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Platz 10: Aftermath (UK)

Die Schule ist vorbei. Die Stones werden erwachsen. Auf ihrem vierten britischen Album schreiben Jagger und Richards erstmals sämtliche Songs selbst, und die haben es in sich. Aus der britischen Band, die amerikanische Musik aufsog und irgendwann begann, eigene Stücke dazwischenzuschieben, wird endgültig eine Band, die auf eigenen Beinen steht. Erstmals zeigen sich die Stones auf Albumlänge gewapnet dafür, mit den Beatles zu konkurrieren. Sie klingen selbstbewusst, hungrig und zum ersten Mal vollkommen bei sich angekommen. "Aftermath" ist ihr künstlerischer Durchbruch, ihr erster Klassiker.

Jagger und Richards übernehmen endgültig die Kontrolle über das Songwriting, lassen dabei aber auch Beiträge der anderen unter den Tisch fallen. Jones spielt sich derweil durch Dulcimer, Koto, Vibraphon, Marimba und weitere Instrumente und setzt sie so selbstverständlich ein, als hätten sie schon immer zum Rock'n'Roll gehört. Chicago-Blues und R'n'B bleiben das Fundament, doch plötzlich finden daneben Pop, Folk, Country, Barock, Psychedelia und nahöstliche Klänge Platz: eine experimentellere, farbenfrohere und abwechslungsreichere Version der Stones als jene, auf die sie ihr späteres Image oft reduziert.

Das wunderschöne höfische "Lady Jane" klingt wie einer Zeitkapsel aus dem Jahr 1560 entsprungen. Die von Jones geschriebene Marimba gibt dem musikalisch fantastischen "Under My Thumb" erst seinen Zauber. "Mother's Little Helper" wirft einen einen bösen Blick auf die Drogensucht der bürgerlichen Hausfrau, die sich nur um den Hausmann und die Kinder zu kümmern hat, während sie in ihrem Alltag verschwindet. Mit dem elfminütigen "Going Home" veröffentlichen die Stones zudem ihren längsten Song, dessen Jam an die späteren Doors erinnert, ohne jedoch deren Klasse zu erreichen.

Jones' Neugierde kommt nicht überall gut an. Richards und Andrew Loog Oldham lehnen sie als Angeberei ab. Zeitgleich beginnt Jones' Drogensucht zum Problem zu werden. Seine Stellung in der Band bröckelt. Erstmals muss Richards alle Gitarrenspuren alleine aufnehmen, was er übelnimmt.

All die Schönheit, die sich in "Aftermath" findet, verbindet sich mit der Hässlichkeit der zeitweise hart misogynen Texte von "Stupid Girl" und "Under My Thumb", die die Lieder schlecht altern lässt. Vor allem bei letzterem eine Schade.

"Aftermath" stellt den Wendepunkt für die Stones dar. Ab hier waren Cover-Versionen die Ausnahme, die Band hatte nun eine eigene Identität. Zum ersten Mal beeindruckt sie andere mit ihren Songs, anstatt Songs nachzuspielen, die sie einst selbst beeindruckten.

Für die Playlist: "Mother's Little Helper“, "Lady Jane", "Under My Thumb"
Für die Tonne: "Stupid Girl", "What To Do"

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Aftermath (UK)*

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