Dunkle Klamotten, Eyeliner, Tribals auf Shirts: Das Publikum in der Berliner Betonhalle sieht so alternativ aus, dass am Ende alle irgendwie gleich aussehen. Passender könnte der Rahmen für Chanel Beads kaum sein.
Berlin (map) - Den Auftakt macht "Urika's Bedroom" mit schleppendem Dream-Pop zwischen Shoegaze und nächtlicher Selbstversenkung. Ein stimmiger Einstieg, der den Sound des Main Acts bereits vorwegnimmt. Später steht die Musikerin auch bei Chanel Beads am Drumpad.
Chanel Beads starten mit einem ausgedehnten Intro, in dem sich die Instrumente der vierköpfigen Band zunehmend zu einem einzigen Geräuschteppich vermischen. Und da bleibt das Konzert in der Berliner Betonhalle auch erst mal. Shane Lavers' verzerrter, übereinandergeschichteter Gesang trifft auf Maya McGrorys verträumte Stimme, dazu kommen Gitarren, Streicher, Synths und elektronische Drums irgendwo zwischen Ambient-Pop, Folk und Cloud-Rock. Die Songs scheinen dabei ständig auseinanderzufallen, nur um sich kurz darauf wieder neu zusammenzusetzen.
Live kommt das Ganze allerdings deutlich brachialer daher als auf Platte: mehr Geschrei, mehr Nachdruck, weniger verträumte Melancholie. Auf "Your Day Will Come" wirkt vieles feiner austariert und, ehrlich gesagt, auch gesanglich überzeugender.
Atmosphäre können Chanel Beads
Ohnehin verschwimmen die Songs an diesem Abend zu einem einzigen, weitgehend durchlaufenden Set. Übergänge sind abrupt oder kaum auszumachen, die Stücke ähneln sich stark. Das hat durchaus seinen Reiz: Wer sich darauf einlässt, taucht tief in die verschrobene Klangwelt der Band ein. Mir fehlt dabei irgendwann aber die Abwechslung.
Auch zwischen Band und Publikum bleibt es auffällig distanziert. Abgesehen von einem "Hallo Berlin!" und "Danke Berlin!" gibt es von Lavers kaum Ansagen, keine Geschichten, keine wirklichen Momente der Verbindung. Das passt zum entrückten Gesamtkonzept, macht den Abend aber auch unnötig verkopft. Das Publikum wirkt ähnlich ratlos und kommt erst beim letzten Song ansatzweise in Bewegung.
Technisch ist das alles keineswegs schlecht. Nur habe ich selten ein Konzert erlebt, bei dem mir die Albumversionen besser gefallen als die Live-Interpretationen. Wenn schon wenig zum Mitsingen oder Tanzen einlädt, darf es für meinen Geschmack wenigstens etwas mehr Nähe sein. Atmosphäre können Chanel Beads. Ein Konzertabend, der sich auch nach einem Konzert anfühlt, ist dann aber doch noch mal etwas anderes.

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