Schale Radiohead-Kopie oder geniales Melodrama? An Matt Bellamy und Co. scheiden sich die Geister. Wir gehen auf Zeitreise.
Konstanz (bsch) - Rankings sind immer kontrovers, doch bei Muse ist der Diskussionsbedarf besonders hoch. Zwar sind sich die meisten Fans grob darüber einig, zu welchen Zeiten die Band tendenziell ihre Sternstunden hatte, doch Muse an sich sind schon kontrovers. Matt Bellamy (Gesang, Gitarre, Klavier, LED-Sonnenbrillen), Dominic Howard (Drums) und Chris Wolstenholme (Bass) liefern dafür zugegebenermaßen viel Vorlage, neigten sie doch schon immer zu großen Gesten und unerwarteten Wendungen, die Fans mitunter Bauchschmerzen bereiteten.
Manche konnten sie noch nie ausstehen, manche haben irgendwann den Anschluss verloren und sich gefragt, wie aus der einst guten Band solche Clowns wurden, andere würden dem Trio alles verzeihen. Unser Muse-ologe Ben Schiwek ist auf Zeitreise gegangen und hat sich noch einmal alle Songs angehört. Auf in die Welt von Untergang, fliegenden Manson-Gitarren und der Liebe als Widerstand gegen ... was genau, wird eigentlich nie wirklich erklärt. Regierung oder so!
Bei der bunten Reise durch "Showbiz" bis "The Wow! Signal" fallen einige Worte öfter: Over the top, kitschig, dystopisch, fantastisch, fett, Quatsch – all das gehört zur Muse-Essenz dazu. Der Hang zum Übertreiben: Das ist es, was manchen die Zehnägel verzwirbelt und andere so an der Band begeistert. Über die Jahrzehnte hat sich dieses Melodrama von edgy Schluchzerei über Stadion-Pathos bis zur möglichst neonfarbenen Dystopie entwickelt. Das macht die einst größte Frage überflüssig: Sind Muse eine Radiohead-Kopie? Warum diese These schon immer Humbug war, erfahrt ihr auch.
Zum Schluss sei noch angemerkt, dass zwar nur die Studioalben besprochen werden, Muse aber über ein außergewöhnlich starkes Arsenal an Nicht-Album-Songs verfügen, von One-Off-Singles wie "Dead Star", der Compilation "Hullabaloo" bis zu den unter Fans sehr beliebten japanischen Bonus-Tracks und B-Seiten. Das meiste davon ist sehr hörenswert, als ein besonders übersehener Schatz sei "Easily" aus der "Black Holes"-Ära hervorgehoben: einer der besten Songs, den sie je geschrieben haben.













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