Kroatien: LELEK - "Andromeda"
Wen haben wir denn hier?
Es erschiene völlig nachvollziehbar, wenn sich LELEK einzig und allein zu dem Behufe formiert hätten, ihr Land beim ESC zu vertreten: Für ihren ausgesprochen eigenen Ethno-Pop gibt es keine bessere Bühne. Gegündet 2024, nahmen sie auch direkt Kurs auf den Grand Prix. Beim Vorentscheid im vergangenen Jahr reichte es für das Quintett zwar nur für Platz vier. Der zweite Anlauf glückte nun aber, und nun sind sie da. "Androme-da". (Pardon.)
Was singen die da?
Ja, ganz offensichtlich sind die Lyrics auf Kroatisch. Ich muss also den kursierenden Übersetzungen vertrauen. Sollten die (wovon ich ausgehe) stimmen, dann sind das zwar kryptisch verklausulierte, aber doch eindeutig entschlossene feministische Kampfansagen, die LELEK da in die Runde schreien: "Während du eine Kerze anzündest, frag' deine Großmutter: Warum hat sie Kinder in Angst geboren? Warum haben so viele den Friedhof gewählt?" Ja, warum? "Schreien" ist übrigens gar nicht despektierlich gemeint. Was LELEK hier exerzieren nennt man "Weißer Gesang", eine in Osteuropa verbreitete Vokaltechnik, bei der Melodien eben genau durch Schreien entstehen. Habt ihr gewusst? Ich nicht, aber man lernt ja auch in hohem Alter noch täglich dazu. Sofern man will.
Wie finden wir das?
Was soll ich sagen? Wegen solchen Beiträgen liebe ich den ESC. Wo kriegt man sowas sonst schon mit? Ich halte für möglich, dass LELEK im vergangenen Jahr Tautumeitas gehört und schwer gemocht haben. (Ich auch!) Sie kommen zwar nicht ganz so filigran wie die Lettinnen rüber, sind selbst eher Hexenzirkel als Waldelfenschwarm. Aber der Vibe der Harmoniegesänge ist ähnlich: feminin, mystisch, kraftvoll, seltsam und durch und durch stimmungsvoll. Luv it.
Hat das Chancen?
Vemutlich zu schräg für die Massen, hat aber vielleicht das Zeug zum Kritiker*innen-Liebling. Wenn das, was zu hoffen ist, den Finaleinzug schafft, landet es wahrscheinlich irgendwo im stabilen Mittelfeld.
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