Ein Gig der schottischen Indierock-Band fühlt sich einfach immer an wie Nachhausekommen. Und springen können die Fans immer noch.
Berlin (jas) - Die musikalische Empfehlung für kalte Herbsttage: Teenage Fanclub auf die Ohren. Noch besser, die Band live erleben: große Gitarrenmelodien, warm, zeitlos und viel Harmonie in den Stimmen. Die Schotten sind mit dem aktuellen Album "Do Not Dare To Dream" und ihren alten Hits auf Tour und gastierten gestern im gut gefüllten Berliner Frannz Club.
Euro Childs, seines Zeichens nicht nur Teenage Fanclub-Keyboarder, sondern auch früherer Sänger und Songwriter der 2006 aufgelösten 90er-Band Gorky's Zygotic Mynci, eröffnet den Abend. Die Waliser waren für ihren eigenwilligen Sound bekannt: Lofi-Klänge mit Moog-Synthesizer und Geigen, ein fantastischer Folk-Pop, den man unbedingt noch mal rauskramen sollte. Childs ist seitdem solo unterwegs, und sein schräger Sound sowie die sympathisch rumpeligen Texte erinnern sofort an die damalige Zeit.
Fünf gut gelaunte Herren.
Teenage Fanclub habe ich zum letzten Mal 2017 live erlebt – leider nur Teile ihres Sets: Auf dem Primavera in Porto traten sie blöderweise fast zeitgleich mit Sleaford Mods auf. Dafür gestern Abend endlich wieder anderthalb Stunden Teenage Fanclub am Stück! Fünf gutgelaunte Herren, deren Sound zwar ruhiger geworden ist. Doch die Dynamik und der harmonische Gesang von Norman Blake und Raymond McGinley zeichnen neue Tracks wie "Tomorrow People" und "Day In The Sun" nach wie vor aus. Das Wechselspiel der beiden funktioniert reibungslos.
Melodische Eleganz trifft auf raue Gitarren-Highlights. Teenage Fanclub schreiben Power-Pop ganz groß, und ihre Songs sind seit mittlerweile 35 Jahren im Gedächtnis. Bei "Everything Is Falling Apart" von 2019 vermisst man Gründungsmitglied Gerard Love nur kurz, dann nimmt das Line-up auf der Bühne wieder in Beschlag: Francis MacDonald sorgt am Schlagzeug für Bewegung und legt bei den Hits noch ordentlich drauf. Überhaupt wird es zum Ende des Sets hin immer lauter. Basser Dave McGowan unterstützt bei den Vocals und spätestens bei "The Concept" tobt der ganze Saal.
Nach Hause kommen
Das Publikum ist ganz offensichtlich mit der Band gealtert, aber tanzen und springen kann es, besonders bei den Gitarrensoli, immer noch. Ein Teenage-Fanclub-Gig fühlt sich einfach immer wie Nachhausekommen an. Als Zugabe gibts die erste Single "Everything Flows" von 1990. Eine finale Hymne, die auch 2026 dank saftiger Gitarrenparts, kraftvoller Rhythmusmaschine, kreischendem Keyboard und entspannter Gesangsharmonie charakteristisch bleibt. Wunderbar. Das begeistert nicht nur die Fans – auch der Band sieht man deutlich an, dass sie immer noch Spaß bei der Arbeit hat!
Text: Jasmin Lütz.

1 Kommentar
Also spielen die hierzulande und ich kriegs erst hinterher gesagt?