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Australien: Delta Goodrem - "Eclipse"

Wen haben wir denn hier?

Wer dachte, es ginge bei der Teilnahme Australiens am ESC nur um den Gag, dass Austria und Australia offenbar manche*n zu Verwechslungen einladen, irrt: Das Land gilt als "assoziiertes Mitglied der Europäischen Rundfunkunion", der ESC wird down under schon lange ausgestrahlt und erfreut sich dort einer fidelen Fangemeinde. Die Beliebtheit des Wettbewerbs im eigenen Land bescherte den Australier*innen erst Raum für Video-Grüße, dann eine Einladung. 2015 waren sie erstmals dabei - in Wien.

Australien feiert mit seiner diesjährigen ESC-Teilnahme also einen Full Circle-Moment, und dafür vertrauen sie auf eine echte Hochkaräterin: Delta Goodrem ist Sängerin, Songwriterin, Pianistin und Schauspielerin. Ihren ersten Major-Deal unterzeichnete sie mit 15, vor der Kamera stand sie da schon ihr halbes Leben lang. Sie hatte internationale Chartserfolge, Millionen von Platten verkauft, Auszeichnungen noch und nöcher gesammelt und außerdem (wie Kylie) in der Kult-Serie "Neighbours" mitgespielt. Andere suchen nach einem Superstar, Australien schickt einen.

Was singt die da?

"Eclipse", also die Sonnenfinsternis, soll metaphorisch für zwei Menschen stehen, die einander umkreisen, sich aber nie wirklich begegnen, abgesehen von einem seltenen und deswegen ganz besonderen Moment. Beziehungsgedöns kosmischen Ausmaßes, also. Jesses. In ihren Song haben die Zuständigen entsprechend auch so ungefähr alles reingestopft, das in den unendlichen Weiten gerade so vorbeigeschwirrt kam: Flügel. Harfe. Wind. Wüstensand. Eine stimmgewaltige Frau. Gerade, wenn du denkst: Ah, noch so eine Diven-Ballade, setzt Bummsbeat-Percussion ein. Zwischendurch mit einem flotten Tasten-Intermezzo schnell zeigen, dass die stimmgewaltige Frau auch Klavier spielen kann, check, kann sie, aber ... ach, herrje.

Wie finden wir das?

Sorry: In meinen Ohren ist das ein einziges großes Tohuwabohu, das sich nicht entscheiden kann, ob es nun Dance-Nummer oder Balladenschmonz sein will. Deswegen ist es keins von beiden geworden, sondern irgendeine komische Chimäre dazwischen. Es wirkt, als habe niemand eine wirklich zündende Idee für den Song gehabt. Also hat man alles, das das Brainstorming an halbgaren Einfällen ausgespuckt hat, genommen und zusammengequirlt, in der irren Hoffnung, irgendeins der 27 Versatzstücke werde schon irgendwie verfangen.

Hat das Chancen?

Die Wettquoten sagen: wird es, auch wenn ich kein Stück verstehe, warum. Hängt wahrscheinlich einfach mit der Bekanntheit der Interpretin zusammen. Am Song kanns kaum liegen: "Eclipse" gehört für mich zu diesen konfusen Tracks, bei denen du schon vergessen hast, wie sie klingen, während sie noch laufen. Danke. Kann weg.

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