Hart, direkt und immer ein Lächeln auf den Lippen: Myles Kennedy, Mark Tremonti, Brian Marshall und Scott Phillips auf voller Betriebstemperatur.
Berlin (dp) - Die Berliner Columbiahalle ist bis unter die Decke gefüllt: die Luft schwer, die Erwartungen hoch. Das mittelalte Publikum wartet gesittet, aber gespannt auf die Band, die eigentlich Crew ist, nur eben mit Myles Kennedy am Gesang. Der Wechsel am Mikrofon hat Mark Tremonti und Co. nicht geschadet, haben Alter Bridge Creed doch längst den Rang abgelaufen.
Als Alter Bridge nach fulminanten Supportgigs von Sevendust und Daughtry (inklusive Journey-Cover!) auf die Bühne kommen und direkt mit "Silent Divide" loslegen, wird direkt klar, was Sache ist: Der Sound drückt von der ersten Sekunde an, die Gitarren sitzen tief im Raum, die Drums von Scott Phillips schieben kompromisslos. Sänger und Gitarrist Kennedy steht vorne, lächelt und hebt kurz die Arme, als wolle er die Atmosphäre in der Columbiahalle erst mal in sich aufsaugen.
Lachen ist gesund
Mit "Addicted To Pain" und "Cry Of Achilles" entzündet sich dann endgültig das Feuerwerk der Band. Auf der Bühne, die sporadisch mit alten Röhrenfernsehern bestückt ist, lächeln die Amerikaner um die Wette, während sie nonchalant ein Rockbrett nach dem anderen raushaut. Die Halle zeigt sich begeistert. Gitarrist Tremonti sucht Blickkontakt mit Kennedy, spielt sich nah an ihn heran: Beide wirken wie zwei Musiker, die genau wissen, warum sie seit Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen.
Die neuen Songs fügen sich wie selbstverständlich ein. "Playing Aces", erstmals live gespielt, wirkt nicht wie ein Testlauf, sondern als wäre er schon immer Teil des Sets gewesen. Dasselbe gilt für "Silver Tongue".
Spätestens bei "Burn It Down", als Tremonti die Vocals übernimmt, wird deutlich, wie entspannt und abgeklärt die Stimmung auf der Bühne ist. Er grinst, Kennedy tritt einen Schritt zurück, schaut zu, nickt, lässt Tremonti den Raum. Diese kleinen Gesten ziehen sich durch das Set, während Phillips und Bassist Brian Marshall den unsichtbaren Klebstoff liefern, der alles zusammenhält.
Der Abend endet hart und direkt
Die leiseren Momente kommen später fast beiläufig. "Wonderful Life", die Alter Bridge-Schmachthymne schlechthin, ist auch nach über 20 Jahren einfach nur schön. Wenn die Band dann wieder anzieht, ist die Energie sofort zurück: "Metalingus" lässt vor der Zugabe noch einmal alles inklusive Lightshow explodieren. Mit "Isolation" endet die Band hart, direkt und schweißtreibend bis zum letzten Schlag.
Alter Bridge wirken an diesem Abend glücklich, präsent und miteinander verbunden. Und die rappelvolle Columbiahalle hat genau das erlebt, was ein gutes Konzert ausmacht: Können, Gefühl und Nahbarkeit.
Text und Fotos: Désirée Pezzetta.

































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