Platz 9: Beggars Banquet
Der Startschuss für den Mythos Rolling Stones, auf dem noch heute ein großer Teil des Sounds und Images der Band beruht, feuert dieses Album ab: "Beggars Banquet" zeichnet die Blaupause dessen, das man heute unter den Rolling Stones versteht.
Nachdem sie mit "Their Satanic Majesties Request" bei Kritik und Teilen der Fans gegen die Wand gefahren waren, geht es zurück auf Los. Zurück zum Blues, zu Folk, , Country, Gospel und Roots Rock. Zurück in die USA. Nicht als Rolle rückwärts, sondern als Neuerfindung mit alten Mitteln. Gleichzeitig zeigen sich die Stones ungemein experimentell und verweben ihre Wurzeln mit für das Genre ungewöhnlichen Rhythmen und Klängen. Das alles in einem deutlich trockeneren und dreckigeren, gleichzeitig aber viel größeren Sound als zuvor.
Parallel dazu spitzen sich die Probleme um Brian Jones zu. Während er selbst immer tiefer als alle andere in Drogen und persönliche Probleme versinkt, stellen Jagger und Richards ihren einstigen Bandleader zunehmend kalt. Mal werden seine Beiträge nicht verwendet, mal wird er praktisch ignoriert. Jones ist Mitglied, aber auch nicht. Auf "No Expectations" brilliert er aber noch einmal an der Slide-Gitarre.
Zwei Songs überstrahlen mit ihrer Präsenz den Rest. In "Sympathy For The Devil" führt Jagger als Luzifer durch die Menschheitsgeschichte, während hinter ihm die Band immer mehr Feuer fängt. Das vom Vietnamkrieg, Studentenprotesten und Straßenschlachten bestimmte "Street Fighting Man" liefert den passenden Soundtrack zum Jahr 1968.
Um den Elefanten im Raum kommt man jedoch nur schwer herum: Musikalisch ein schmutziger Bluesrocker, stellt sich "Stray Cat Blues" textlich als widerlicher Song über einen Mann heraus, der Sex mit einem minderjährigen Mädchen haben will. "I can see that you're fifteen years old / No, I don't want your I.D." Als wäre das nicht schlimm genug, macht Jagger auf der 1970 veröffentlichten Livefassung von "Get Yer Ya-Ya's Out!" aus den 15 sogar 13 Jahre. Egal, wie man das historisch einordnen möchte, egal, mit welchen Gründen man es verteidigen möchte, nichts davon macht es angenehmer. Wer nach dem absoluten Tiefpunkt der Bandgeschichte sucht, wird hier fündig.
Dennoch beginnt hier die große Phase der Rolling Stones, bestehend aus "Beggars Banquet", "Let It Bleed", "Sticky Fingers" und "Exile On Main St.".
Für die Playlist: "Sympathy For The Devil", "Street Fighting Man"
Für die Tonne: "Stray Cat Blues"!!!
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