Platz 6: "The 2nd Law" (2012)
Steckten Muse in einer Midlife-Crisis oder brodelten die Ideen über? Man weiß es nicht, aber was man weiß: "The 2nd Law" ist ein absolutes Durcheinander. Jeder Song geht in eine andere Richtung, ein konsistentes Thema findet man nicht. Symphonische Olympia-Hymne, dramatischer Pseudo-James-Bond-Song, Electro-Pop, U2-Worship, Queen-Worship, Funk, dann noch zwei vom Bassisten gesungene Songs, und am frevelhaftesten von allen: Dubstep!
Zumindest auf diesen letzten Aspekt konzentrierte sich die Öffentlichkeit damals, es war schließlich 2012, am meisten, aber, ehrlich: "Madness" funktioniert und klingt auch heute noch gut. Das kann man zwar nicht von jeder Idee auf "The 2nd Law" behaupten, aber insgesamt ist es doch ein verdammt spaßiges Album.
In all dem Chaos finden sich etliche Banger. In "Supremacy" oder "Survival" ist die Produktion genau richtig, die Gitarren, Bass und Drums klingen so fett und mächtig, wie moderner Rock klingen sollte. Diese Songs sind natürlich komplett over the top, aber sie sind auch klanglich so drüber umgesetzt, dass das Pathos knallt.
"Animals" hingegen klingt zurückhaltender und mysteriöser, groovt im fast unmerklichen 5/4-Takt und explodiert später. Selbst das Electronica-Outro "Isolated System" überzeugt mit schöner, filmischer Atmosphäre, wie es Muse danach kaum noch hingekriegt haben, selbst bei all den großen Konzepten.
"The 2nd Law" ist offensichtlich unperfekt, schon im Kern unordentlich und für einige bestimmt auch unausstehlich. Aber es liefert viele Songs, über die man heute noch redet und die beim Zurückkehren immer noch krachen. Die Fans, für die das hier den Ausstieg bedeutete und denen die Band nur noch auf die Nerven ging, kann man dennoch verstehen.
Anspieltipps:
"Panic Station", "Survival", "Animals"
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