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Platz 19: Voodoo Lounge

Wie weit sich die Stones mittlerweile von ihrem einstigen Weg entfernt hatten, zeigte die "Voodoo Lounge Tour", bei der zu "Street Fighting Man" kunterbunte Aufblaspuppen auf der Bühne wackelten. Viel mehr Distanz zum eigentlichen Kontext des Songs konnte man in diesem Moment kaum haben. Zeitgleich zur Tour erschien der VW Golf Rolling Stones: Endlich konnte Papa seine Kinder mit der ehemals gefährlichsten Rockband der Welt zur Schule fahren. Hier ging einiges schief.

Das Album selbst spricht hingegen eine andere Sprache. Klassisch hält es sich an Rock, Blues und Country und macht einen großen Bogen um Experimente. Erstmals unter den Fittichen von Don Was, gehen die Stones konsequent den mit "Steel Wheels" eingeschlagenen Weg weiter. Die Maschine musste laufen. Nicht ganz im Sinne von Jagger, der sich mehr Groove und "afrikanische Einflüsse" (was immer das bedeuten mag) gewünscht hatte. Was hielt dagegen wenig von "Groove ohne Substanz" und führte die Band zurück zu dem, das sie seiner Meinung nach am besten konnte. "Suck On The Jugular" zeigt, dass er mit dieser Einschätzung wahrscheinlich gar nicht so falsch lag.

Seinen Titel verdankte "Voodoo Lounge" einer streunenden Katze, die Richards während der Arbeiten auf Barbados adoptierte und "Voodoo" nannte. Die Terrasse des Hauses taufte er daraufhin "Voodoo's Lounge". Da sich Bill Wyman mittlerweile gelangweilt das Weite gesucht hatte, kam außerdem Darryl Jones als neuer Bassist zu den Aufnahmen hinzu. Vorgeschlagen von Charlie Watts, spielt dieser seitdem auf fast allen Alben und Tourneen, wurde aber nie ein festes Mitglied der Band.

"Love Is Strong" beginnt den Longplayer mit einem dreckigen Riff und Jaggers großartiger Bluesharp. "You Got Me Rocking" gibt ordentlich Stadionfutter, während "The Worst" zeigt, dass Richards brüchige Stimme manchmal mehr Gefühl transportiert als die von Jagger. "Sparks Will Fly" entstand nach einem Streit mit Jerry Lee Lewis, der einen Jam für die Arbeiten an einem gemeinsamen Album hielt.

"Voodoo Lounge" ist letztlich das deutlich bessere "A Bigger Bang". Eine Band geht auf Nummer sicher, hat innerhalb ihres angestammten Reviers aber noch genug zu sagen. Das Album ist professionell, handwerklich stark und über weite Strecken sogar ziemlich gut. Die Rolling Stones wissen jetzt genau, was sie wollen, wie sie es unter die Leute bringen können und wie es dafür am meisten lecker Scheinchen gibt.

Für die Playlist: "Love Is Strong", "The Worst"
Für die Tonne: "Brand New Car", "Suck On The Jugular"

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