Für eine letzte Show versammelte Ozzy Osbourne im Juli 2025 die größten Namen des Heavy Metal.

Birmingham (stj) - 1992 radelten wir im Affenzahn über die Landstraßen, um noch rechtzeitig für das "Freddie Mercury Tribute Concert for AIDS Awareness" vor dem Fernseher zu sitzen und die VHS-Kassette im Videorekorder zu platzieren. Dieses Konzert für den knapp fünf Monate zuvor verstorbenen Queen-Sänger steht bis heute als eine der legendärsten Tributshows für einen Rockstar in den Geschichtsbüchern. Die größten Musiker der Welt spielten mit Freddies Band dessen Klassiker.

Doch Ozzy Osbourne setzte diesem Denkmal im Juli 2025 noch einen drauf. Wie so oft in seiner Karriere – vom Black Sabbath-Rauswurf über den Taubenschreck hin zum TV-Clown und Festivalveranstalter - ging er seinen eigenen, harten Weg und schenkte sich und der Rock-Welt mit der "Back To The Beginning"-Show im Villa Park in Birmingham eine Ehrung von der Bühne zu Lebzeiten. Stets im Bewusstsein, dass es jederzeit zu Ende gehen konnte. Denn Ozzy, der seit sechs Jahren an chronischen Schmerzen litt, wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Der Konzertfilm "Back To The Beginning" erzählt von musikalischen Weggefährten, einer außergewöhnlichen Liebe und dem Abschied eines Mannes, der ein ganzes Genre geprägt hat.

Glockenschläge, Chorgesänge, düstere Bilder

Im Konzertfilm "Ozzy & Black Sabbath: Back To The Beginning", der seit dem 28. Oktober 2026 in ausgewählten Kinos läuft und am 11. Dezember zusammen mit dem Soundtrack erscheint, wird diese Endgültigkeit von der ersten Sekunde an deutlich. Glockenschläge, Chorgesänge, düstere Bilder. Dann erklingt "O Fortuna" aus Carl Orffs "Carmina Burana". Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Ozzys Vergangenheit wechseln sich mit Bildern aus Birmingham ab. Schließlich fährt Ozzy auf seinem Thron aus der Bühne empor. Immer wieder schneidet der Film Aufnahmen des jungen, wilden Ozzy dazwischen, zeigt den alten, an seinen Stuhl gefesselten Rockstar und die emotionalen Gesichter seiner Fans.

"People look to me and say / Is the end near, when is the final day?" Prophetischer hätten die ersten Zeilen von "I Don't Know" nicht ausfallen können. Doch Ozzy lacht, das Publikum lacht, alle feiern. Regisseur Ben Wainwright-Pearce verzichtet auf eine chronologische Nacherzählung des Konzerts und beginnt mit Ozzys Soloset und besagtem "I Don't Know". Der Mann, der einst wie ein Derwisch über die Bühnen tobte, kann seinen Thron kaum noch verlassen. Doch seine Aura füllt das gesamte Stadion.

Historische Aufnahmen von Ozzy und seinen Kollegen

Auf den Opener folgen erste Einblicke in die Entstehung des Konzerts. Tom Morello, musikalischer Leiter des Spektakels, erzählt, wie einfach es war, die größten Rockstars der Welt für Ozzys Abschied zusammenzutrommeln. Wenn man die letzte Ozzy-Show ankündigt und fragt, wer dabei sein will, gehen die Musiker eben ans Telefon. Jason Momoa erinnert daran, dass es gleichzeitig die letzte Show von Black Sabbath ist, den Gründervätern des Heavy Metal. Dann folgen Mastodon mit dem ewig unterschätzten Monster "Supernaut", Rival Sons mit dem interessanten Pick "Electric Funeral", Anthrax mit "Into The Void", Halestorm mit "Perry Mason" und Tool mit "Hand Of Doom". Die Auftritte sind teilweise stark gekürzt, doch der Film vermittelt genügend von ihrer Wucht. Immer wieder kommen alte Weggefährten zu Wort, die selbst auf der Bühne stehen. Dazu laufen historische Aufnahmen von Ozzy und seinen Kollegen. Zakk Wylde, dem Ozzy 1987 als blutjungem Gitarristen das Vertrauen schenkte, fasst seine Aufgabe perfekt zusammen: "My main focus is to back him up. To always be there for him." Dann folgt "Mr. Crowley".

Ozzys Auftritte, O-Töne von Organisatoren und Musikern, Backstage-Bilder, Fan-Emotionen und die Coverversionen der Gäste wechseln sich über den gesamten Film ab. Dabei bleiben die Musik und Ozzy stets im Mittelpunkt. Die kurzen Interviewschnipsel verlieren sich nie in ausufernden Monologen. Oft kommen die Stimmen aus dem Off, während Bilder von Ozzy hinter der Bühne zu sehen sind. Ohne viel Tamtam und Chichi gelingt es dem Film, die außergewöhnliche Atmosphäre dieses Tages einzufangen. Natürlich darf auch "Changes" von Yungblud nicht fehlen, der ähnlich wie George Michael bei Freddie damals das überraschende Highlight abseits des eigentlichen Hauptdarstellers liefert. Der Zusammenschnitt im Film ehrt seinen Auftritt gebührend.

Sharons Höllenjob

Eines sticht während des Films immer stärker hervor: Niemand schafft das allein. Neben den Freunden, Weggefährten und Musikern muss hier vor allem Ozzys Frau und Managerin Sharon gewürdigt werden. Ohne ihre Ideen und Projekte, die stets auch das Ziel hatten, Ozzy als Künstler relevant zu halten, wäre diese Karriere wohl anders verlaufen. Auch wenn das gerade in den MTV-90ern bisweilen arg nach Kuhmelken, solange noch Milch kommt, aussah, muss man gestehen: Sie hat einen Höllenjob gemacht.

Sie hat ihrer großen Liebe in einem irren Rockbusiness genau das Leben und schließlich auch den Abschied ermöglicht, den sich Ozzy als pure Künstlerseele selbst wünschte, aber wohl niemals alleine hätte organisieren können. Auch dank ihr steht Ozzy im Himmel der Legenden nun neben Freddie und Co. Wie der toughen Geschäftsfrau kurz vor dem Ende des Films in einem Einspieler die Stimme bricht, markiert einen der schönsten, kleinen Momente von "Back To The Beginning" abseits der Musik.

Tom Morello, Zakk Wylde, Sharon Osbourne: Drei der wichtigsten Protagonisten dieses Konzerts, politisch und weltanschaulich teilweise weit voneinander entfernt. Trotzdem umarmt sie alle Ozzys grenzüberschreitender Metal-Spirit. Jener Gemeinschaftsgeist, den Teile der Punkszene einst als Alibi-Progressivität verlachten, springt lebendiger denn je aus jeder Sekunde des Films. Wenn zum Schluss des Konzerts und des Films das gesamte Stadion, ob alt, jung, rechts, links, oben oder unten, Ozzy bei "Mama, I'm Coming Home" unterstützt, fließen die Tränen. Ozzy war nie allein, sondern stets geschützt und geliebt. Und gab alles hundertfach zurück.

Am Ende steht er auf einer Stufe mit den größten Musikern aller Zeiten.

"I love you all and thank you".

Fotos

Black Sabbath

Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Black Sabbath,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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