Das Haar wogt, die Platte wackelt: Die kalifornischen Hardcore/Metal-Koryphäen rasen durch die Hauptstadt.
Berlin (maxi) - Einlass in Lido um 18:30 Uhr, Beginn: 19:40 Uhr. Wer, wie der Autor dieser Zeilen, die Choreografien und künstlichen Längen eines traditionellen Konzertabends kennt, den lässt der frühe Start des Berliner Nails-Konzert stutzen. Noch mehr wundert, dass mit Invunche aus den Niederlanden der erste von zwei Voracts der kalifornischen Metal/Hardcore-Band pünktlich beginnt.
Rotten Sound und Invunche
Der Frontsänger trägt Maske, ein Teil der restlichen Mitglieder Corpsepaint – Black Metal mit psychedelischen Einflüssen und, das wird den Abend kennzeichnen, abrupten Tempowechseln, die alle drei kurz gehaltenen Konzerte gestern Abend spannend halten.
Noch eine Spur lauter und intensiver klingt die Grindcore-Truppe mit dem illustren Namen Rotten Sound, ihres Zeichens Szene-Veteranen aus den Neunzigern. Am Set der Finnen fasziniert die Liebenswürdigkeit des Frontmanns während der Mikrodurchsagen, die vollkommen unvermittelt in gutturalen Hass unter rasendem Drumming umschlagen.
Haare wogen, Platten wackeln
Das anwesende Volk lässt anerkennend das lange Haar wogen oder wackelt mit der Platte – diese beiden Frisurenextreme dominieren den Konzertsaal. Nach jedem Set geht es an die Merchstände oder in den Raucherbereich zum Fachsimpeln, Stichwörter wie 'Lore' fallen allenthalben. Dann wieder rein und ab durch den nächsten Kugelhagel.
Nails starten ihr etwa 40-minütiges Set dann gegen 21 Uhr und klingen erstaunlich zugänglich. Fronter Todd Jones geht während seiner Ansagen auf Kuschelkurs mit dem Berliner Publikum und wirkt ehrlich dankbar für die Unterstützung seiner Fans: "I could have a conversation with anybody in this room". Es ist das letzte Konzert der laufenden Tour, die Band dirigiert die Circle Pits aber unverändert vehement. Vereinzelte Stage Dives enden auf Händen und in absurden Verrenkungen, ganz reale Ragdoll-Physik.
Zwischen Introversion und Extroversion
Weiter hinten stehen dagegen die stillen Genießer:innen, die ihre Anerkennung mit Bewegungen an der Grenze zwischen Introversion und Extroversion kundtun. Wer diese Band auf flächendeckenden Abriss, eine rein körperliche Erfahrung reduziert, tut ihr Unrecht. So stakkatoartig und brutal alles vonstatten geht: Wenn die Gehörgänge erst mal mit dem Druck zurechtkommen, haben Nails spirituelle Qualitäten.
Das Konzert endet mit "Unsilent Death", dem wohl größten Hit der Band. Keine Zugaben, kein Heckmeck. Wenn Konzerte immer so wären, man würde sie glatt wieder lieben lernen.
Text: Maximilian Fritz, Fotos: Thomas Bergmann.
























2 Kommentare
Stark. Nails und Rotten Sound, das hätte ich mir auch gern gegeben.
Sind die härter als Turnstile?