu schüren. Die einwanderungsfeindliche Gruppe "March For Australia" hatte den Song im Vorfeld landesweiter Demonstrationen verwendet. "'Down Under' ist letztendlich ein Lied der Freude. Es steht für Pluralismus und Inklusion, für Einheit, nicht für Spaltung", so Hay. Der in Schottland geborene Sänger unterzeichnete seine Nachricht auf Social Media mit "Colin Hay (Einwanderer)."


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