Nina Simone - "Wild Is The Wind"
Wenn man es mit einer Künstlerin vom Format Nina Simones zu tun hat, gerät selbst ein Resteessen zum Galadinner. "Wild Is The Wind" versammelt eigentlich lediglich übrig gebliebene Songs aus Sessions in den Jahren 1964 und '65, aber, Alter! Was sind das für Songs!? Die musikalische Bandbreite ersteckt sich von Jazz und Folk über Pop und Soul bis in die Grenzbereiche von Calypso und etwas, woraus später Disco erwachsen sollte.
David Bowie coverte für "Station To Station" den Titeltrack, Jeff Buckley nahm sich auf "Grace" "Lilac Wine" vor. Am nachhaltigsten beeindrucken aber das minimalistisch arrangierte "Black Is the Color of My True Love's Hair" und vor allem der schier übermenschgroße Song "Four Women". Die Sängerin und Pianistin handelt darin die intersektionale Benachteiligung ab, die Schwarze Frauen trifft: Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft und generationenübergreifende Traumata addieren sich zu einer schier untragbaren Last.
Zu viel für einige Radiosender, die den Titel aus ihrem Programm verbannten. Mehr noch als über derlei Zensur ärgerte sich Nina Simone aber über die Unterstellung, die vier Frauenfiguren in ihrem Song reproduzierten rassistische Klischees: "Ich habe mich entschieden, meine Zeit und die Situation, in der ich mich selbst befinde, widerzuspiegeln", erklärte sie 1969 in einem Interview. "Ich betrachte das als meine Pflicht. In unruhigen Zeiten, wenn uns alles verzweifeln lässt und jeder Tag ein einziger Kampf ums Überleben ist, kann man meiner Meinung nach gar nicht anders als sich zu engagieren."
Hört diese Worte, sie sind leider brandaktuell.
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