Lettland: Atvara - "Ēnā"
Wen haben wir denn hier?
Unter dem Alias Atvara geht die lettische Sängerin, Komponistin und Influencerin Liane Stūrmane an den Start, eine wahrhaftig sturmerprobte Frau. Sie hat eine Musikschule besucht, an der lettischen Musikakademie mit Schwerpunkt Jazz und Pop studiert, zwischendurch zeitweise auch als Englischlehrerin gearbeitet, wenn sie nicht gerade diverse Casting-Shows zu gewinnen hatte. Eine ihrer Kompositionen dient als Titelmelodie einer lettischen Fernsehserie. Bereits 2020 und 2024 war sie bei "Supernova" involviert, Lettlands ESC-Vorentscheid. Dessen 2026er-Ausgabe gewann sie mit der Höchstwertung der Jury und den meisten Stimmen des Publikums ...
Was singt die da?
... mit "Ēnā", einer wahrhaft erdrückenden Ballade, bei der die Schwere des Themas auch durchklingt, wenn man (so wird es wohl den meisten gehen) vom lettischen Text kein Wort versteht. Der Titel bedeutet übersetzt "Schatten". Kursierende Vermutungen, die Lyrics drehten sich um Verlust und Abschied, präzisierte Atvara in Interviews im Vorfeld: Tatsächlich spricht sie über Alkoholismus und seine Folgen, Erfahrungen, die sie als Kind in ihrer eigenen Familie machen musste. "Es handelt sich um ein in Europa weit verbreitetes Problem, und kaum jemand spricht darüber", sagt sie. Sie wolle die große Plattform nutzen, um zu enttabuisieren und Betroffenen eine Stimme zu geben.
Wie finden wir das?
Auch ohne dieses Hintergrundwissen transportiert der Song Dramatik, und in Atvaras verblüffend hohem Gesang schwingen Schmerz und Dringlichkeit mit. Trotzdem bleibt es halt, wenn auch versiert gesungen, von homöopathisch dazwischengebratzen Elektro-Effekten abgesehen, musikalisch eine recht biedere Klavierballade, völlig frei von jeder Art von Halligalli.
Hat das Chancen?
Gut möglich also, dass Lettland schon im Halbfinale die Endstation erreicht. Sollte der Zug doch ins Finale durchrauschen, würde sehr überraschen, wenn das nicht irgendwo im hinteren Drittel landet.
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