In einem Interview zieht der vermeintliche "True-Crime-Rapper" die Recherche-Ergebnisse der Zeit ins Lächerliche. Für Januar kündigt er ein Album an.

München (dol) - "Da hat nichts gepasst. Es hat auch nichts gestimmt." Die Recherche der Journalisten Paul Schwenn und Markus Sehl über die fragwürdige Biografie von Kolja Goldstein in der Zeit ließ von Koljas stets zur Schau gestellter krimineller Vergangenheit wenig übrig. Im Rahmen einer NFT-Releaseparty in München gewährte Goldstein hiphop.de nun eine Audienz, die einem journalistischen Offenbarungseid gleichgekommen ist.

"Wie gehst du persönlich damit um?", weist ihm der als Interviewer agierende JP gleich den passenden Ausweg, um sich als Opfer einer böswilligen medialen Kampagne in Szene zu setzen, "Hat dich das abgefuckt oder ist das für dich einfach Hate, mit dem man umgehen muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht?" Heutzutage könne "jeder jederzeit irgendwas publizieren", meint der Rapper, "ob das jetzt in Printmedien oder online ist". Als öffentliche Person gebe es "immer Leute, die dich testen wollen, ob das jetzt auf Straßenebene ist oder ob da ein Journalist sich an dir 'vergeht'", erklärt er nachsichtig.

"Du musst damit rechnen, dass jemand kommt, der dich abfucken will."

Letztlich gehe es den Journalisten ohnehin nur um die Fragen: "Wenn ich den Namen benutze, kriege ich dann mehr Klicks? Kann ich damit Geld verdienen? Und das ist halt zweifelsfrei so." Er habe zwei Anwälte in seinem Team, die sich den Fall angesehen haben und Unterlassungsklagen einreichen wollten. "Das müssen wir nicht machen", habe er großmütig abgewunken, "Ich mach' Musik, ich steh' in der Öffentlichkeit. Dann musst du auch damit rechnen, dass mal irgendjemand kommt, der dich abfucken will. Dann brauchst du da nicht heulen."

JP lobt seinen Gesprächspartner für die Party, die Gastfreundschaft und den Umgang, den er mit dem Artikel gefunden habe. An einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Zeit-Recherche fehlt jedes Interesse. Nur vereinzelt geht Kolja Goldstein auf Aspekte ein, etwa dass sein Name falsch geschrieben worden sei oder seine Herkunft nicht stimme. Für ihn sei es auch verständlich, dass das bosnische Gefängnis keine Auskunft über seinen Aufenthalt gebe. Zumindest die Ausbildung zum Koch bestätigt er beim Rundgang. Am Ende der Journalismus-Simulation kündigt er sein Album für Januar 2023 an.

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laut.de-Porträt Kolja Goldstein

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6 Kommentare mit 15 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Ja klar, dass Milieu in dem er sich nach eigener Aussage umgibt hätte ihn längst kalt gemacht für seine dämlichen True Crime Raps. Richtiger Buba.

  • Vor 3 Jahren

    HipHop.de und diese anderen Plattformen sind halt extrem lächerlich. Da arbeiten halt auch keine Journalisten, sondern fanboys. Jede kritische Nachfrage wurde ja ggf die clicks gefährden. Wessen Brot ich was, dessen Lied ich sing, kann ich da nur sagen

  • Vor 3 Jahren

    HipHop.de ist mittlerweile wie Raptastisch mit Werbepartnern. Alleine schon dieser ekelhafte Rooz. Backspin ist auch nur noch lächerlich mit ihrem Phrasenklopper Nico. Der Backspin Stammtisch ist so peinliches Gebrabbel. Da Juice und Rap.de tot sind und die beiden erstgenannten Formate mindestens geistig behindert, gibt es abseits von Youtube Podcasts und Foren kein reines HipHop Medium aus diesem Land mehr, dass mich informiert ohne das ich Fremdscham empfinde.

  • Vor 3 Jahren

    Das ist insofern bemerkenswert, weil der Begriff "Journalismus-Simulation" ganz zutreffend das beschreibt, was der Großteil der Mainstream-Medien macht.

  • Vor 3 Jahren

    Ich feier Kolja und bin gespannt was da noch so an Output (musikalisch sowie statementechnisch) rauskommt. In dem Video zum Interview waren auch echt ein paar schöne Chayas am Start. Da wäre ich gern dabei gewesen , aber ticke scheinbar zu wenig Koka :(

  • Vor 3 Jahren

    ''...die sich den Fall angesehen haben und Unterlassungsklagen einreichen wollten. "Das müssen wir nicht machen"'', ähm ja , Unterlassungsklagen bringen ja auch nur etwas wenn das Geschriebene nicht korrekt ist. Aber hey er kriegt seine Aufmerksamkeit , auch von Laut.de. Laut eigener Aussage ist er ein Mörder, Drogendealer und Frauenschänder und laut.de so: ''geil, dem geben wir eine Plattform wie keinem anderen. Über jeden Scheiß berichten wir. Aber nicht wegen den Klicks nein, ist einfach ein hochinteressanter Typ und wir betreiben echten Journalismus XD''