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Platz 10: Alles Fliesst (2020)

Ein Spätwerk, das es zwar nicht aufs Treppchen schafft, aber so treffsicher trotzdem nicht zu erwarten war. Die Handbremse von "Lebenslänglich" hat sich gelöst, und auch die für BAP-Verhältnisse experimentellen Soundcollagen manch vergessener Achtziger-Albumtracks feiern ihr Comeback.

Mit "Ruhe Vorm Sturm" als Vorabsingle trifft Niedecken auch lyrisch wieder zielsicher das Spannungsfeld zwischen losem Politrock und assoziativer Metaphorik – vielleicht nicht ganz das neue "Kristallnaach", aber nach dem handzahmen Vorgänger doch überraschend düster.

Mit "Alles Fliesst" beweist das Songwriting-Duo De Wolff / Rode aber auch, dass Niedeckens altersgemäße Retrospektiv-Lyrics nicht nur auf Americana und Folk, sondern auch auf brassigen Uptempo-Nummern ("Volle Kraft Voraus" / "Jenau Jesaat: Op Odyssee") funktionieren. Posaune, Saxofon und Trompete gehören seit der 2018er-Tournee "Live & Deutlich" nämlich fest zur Livebesetzung und schleichen sich folglich auch in den "Alles Fliesst"-Studiosessions ein.

Dabei pusten sie die Nummern zwar etwas glatter und geschmeidiger in die Gehörgänge der Zielgruppe, als es sein müsste, doch dafür gibts im eben auch so Momente wie das herzzerreißende Hornsolo im finalen "Wenn Ahm Ende Des Tages" – der besten von vielleicht ein paar zu vielen Balladen. Unterm Strich: Ein dem 70. Geburtstag angemessener Roadtrip.

Wolfgang Niedecken:

"Mein liebstes BAP-Album. Auch wenn das vermutlich alle immer über ihre neueste Platte sagen. Hier war vieles anders, zum Beispiel, dass ich direkt beim Grundtake mitgesungen habe. Das wollte ich immer schon mal machen. Wirklich organisch dabei sein, statt Zeile für Zeile wie aus dem Telefonbuch runterzusingen. Das war wunderschön. Die Songs finde ich auch super. da sind wieder welche bei, die wir noch nie live gespielt haben, 'Amelie' zum Beispiel – aber ich wüsste nicht, wo man die noch unterbringen soll."

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