laut.de-Kritik
Ihre beste Platte seit langem – für Fans mit Bullshit-Toleranz.
Review von Ben SchiwekAch, Muse. So viel Quatsch und aggressiv-dramatische Mittelmäßigkeit, wie ihr produziert habt, so uncool es auch mittlerweile sein mag, euch zu mögen oder Alben wie "The 2nd Law" zu verteidigen – ich liebe euch dennoch. Und auch die neue Platte macht wieder Spaß, tatsächlich so viel, wie schon seit über zehn Jahren nicht mehr.
Mein 15-jähriges Ich war über die 2-Sterne-Reviews für Muse-Alben auf laut.de wütend. Nun aber sitze ich selbst da und muss mir eingestehen, dass ich seitdem über die Jahre immer mehr von Muse enttäuscht wurde. Man kann nicht sagen, dass Muse keine schlechten Alben gemacht hätten. Wer behauptet, "Will Of The People" sei eine absolute Mülltonne gewesen, dem kann man nicht vehement widersprechen; es gab trotzdem ein paar Momente, die gut unterhalten haben.
Vor diesem unangenehmsten Album der Muse-Diskographie gab es noch das ebenfalls vielseits belächelte "Simulation Theory", und da verhielt es sich so: Wann auch immer Muse versuchten, ernst, inspirierend oder mysteriös zu sein, langweilte die Platte. Die besten Momente waren die hirnverbranntesten, in denen sie sich nicht zu ernst nahmen und alle dummen Ideen erlaubten ("Propaganda", "Break It To Me").
Außerhalb dieser Ausnahmen schienen Muse vergessen zu haben, wie man Spaß hat. Vielleicht machte deswegen "The 2nd Law" noch so Laune, weil einfach mal alles ausprobiert wurde, vieles davon slappt immer noch hart. Vielleicht war deswegen "Drones" so frustrierend, weil es zum einen versuchte, ein deepes Konzeptalbum zu sein, und andererseits ein "Auf die guten alten Tage"-Rockalbum für die wütenden Fans. Beides erledigte es nur sehr verkrampft.
Doch auf "The Wow! Signal" finden Muse erstaunlicherweise eine ganz gute Balance aus all dem, was sie zuletzt machen wollten oder sollten. Sie können silly Spaß haben, egal was alte Fans sagen; sie können theatralisch sein, ohne dass es sich zu ernst nimmt; und sie können tatsächlich ein wenig Stimmung und Mystery aufbauen, wenn es dessen bedarf. Gute Hooks und Riffs gibt's obendrauf.
Nun wollen wir mal nicht übereifrig werden. Ein Comeback-Meisterwerk haben sie da jetzt nicht geschaffen, dafür gibt es ein paar zu viele schlechte Beigeschmäcker. Das kitschige (und ja, mir ist bewusst, dass alles hier ein wenig kitschig ist) "Be With You" etwa klingt wie eine langweilige Version von "Guiding Light" und bringt dann noch whack klingenden EDM mit rein, das will nicht zusammenpassen. "Space Debris" hat zwar die ehrlichsten Texte, die Matt Bellamy seit langem geschrieben hat, langweilt als Abschluss aber eher. Recht generischen Metalcore und Bombast, der nirgendwo hingeht, findet man stellenweise auch. Dennoch gab es auf den letzten Platten wesentlich schlechtere Songs als auf "The Wow! Signal".
Das textliche Konzept ziehen Muse wie so oft nur halbgar durch. Über Aliens, Weltraum und die unbekannte mögliche Bedrohung aus der unendlichen Weite um uns herum deuten sie viel an, erzählen aber nur wenig. Aber ganz ehrlich, wer erwartet von Muse noch ein konsequentes, zum Nachdenken anregendes Konzeptalbum? Betrachtet die Lyrics eher als Moodboard-Sammlung für die spaceigen Synths und das ominöse Melodrama.
Was die Platte wiederum wirklich gut macht: Hits! Beispielsweise "Nightshift Superstar". Das klingt vom Titel erstmal, als wolle man "Supermassive Black Hole" rekreieren (durchaus denkbar), indem man Wörter aus dessen Refrain zusammenwirft. Aber wenn man kein:e Spielverderber:in ist, ist das ein sauspaßiger Justice-Ripoff-Banger. Bellamys Kopfstimme klingt zwar etwas heiser, was wahrscheinlich eher am Mix liegt. Dafür darf Chris Wolstenholme sich am Bass aber komplett austoben. Der cheesy Space-Disco-Vibe zelebriert den eigenen Cringe herrlich und man wünscht sich direkt Bellamys "Madness"-Sonnenbrille aus den Live-Konzerten auf die Nase.
Statt stupider "Will-of-the-will-of-the-people"-Hooks liefern Muse viele gute Melodien. Allen voran: "Cryogen", eines der besten Gitarrenriffs, das Matt Bellamy je geschrieben hat. Schrullig, quietschig, catchy, ein Hauch Klassik, ein Hauch Tom Morello, es hat alles, was ein gutes Muse-Riff ausmacht. Zudem geht jeder Teil des Songs ins Ohr und im Outro darf sogar ein bisschen riffig gejammt werden – ein rundum gelungener Song, der selbst lang verbitterte Fans glücklich machen dürfte.
Jene Fans, die Muse einst noch als Progressive-Rock-Band im Kopf hatten, könnte "Hexagons" freuen. Zwar wird hier für Prog-Heads nichts Außergewöhnliches geboten, aber die sich verschiebenden Rhythmen und Tempovariationen passen besser zum Sci-Fi-Thema als vieles, das Muse seit langem gemacht haben. 6/8-Takt, 6/4-Takt, Track Nummer sechs ist nach einem Sechseck benannt – da hielten sie sich selbst mal für Tool oder was? Auch in den Songstrukturen brechen Muse in manchen Tracks endlich mal wieder etwas aus, sie bauen Stille ein, bauen Spannung auf und liefern belohnende Final-Teile.
Ungewohnte Taktarten treffen auf Eilish-haften Electro-Pop in "Hush", und das funktioniert besser als gedacht. Sehr catchy Refrain, pseudo-ominöse Chöre, ein verdächtig nach "Bad Guy" klingender Groove, externe Co-Songwriter:innen, obendrein als Duett mit Ellie Goulding, das klingt auf dem Papier nach dem ultimativen Sellout, aber mein Gott, dieser Song geht hart. Für Mall Goths aus der Gen Alpha wird Muse mittlerweile vielleicht zu uncool weil alt sein, aber wenn sie einen Song für die nächste "Wednesday"-Staffel beisteuern wollen: here you go!
"The Wow! Signal" macht in seinen besten Momenten aufrichtig Spaß. Bei der ein oder anderen käsigen Produktionsentscheidung oder manchen quatschigen Lyrics darf man sich an den Kopf fassen. Aber langjährige Muse-Verteidiger:innen sind das mittlerweile gewohnt und lächeln da vielleicht eher. Muse-Skeptiker:innen werden von diesem Album sicher nicht überzeugt, sondern sich hauptsächlich bestätigt sehen, denn es gibt schon wirklich viel over-the-top Bullshit hier. Manche haben Muse aber gerade für diesen Bullshit lieben gelernt; er löste gewissermaßen die Teenage Angst der frühen Alben ab. Fans "gehaltvoller Unterhaltung" dürften sich ohnehin schon lange ausgeklinkt haben.


17 Kommentare mit 70 Antworten
The Meh. Signal
Och, ich weiß nicht. Spätestens ab dem 2nd Law bin ich irgendwie durch mit Muse.
Tja, das Album war super. Aber ich renne ja nicht mit Scheuklappen durchs Leben und praktiziere sicher nicht konservative Blödheit und Beschränktheit, nur um ständig auf den kleinen intellektuellen Horizont hinzuweisen.
Redest du von dir gerade selbst, du geschmacksbefreiter Fanboy?
Ich hab 600 Musiker und Bands in meiner CD Sammlung, verteilt auf mehr Genres, als dein kleines Hirn verarbeiten kann. Ich habe mehr Tonträger und ein breiteres Sortiment zuhause im Regal, als es die meisten Plattenläden am Höhepunkt der CD auf Lager hatten. Und bei mir kommen nur die Besten in die Sammlung und nicht alles basierend auf einem sehr beschränkten persönlichen Geschmack und alles im selben Genre verortet. Fanboys, du kleiner Wicht, sind auf jeder Ebene mehr als beschränkt. Gratulation zum mit Abstand dümmsten Kommentar aller Zeiten.
halbe bibel ganzer hu
Ich hab mehr CDs wie du!!
My love is bigger than your love, we take more drugs than a touring funk band, sing it!
My love is bigger than your love - Sing it!
My love is bigger than your love - Sing it!
My band is better than your band, we've got more songs than a song convention, sing it!
...
(When we gonna torch the restaurant? - Sing it!
When we gonna get excited? - Sing it!)
Weiß ja auch nicht, in Zeiten von Streamingportalen, wo jeder ca 10 Milliarden Alben auf dem Endgerät in seiner Hosentasche mit sich rumschleppt, ist flexen mit ner CD Sammlung irgendwie seltsam...
Vernünftige und intelligente Menschen schleppen nicht Milliarden Alben voll Scheiße in der Hosentasche mit rum. Tja, ohne Verstand wird man auch nie verstehen, wie seltsam es ist, in einem großen Misthaufen zu sitzen, nichts von Wert zu besitzen und vor lauter Scheiße das Gold nicht mehr erkennen zu können. Trottel, für die Musik keinen Wert hat, streamen. Der intelligente Teil der Menschheit, ist nicht so selten dämlich.
Schwingster, hast wieder Probleme mit dem sinnerfassenden Lesen? Ich hab nur die Besten der Besten in meiner Sammlung, die ultimative musikalische Relevanz. Im Gegensatz zu dir fehlt bei mir der musikalische Dünnschiss, auf den du so stehst.
das ist krass bruder aber viel interessanter ist die frage hast du auch eine apple mac.
Danke Bruder, ich fragte mich gerade schon welcher lautuser das ist, da mir seine dümmlich-überhebliche Attitüde so bekannt vorkam.
Dieses Unvermögen grammatikalische korrekte Sätze zu konstruieren gepaart mit vollkommen unbegründeter Arroganz, unverkennbar, unerträglich.
Die Besten der Besten der Besten, SIR! Mit Auszeichnung!
Ich frage mich, woher du die Gewissheit hast, nur die Besten der Besten in deiner Sammlung zu haben? Krasse Hybris.
Ich frage mich, woher man die Überzeugung hat, mit einer CD-Sammlung einen rant zu starten? Das war schon Ende der 90er eher peinlich.
Ich frage mich, ob du jemals einen Post ohne Beleidigung absetzen kannst? Erziehung und so.
Ich frage mich, welchen scheinbar weniger beliebten User Caps meint in dir erkannt zu haben?
Fragen über Fragen.
Applemac Reloaded. Wurde vor einiger Zeit aus guten Gründen gegaugert.
My dad is bigger than your dad, he's got 8 cars and a house in Ireland. Sing it usw. usf.
Hui … wird ja richtig episch bei der niedrigen Knechtschaft. Alle intelligente Menschen nutzen einen Mac. Nur die Idioten verwenden Windows. Diese Binsenweisheit ist schon eine absolute Wahrheit, von der man immer ausgehen kann. Keine Ahnung wer Applemac ist, aber sehr wahrscheinlich auch einer der Guten, sonst hätte er bei den Deppen hier nicht so eine schöne Bremsspur im Hirn hinterlassen.
Schnauze, Sozialkrüppel. Geh ma lieber scheißn, hm? Danke.
...enter Sandman...
Dieser Kommentar wurde vor 18 Tagen durch den Autor entfernt.
Lösch dich, Hinterfotzinger. Du bist weder lustig noch nervig, sondern einfach nur cringey.
Da ich über 1000 CDs besitze, bin ich in deiner Welt ja schon über dir anzusiedeln.
Hast du auch den Braveheart-Soundtrack?
Pedrolino, über 3600 CDs. Also weit unter mir.
...and we're all going straight to hell.
Lost7, die originale Ausgabe hatte ich, wurde durch die 2CD Ausgabe von La-La Land Records ersetzt.
3600 mal Plastikschrott, dafür willst du dich ernsthaft feiern lassen? Troglodyt!
Btw, ich habe ca. 5000 LP's und müsste ja dann laut deiner Logik dir überlegen sein und somit entscheiden dürfen, dass du jetzt einfach mal Mowl halten solltest.
Wusst ich's doch!
Oh Gott, LPs. Wieder so ein Irrer, der sein Geld für vollkommen wertlosen, billigen Kunststoff raus schmeißt, der nicht nur scheiße klingt, sondern auch durch Nebengeräusche glänzt, die nicht auf der Aufnahme waren. Im Jahr 2026 so einen Mist sammeln, das liegt ja auf dem selben Niveau wie Briefmarken. Bin ich froh, dass meine ältesten CDs von Ende der 80iger Jahre heute noch exakt gleich gut klingen, wie damals. Null Verschleiß. Die Blödheit der Menschheit erkennt man an der LP. Null Vorteile, nur Nachteile. Also nach meiner Logik bist du im Bereich geistig unzurechnungsfähig und vollkommen bekloppt. So wie diejenigen, die sich ein Trump Phone bestellt haben.
Wann löscht du dich?
Ich dachte immer, die Blödheit der Menschheit erkennt man an der SPD!?
Nö, grundsätzlich sind die Konservativen die Trottel und die Rechtsextremen die Volltrottel. Die SPD hat sich die Dämlichkeit geholt, damit sie zwischen den Trottel und Volltrottel nicht zu progressiv rüber kommt.
Wieder nur Beleidigungen, Blödsinn und Unwissenheit, mehr kommt nicht.
Wie alt bist du, 16?
Ihr geht aber auch immer wieder drauf ein, obwohl ihr ganz offensichtlich getrollt werdet.
Hinterfotzinger ist so ein Typ, der auf einer Party in einer Gruppe auf Entertainer macht und alle rollen vor Cringe nur mit den Augen.
"Schnauze, Sozialk..." Kurz hatte ich gehofft, hier ein gutes altes "Schnauze, Badezusatz" lesen zu dürfen. Etwas Nostalgie machte sich breit. Stattdessen halt nur öder Ableismus. Gähn. Schade.
Fotzboy, haste auch noch etwas Liebe für mich als Android-User?
Ja, aber den nehm ich mir in diesem einen sehr speziell gelagerten Einzelfall ganz sicher nicht unreflektiert raus, lieber Sven. Den hat der sich wirklich verdient. Da gehört der hin.
(Grüßle an den Wagner Patrick, mit der Gewalt läuft's ja wohl hoffentlich so gut nach Refused-Support, da dacht ich, dass Du die paar Lines sicher nicht mehr unbedingt brauchst, oder? Hab auch neulich noch die "Hell in Hell"-LP am Zweitmarkt erworben, ich denk also, wir sind für's erste quitt, hm? Danke.
)
Ragism, Liebe gibt‘s nur für geistig gesunde Menschen. Android Loser gehören da nicht dazu.
Danke, Fotzibär... ♥
"Liebe gibt‘s nur für geistig gesunde Menschen."
Apple Überfanbois werden konstant peinlicher...schwer zu glauben, dass das überhaupt möglich ist, aber es ist ein Fakt.
Ohoo, für eine Rezension von laut.de ist das ja fast schon phänomenal! Aber wieso dann nur 3 Sterne, genauso viele wie für WOTP? Und irgendwie führt die Rezension ja auch nicht wirklich aus, was genau an dem Album jetzt schlecht sein soll. Keine gehaltvolle Unterhaltung? Das ist für mich jetzt nicht unbedingt der Anspruch den ich an ein Musikalbum stelle. Ich will vor allem gute Musik hören und das tue ich auf The Wow! Signal definitiv! Für mich das beste Album seit 20 Jahren, finde die einzelnen Songs richtig stark und auch als Album sehr schlüssig, cool sind auch die Übergänge zwischen track 6-8. Freue mich sehr auf die Tour!
Sehr geehrter hyddal69,
hier beim laut.de Massagesalon ist uns das Happy End der Kunden besonders wichtig! Wie Dauerkunde W.Iesel zusammenfasst:
"Ich komme seit vielen Jahren her und werde glücklich gemacht! 5/5"
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Hochachtungsvoll,
Ingo Schwitz
The Cow! Signal
https://www.youtube.com/watch?v=hubCDqXiT2M
Von Muhse
Das Albung Origins of Antler Symmetry von Moose begleitet mich seit Jahren!
Verstehe die Skepsis gegenüber einigen Momenten des Albums, da sie schnell an die misslungenen Versuche der letzten Muse-Alben erinnern. Jedoch funktionieren auf diesem Album selbst die popsensiblen oder kitschigen Momente wieder besser. Das hat alles einfach wieder mehr Seele.
In der Rezension sollte dann aber gerade ein so starkes Exempel wie "The Dark Forest" vorkommen, da man Muse an diesem Song (gemeinsam mit "Hexagons") sicherlich einen positiven Schritt in Richtung erneuter Selbstfindung nach den großen Alben bis "Resistance" attestieren kann. Eigentlich müsste sich die Bewertung dann auch von den 3 Sternen für "Will Of The People" absetzen, um innerhalb der Diskographie von Muse einigermaßen konsequent zu bleiben.
Ey, ich schwör', wenn hier noch ein Muppet fordert, dass Rezensionen von unterschiedlichen Autoren zur gleichen Band doch bitte untereinander konsistent sein sollen.