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Afrika Bambaataa & Soulsonic Force - "Planet Rock - The Album"

Okay: "Planet Rock", die Single, entstand bereits 1980 oder '81, das genaue Datum kriegt noch nicht einmal mehr der zweifellos unmittelbar beteiligte Produzent Arthur Baker genau rekonstruiert. Dagegen gut dokumentiert: Erschienen ist der Track 1982, genau wie sein Nachfolger "Looking For The Perfect Beat", "Renegades Of Funk" folgte im Jahr darauf. Wir hätten uns schon arg abmühen müssen, um dieses Album in dieser Best-of-Liste zu feiern, hätte es nicht wirklich bis 1986 gedauert, den bahnbrechenden Singles einen Longplayer hinterherzuschieben.

Als "Planet Rock - The Album" endlich folgte, bündelte es zwar lediglich die vorausgegangenen Singles, erfand darüber hinaus aber kein Rad mehr neu. Warum auch? Die Herren Bambaataa und Baker hatten ihr Soll ja längst erfüllt und gleich mehrere musikalische Revolutionen losgetreten. Sie brachten 808s in den R'n'B und den noch jungen Hip Hop. Sie prügelten sterilem deutschen Proto-Techno Funkyness ein und verwoben zusätzlich noch japanischen Pop und britischen New Wave. Bambaataa wird die Erfindung des Breakbeat-DJings zugeschrieben. Ganz nebenbei legte "Planet Rock" Grundsteine für ein halbes Dutzend und mehr Genres. Wie sich zum Beispiel Elektro-Boogie, Miami Bass, House, Detroit-Techno, Elektro-Funk oder Hip Hop ohne den Einfluss von "Planet Rock" weiter- oder überhaupt entwickelt hätten: Man kann nur mutmaßen.

Reichlich Mutmaßungen kreisen auch um Afrika Bambaataas Person, und zwar solche der Sorte, mit der man sich am liebsten gar nicht befassen würde: Seit 2016 werden immer wieder Vorwürfe gegen den Zulu Nation-Gründer erhoben. Die Rede ist von Ausbeutung und sexuellem Missbrauch Minderjähriger und von Menschenhandel. Bambaataa bestritt zwar stets die ihm zur Last gelegten Tatbestände, die schiere Zahl der Klagen und die verdrucksten Kommentare von Zeitgenossen wecken an seiner Glaubwürdigkeit aber erhebliche Zweifel. Alle hätten damals über Bambaataa Bescheid gewusst, erzählte zum Beispiel Melle Mel in einem Interview. Ob wir die Zeit wohl noch erleben werden, in der sogenannte "echte Männer" dem Bescheidwissen auch ein Eingreifen folgen lassen? Bis dahin hat Bambaataas eigentlich positives Motto "Peace, love, unity and having fun" jedenfalls einen ganz schön widerlichen Nachgeschmack bekommen.

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