Platz 15: Halv Su Wild (2011)

Wenn die klassische 80er-Besetzung ein Ablaufdatum hatte (ob nun überschritten oder nicht), so hatte die 2000er-Besetzung das ihrige mit "Halv Su Wild" erreicht. Nur wenige BAP-Alben lassen sich so deutlich auf ihre stärksten Momente runterbrechen: "Noh All Dänne Johre" als Auftaktshymne zu Niedeckens retrospektiver Songwriting-Phase, "All Die Aureblecke" als tagträumerische Halbballade – und ja, Titeltrack und "Chlodwigplatz" sind auch ganz nett.
Gleichzeitig steht er aber exemplarisch für die Orientierungslosigkeit nach zwei starken Rockalben und dem orientalisch-märchenhaft angehauchten "Radio Pandora". Denn es sind gerade die straighten Rocknummern, die hier deutlich unter dem Niveau von "Aff Un zo" und "Sonx" fahren. "Karl-Heinz" etwa ist ein Paradebeispiel für musikalisches Können ohne Inspiration und Willen, etwas Neues zu erzählen.
Darf auf Studioalbum Nummer 16 vielleicht auch mal passieren. Gleichzeitig misslingt es stabilen Storytellingtracks wie "Verjess Babylon" aber, den Fuß in verdientem Maße von der Bremse zu nehmen. So bleibt "Halv Su Wild" nur ein Übergangsalbum hin zu einer folkloristischen Songwriter-Art, die sich erst auf dem Nachfolger überzeugend durchsetzt.
Wolfgang Niedecken:
"Warum so tief? Mit dem Album bin ich eigentlich sehr einverstanden, das hätte ich höher gesetzt. Klar, das Storytelling war am Ende dieser Besetzung vor allem live etwas schwierig, weil Helmut einfach unglaublich laut war und wir bei Konzerten auf einmal die Foo Fighters für Arme waren. Aber mit 'Halv su wild' bin ich sehr glücklich und davon wird auch 2026 wieder etwas in die Setlist rutschen, 'Autobahn' auf jeden Fall."
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