Small Faces - "Small Faces"
All killers - no fillers gilt für dieses Frühwerk des psychedelischen Rock. Rundherum entstanden so viele Knaller, die aus Platzgründen dem Album fernblieben, dass man von einem kreativen Overkill sprechen darf. Vom unscheinbaren Standard-Cover sollte man sich nicht blenden lassen: Die Small Faces waren nicht einfach noch eine von diesen Vier-Pilzkopf-Jungs-aus-England-Gruppen, sondern eine der wegbereitenden. Aus den Basics des British Beat und ihrer Vorliebe für Soul-Coverversionen formten sie binnen kurzer Zeit viele kleine Artpop-Nuggets, versahen sie mit abgefahrenen LSD-Lyrics. Stilistisch zwischen Procol Harum, The Moody Blues und The Zombies zu verorten, aber mit einem Faible für knappe Uptempo-Nummern, machten auch sie einen Barock-Einfluss geltend und ließen Cembalo-artige Klänge aus elektromechanischen Keyboards ins ein oder andere Stück einmünden.
Eine Besonderheit neben der präzisen Aufnahmequalität und der instrumentalen Virtuosität der Herren Lane, Marriott, McLagan und Jones steckt im schauspielerisch tollen Vokal-Vortrag, teils mehrstimmig, sehr deutlich bewunderbar in "Something I Want To Tell You", "Become Like You", "All Our Yesterdays" und "Show Me The Way". Obschon mit "Get Yourself Together" ein waschechter Flowerpower-Tune mit drauf ist, durfte man sich in Amerika noch zwei Jahre lang gedulden, bis eine Abwandlung der Scheibe mit geänderter Tracklist und besserem Artwork unter dem Titel "There Are But Four..." erschien. Wir raten der Vollständigkeit halber zur seit 2002 erhältlichen und inzwischen handelsüblicheren Remastered-Doppel-CD "Small Faces". Darauf befindet sich "Itchycoo Park", ein mittlerweile ikonisch gewordener Non-Album-Track aus denselben Sessions. M People machten aus dieser Psychedelic-Prototyp-Aufnahme später Tropical-Soul. Neben "Tin Soldier" und "Don't Burst My Bubble", weiteren Bonus-Tracks, heißt der Hit des Albums, der wirklich von Anfang an drauf war, "Here Comes The Nice".
Kreisen viele der Texte ums allgemeine Befinden und Lebensgefühl, gibt es auch ein umfassendes Plädoyer für die Männerrolle des romantischen Softie. Verzerrte Wahrnehmung und die Wirkung mancher Pille lässt sich dem Inhalt und Sound der Highlights "Green Circles" und "Up The Wooden Hills To Bedfordshire" anmerken, den allerbesten unter all diesen Premium-Tracks. Dabei fällt auch ein Satz, der bis heute ganz großes Tischtennis ist: "When you're slipping into sleep, that's the time to unwind / sinking down into the deep, that's the time of no time." Die Mod-Szene liebte sie, sie lieferten aber dank ihrer Arrangements auch Steilvorlagen fürs Proggen.
Kaufen?
Wenn du über diesen Link etwas bei amazon.de bestellst, unterstützt du laut.de mit ein paar Cent. Dankeschön!
Noch keine Kommentare