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"Hör' meine Songs, Bro!"

Wenn wir aber schon über österreichische Rapperinnen sprechen, bin ich wahrscheinlich doch wesentlich näher bei Kitana. Die hat für platte Zeilen jedenfalls auch wenig übrig. Auf die Frage, ob sie homophobe oder frauenfeindliche Beleidigungen stärker treffen, antwortete sie der Berliner Morgenpost: "Gar nichts von beidem, überhaupt nicht. Was mich trifft, ist schlechte Lyrik." Im Battlerap könne man sie zwar wütend machen, nicht jedoch verletzen: "Wenn jetzt jemand herkommt und sagt: 'Ich weiß, dass du lesbisch bist, und außerdem bist du eine Frau', dann sage ich: 'Hör meine Songs, Bro, das habe ich schon vor zwei Jahren erzählt.'"

Für Kitana ist im Grunde ein Glücksfall, dass im Battlerap hauptsächlich Männer unterwegs sind. Mit denen messe sie sich nämlich am liebsten, und sie verfährt dabei auch gar nicht zimperlich. Was nicht überall gut ankommt: "Ein paar Leute aus der queeren Szene sagen, dass es nicht gut ist, wie ich mit meiner Sexualität spiele. Warum benutze ich 'schwul' als Beleidigung? Ich bin doch selbst homosexuell. Doch ich nutze es als Waffe, weil ich ganz genau weiß, dass Männer das stört. Es ist umgekehrte Psychologie. Ich belächle homophobe und frauenfeindliche Aussagen und benutze sie dann gegen meine Gegner. Das ist das Schlimmste, was ein maskuliner Mann hören kann."

Im Battlerap-Kontext habe sie es als Frau nicht schwer(er) gehabt, glaubt Kitana. " In der Musikszene schon. Ich gebe mal ein Beispiel dafür: Ich veröffentliche einen Song, und mein Management postet ein kurzes Werbevideo. Permanent trudeln Hate-Kommentare ein. Wenn man Kommentare nur für Männer einschränkt, hört es auf. Wir haben das getestet. Männer fühlen sich schnell getriggert, wenn eine Frau rappt. Sie sehen nicht die Technik und die Leistung. Sie sehen nur das Geschlecht. Bei manchen Frauen ist das übrigens nicht anders. Patriarchales Denken ist bei allen tief verankert. Das hat man zuletzt bei den Rapperinnen Loredana und Schwesta Ewa gesehen, die gegen die Rapperin Ikkimel geschossen haben. Ich bin großer Schwesta-Ewa-Fan, aber da habe ich mir gedacht: Ihr merkt gar nicht, wie sehr euch die Scheiße im Kopf eingetrichtert wurde. Warum halten wir Mädels nicht zusammen?"

Ja. Amen.

Gelegenheiten, sich von Kitanas Livequalitäten zu überzeugen, gibts zum Beispiel bei der Jubiläums-Tour von Haze. Ich weiß nicht genau, ob sie die komplette Tournee begleitet, beim Heimspiel am 20. März in Wien ist sie jedenfalls ganz sicher dabei:


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