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Platz 13: Andere Kölsche Leeder (1979)

Hach Wolfgang, wie jugendlich du hier klingst! Das BAP-Debüt mit Niedecken-Präfix ist ein notdürftiger und offenkundig unter Zeitdruck und mit mangelnder instrumentaler Erfahrung aufgenommener Flickenteppich, von dessen Besetzung sich neben dem Chef nur noch die Boecker-Brüder in die goldene BAP-Phase retten konnten.

Doch wenn man sich erst einmal auf die Texte fokussiert, hat "Andere Kölsche Leeder" beileibe ein paar Hördurchläufe verdient. Heino, CDU, Axel Springer – hier kriegen wirklich alle ihr Fett weg.

Niedecken poltert mit unversöhnlich bissigem, aber immer augenzwinkerndem Vokabular gegen Katholizismus, Konservatismus und Kleinbürgertum und versetzt seine Zuhörerschaft damit mehr als einmal in kopfschüttelndes Gelächter. Und zwar nicht nur über die andere Seite des politisch-gesellschaftlichen Spektrums, sondern auch über sich selbst – die wohl größte Errungenschaft seiner frühen Lyrik.

Der Fanliebling "Stell Dir Vüür" bildet dabei nur die Spitze des nicht immer politisch korrekten Songwriting-Eisbergs. Wolfgangs Vater selbst nannte nicht wenige der Texte eine "Unverschämtheit" und ich wette, nicht wenige der heutigen restkatholischen BAP-Fans, die die wahre Message früherer Niedecken-Texte gerne mal verdrängen, würden es ihm mittlerweile gleichtun. Ein echtes Schülerband-Werk, ohne das der BAP-Kosmos ein ganzes Stück leerer (und humorloser) wäre.

Wolfgang Niedecken:

"So hoch setzt du das? Klar, das ist zwar schon ein richtiges BAP-Album, aber eben auf Basis meines damaligen Solo-Repertoires. Aufgenommen und abgemischt in sechs Tagen. Aber es ist schon gut, dass wir das gemacht haben. Leider konnten wir es nicht neu auflegen, eine tragische Geschichte, was die Rechte angeht.

Ich weiß nicht, ob ich dir das schon mal erzählt habe: Ich bin nämlich neulich erst drauf gekommen, dass meine Texte damals auch total von Zappa beeinflusst waren. Natürlich auch Dylan, aber eben sehr viel dieser nicht immer stubenreine Zappa-Humor. Den haben Schmal (Boecker, Percussion) und ich beim Malen rauf und runter gehört. Ich musste ja die Leute bei meinen Kneipenkonzerten bei der Stange halten, und mit Pointen ging das am besten."

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