Platz 3: Es gibt Reis, Baby (1993)

Wir konnten das Geschrei beim Sortieren schon quasi hören: "WIE?! 'Es gibt Reis, Baby' ist nicht auf der Eins?! Das ist doch das Album, mit dem alles begann!! Wie könnt ihr nur?! Ihr habt doch keine Ahnung!" Dazu, in der Reihenfolge des Eingangs: So. Stimmt, isses nicht. Stimmt nicht, isses nicht. Seht ihr doch. Möglich, aber wir haben uns nicht durch 97 "Katzeklo"-, "Telefonmann"- und "Buttersong"-Variationen gelauscht, um uns jetzt erklären zu lassen, wie es geht.
Wer mitgezählt hat, weiß: Auch, wenn es 1993 ein bisschen so wirkte, handelt es sich bei "Es gibt Reis, Baby" keineswegs um Helge Schneiders Debüt, sondern, je nach Zählweise und abhängig davon, was man als Album durchgehen lässt, um sein bereits fünftes, sechstes oder siebtes. Es war, zugegeben, aber tatsächlich das erste, mit dem er von Jazzkellern und Kleinkunstkaschemmen in den Mainstream durchbrach. Spätestens nach seinem Auftritt bei "Wetten, Dass..?" kannte das ganze Land den skurrilen Klavierkasper aus dem Pott und seinen "Katzeklo"-Song.
Ein großes Missverständnis zwar, dass die Mehrheit Helge Schneider für einen skurrilen Klavierkasper hielt, nicht für den brillanten Jazzer, der er ja eigentlich ist, aber okay, den Verkaufszahlen hat es gut getan. Das Album ging hunderttausendfach über deutsche Ladentheken, erreichte Goldstatus, obwohl es den Einzug in die Top Ten knapp verpasste, und Nummern wie "Katzeklo", "Telefonmann", "Es gibt Reis, Baby" oder der "Buttersong" wurden, was man hierzulande gerne "Kult" nennt.
Wie artig das Publikum Helge aus der Hand frisst, dokumentieren die Live-Aufnahmen auf der zweiten CD: Die Leute springen wirklich über jedes Stöckchen, lachen über jeden noch so schrägen Witz. Zur Belohnung bekommen sie nicht nur die Information zugespielt, dass die Katze, der Schneider eine "sakrale Operette" widmet, auf den schönen Namen "Orang-Utan-Klaus" hört. Sie bekommen auch ganz exzellente Musik untergejubelt. Komponiert und arrangiert größtenteils von Helge Schneider höchstselbst, improvisiert und serviert zusammen mit seiner kleinen Band Hardcore, bestehend aus Buddy Casino an der Orgel und Peter Thoms am Schlagzeug.
Versteht uns nicht falsch, wir lieben das Ding. Wenn ihr uns nächste Woche fragt, wenn wir uns ein bisschen erholt haben, lieben wir auch "Telefonmann", den Titel- und den "Buttersong" und sogar das überstrapazierte "Katzeklo" wieder. Wahrscheinlich mögen wir die etwas weniger ausgezüllten Tracks wie den Storyteller "Die Annonce", den groovy "Vibrationboogie" oder die Schneider-und-Hardcore-Interpretation von Gershwins Evergreen "Summertime" aber trotzdem noch ein bisschen lieber. Wenig geht über das alte Reinhold-Helge-Spiel. Zwei Alben aber eben doch.
Tipp: "Vibrationboogie", "Die Annonce", "Summertime"
Och, nö: "Der Rabe" (wirklich kein Rilke, immerhin aber kurz)
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