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1990er, Platz 4: Three 6 Mafia

Ähnlich wie N.W.A. mit dem Gangsta-Rap, waren auch Three 6 Mafia nicht die ersten in Sachen Memphis-Rap beziehungsweise Memphis-Horrorcore, aber sie trugen extrem dazu bei, dass er nicht so schnell wieder in Vergessenheit geriet. Zum Glück: Schließlich haben wir es mitunter diesem Sound, der großen Gebrauch von der Roland TR-808, Triplet Flows, 32stel-Hi-Hats und düsteren Samples machte, zu verdanken, dass wir uns heute an den endlosen Weiten der Trap-Musik ergötzen dürfen.

Bereits in den späten 80ern produzierten DJ Paul und sein Halbbruder Lord Infamous erste Mixtapes, die sie unter anderem an ihrer Schule verbreiteten. Als 1991 der anstrebende Producer und Gangsta-Rap-affine Juicy J auf die beiden stößt, gründen sie zusammen Da Backyard Posse. Später sollten sie ihre Posse in Triple Six Mafia umbenennen. Wie der Name schon vermuten lässt, bestimmen finstere Produktionen und makabere Horrorcore-Lyrics die frühen Tage der Truppe. Gleichzeitig entstehen in dieser Zeit aber auch frühe Versionen zukünftiger Hits wie "Tear Da Club Up" oder "Slob On My Knob". Gerade der ikonische Flow des letzteren Songs fand im Laufe der Jahrzehnte immer wieder neue Nachahmer. 1994 stieß der Rapper Koopsta Knicca zur Gruppe hinzu, die im Folgejahr mit Crunchy Black und der damals noch 14-jährigen Gangsta Boo weiter wuchs.

Um das ach so gottesfürchtige Volk der Staaten nicht zu sehr abzuschrecken, nannte sich die Gruppe im Zuge ihres Debüt-Albums "Mystic Stylez" zu Three 6 Mafia um. Man kann sich nun darüber streiten, ob diese verhältnismäßig marginale Namensänderung großartig irgendetwas an deren sonst schon teuflischen Image geändert hat. Abgesehen von einer erheblichen Qualitätssteigerung, größtenteils befreit von den Lo-Fi-Soundscapes alter Tage, blieben die dämonischen Inhalte weitestgehend erhalten. Trotzdem beförderten Three 6 Mafia mit diesem Album und den folgenden den Sound ihrer Heimatstadt in den Mainstream, beteiligten sich aber auch maßgeblich daran, den gesamten dreckigen Süden näher in den Fokus der Rap-Welt zu rücken. Für ihren Song "It's Hard Out Here For A Pimp" aus dem Film "Hustle & Flow" gewann die Gruppe sogar den Oscar für den besten Filmsong des Jahres 2006, erst die zweite Auszeichnung für einen Hip Hop-Song nach Eminems "Lose Yourself" aus "8 Mile" von 2002. Und … ah, ja: Crunk. Crunk haben wir ihnen auch zu verdanken.

Die Hälfte der Gruppe weilt leider nicht mehr unter den Lebenden. Lord Infamous starb 2013 mit 40 Jahren im Schlaf an einem Herzinfarkt. Genauso alt wurde Koopsta Knicca, der zwei Jahre später infolge eines Schlaganfalls mit zerebralem Aneurysma von uns ging. Gangsta Boo verstarb am 1. Januar 2023 mit 43 Jahren unglücklicherweise an einer versehentlichen Überdosis Fentanyl-gestreckten Kokains. Lord Infamous gilt bis heute als ikonisch für seine rasanten Flows. Koopsta Knicca mit seiner hohen, wie vom Teufel persönlich besessenen Delivery, bescherte uns mit "Da Devil's Playground" ein legendäres, mal verflucht chilliges, mal verflucht schauriges Tape, und Gangsta Boo darf sich neben La Chat und Princess Loko definitiv zu den Queens of Memphis zählen.

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