Seite 8 von 18

Platz 11: Amerika (1996)

"Die Toreinfahrt vom Schuster" – na, Ohrwurm? Das zehnte BAP-Album zündet mit "Nix Wie Bessher" gleich zum Auftakt einen, wenn nicht den beliebtesten BAP-Song der Neunziger. Auch sonst bietet "Amerika" eine große Auswahl an starken Tracks, streift dabei allerlei Genres, ist mit seinen 74 Minuten aber allenfalls etwas zu lang geraten.

Das vorangegangene "Leopardefellband"-Projekt beschreibt Schlagzeuger Jürgen Zöller in seiner Biografie als "Beginn eines Flächenbrands", der später im Ausstieg der Langzeitmitglieder Steve Borg (Bass) und Schmal Boecker (Percussion) gipfelte.

Neu an Bord sind neben Bassist Werner Kopal auch Profi-Percussionist Mario Argandoña und Geheimwaffe Jens Streifling am Saxofon. Letzteren trifft man allerdings auch häufig an der E-Gitarre, was den Anteil puristischer, aber doch immer auf Stadion ausgelegter Rockmusik auf "Amerika" noch mal nach oben treibt.

Dazwischen: Einem mitalternden Publikum angemessene, würdige AOR-Musik mit ein paar von Niedeckens stärksten Texten. Etwa dem Titeltrack, der sich im Arrangement vielleicht ein bisschen zu sehr an Dire Straits' "You And Your Friend" anlehnt, aber das Nachkriegsgefühl trotzdem in all seiner Beklemmung abbildet.

Majors Soli hier teils fast auf Floyd-Niveau ("Novembermorje"), auch das Saxofon darf öfter ran. Immer wieder starkes Material, bloß kratzt und knirscht es halt einfach nicht mehr so schön im Gehörgang wie früher. Dass ein Song wie "Asphaltpirate" nur drei Jahre später ein Re-Recording durch die Nachfolgebesetzung erfährt, spricht Bände.

Dennoch: Mit "Amerika" beginnt für BAP ein zweiter Frühling mit starken Einzeltracks, den die sich dem Ende zuneigende Besetzung drei Jahre später zumindest als Gesamtwerk zu noch einmal knapp zu toppen weiß ("Comics & Pin-ups").

Wolfgang Niedecken:

"'Amerika' ist definitiv mein Lieblingsalbum der mittleren Phase. Da haben wir es nämlich endlich mal wieder hingekriegt, dass sowohl Major als auch ich happy waren. Viel weniger Modernismen, nicht immer diese ewigen Yamaha-DX7-Synthesizer-Sounds, von denen du sprachst. Ich konnte einfach schöne Geschichten über die Musik erzählen. Im Grunde ist das ja mein persönliches "West Side Story", nur eben mit dem Häuserblock, in dem ich aufgewachsen bin.

Die Ausstiege davor waren nachvollziehbar, weil ich diese sogenannte "Demokratur-Phase" beendet hatte, in der einige nur noch eine Funktion als Mehrheitsbeschaffer hatten und ansonsten nichts mehr zum kreativen Prozess beisteuerten. Ich hatte nach langem Überlegen ein Ultimatum gestellt. Das war schmerzhaft und traurig, denn Schmal war mein bester Freund. Aber nur durch den Umbruch wurde 'Amerika' möglich."

Seite 8 von 18

Weiterlesen

1 Kommentar