Eine neue Recherche zeigt, wie weit die Kontrolle von ADOR über NewJeans reicht.

Seoul (sdk) - Schlafmangel, fehlende Ruhepausen und strenge Verhaltensregeln: Eine Recherche der New York Times enthüllt die bislang geheimen Verträge der K-Pop-Gruppe NewJeans und deren Folgen. Die Dokumente zeigen, dass das südkoreanische Label ADOR wichtige Schutzbestimmungen für die damals minderjährigen Sängerinnen aus den Vereinbarungen strich.

Als Minji, Hanni, Haerin, Danielle und Hyein ihre Verträge unterschrieben, waren sie zwischen 14 und 17 Jahre alt. Dabei existiert in Südkorea seit 2009 eigentlich ein staatlicher Mustervertrag, der minderjährige Künstler:innen vor übermäßiger Belastung schützen soll. Er garantiert unter anderem das Recht auf ausreichend Schlaf, Ruhepausen, Bildung sowie körperliche und psychische Gesundheit. In den Verträgen von NewJeans fehlten jedoch genau diese Bestimmungen. Auch Regelungen gegen übermäßig lange Arbeitszeiten oder zu freizügige Kleidung fanden keinen Platz. Laut Expert:innen erschwert das den Sängerinnen, gegen problematische Arbeitsbedingungen vorzugehen.

Proben bis spät in die Nacht

Wie die "New York Times" berichtet, begann die strenge Ausbildung für einige Mitglieder bereits im Alter von zwölf Jahren. Kameras überwachten die Trainingsräume, Pausen waren laut Personen aus dem Umfeld der Gruppe unerwünscht. Teilweise probten die Mädchen bis zwei Uhr morgens. Vier der fünf Sängerinnen brachen während ihrer Ausbildung zudem die Schule ab.

Auch das Aussehen der Sängerinnen überließ ADOR offenbar nicht dem Zufall. Vor ihrem Debüt soll das Label mehreren Mitgliedern kosmetische Eingriffe empfohlen haben. Die Verträge sahen vor, dass die Sängerinnen einen erheblichen Teil der Kosten für gegebenenfalls anfallende Schönheitsoperationen und andere Behandlungen selbst tragen mussten. Anders als viele andere K-Pop-Stars mussten NewJeans allerdings keine sogenannten Trainee-Schulden abarbeiten, da ADOR die Ausbildungskosten übernahm.

HYBE, der Mutterkonzern von ADOR, weist die Vorwürfe zurück und betont, sämtliche Jugendschutzgesetze einzuhalten. Das Unternehmen bestreitet zudem, die Mitglieder zum Schulabbruch gedrängt oder sie für Ruhepausen bestraft zu haben. Ebenfalls stellt HYBE klar, dass der staatliche Mustervertrag lediglich eine unverbindliche Richtlinie sei. Außerdem hätten alle Eltern den Vertragsbedingungen zugestimmt.

Ganz ohne Einwände verliefen die Verhandlungen allerdings nicht. E-Mails, die der "New York Times" vorliegen, zeigen, dass die Vertragsbedingungen kaum verhandelbar waren. Im Januar 2022 forderte die Mutter eines Mitglieds mehrere Änderungen am Vertragsentwurf. ADORs damaliger Vizepräsident antwortete, dass die Familie bei fehlender Zustimmung zu den Bedingungen besser den gesamten Vertrag überdenken sollte. Letztendlich unterschrieben alle Eltern.

Kontrolle über das Vertragsende hinaus

Auch das Privatleben der Sängerinnen unterlag strengen Regeln. Die Verträge untersagten unter anderem eine "unaufrichtige Haltung", "unangemessene romantische Beziehungen" und Kritik am Label, selbst wenn diese der Wahrheit entsprach.

Darüber hinaus sicherte sich ADOR das Recht, die Namen, Bilder und Stimmen der Mitglieder auch nach Vertragsende 2029 kommerziell zu nutzen. Das umfasst laut den Dokumenten sogar KI-generierte Stimmen und Chatbots. Zwar sollen die Sängerinnen dafür weiterhin Geld erhalten, jedoch sollen die Einnahmen deutlich sinken. Das Label betont allerdings, dass KI-generierte Inhalte nur mit Zustimmung der Künstlerinnen entstehen sollen.

Rechtsstreit seit 2024

Die Enthüllungen folgen auf einen langjährigen Rechtsstreit zwischen NewJeans und ihrem Label. Im November 2024 erklärten die fünf Mitglieder ihre Verträge wegen angeblicher Vertragsverletzungen und schlechter Behandlung für beendet. ADOR widersprach und bekam 2025 vor Gericht recht.

Welche finanziellen Folgen ein Vertragsausstieg haben kann, zeigt der Fall des Ex-Mitglieds Danielle. Nachdem ADOR ihren Vertrag im Dezember 2025 kündigte, verklagte das Label die Sängerin auf rund 22 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen wirft ihr unter anderem vor, Arbeitsaufträge verweigert und unerlaubte Soloprojekte verfolgt zu haben. Den Großteil der Forderung machen Ausstiegsgebühren aus, die Labels selbst dann verlangen können, wenn sie den Vertrag eigenständig kündigen. Danielles Anwalt sieht darin eine Warnung an andere Künstler:innen, die sich von ihrem Label lösen wollen.

Comeback zu viert?

Im Juli dieses Jahres deutete sich für NewJeans nach Danielles Rauswurf ein möglicher Neuanfang zu viert an. Anlässlich des vierten Bandjubiläums veröffentlichte ADOR unter dem Titel "2026 Summer of NewJeans" mehrere Videos und Fotos mit Minji, Hanni, Haerin und Hyein. Die Aufnahmen weckten bei Fans Hoffnungen auf ein baldiges Comeback. Seitdem blieb es allerdings still um die Gruppe. Ein tatsächlicher "NewJeans Summer" blieb somit aus.

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laut.de-Porträt NewJeans

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