Filmtipp "Die Liebe frisst das Leben" über Die Erde
Im Rahmen des Reeperbahn Festivals habe ich mich mit Niklas David getroffen, früher Teil des Avantgarde-Pop-Kollektivs Audiac und Arrangeur/Produzent für Kiev Stingl, dessen musikalischen Nachlass er nun verwaltet. So eine Gelegenheit darf man natürlich nicht verpassen, daher müsst ihr entschuldigen, wenn ich hier etwas antizyklisch vorgehe, und euch anstatt auf dem Festival vorstellig gewordenen Newcomern nun eine längst aufgelöste Band ans Herz lege, auf die mich Niklas aufmerksam machte: Die Erde.
Wer mit der Band, in der u.a. Tobias Levin (Cpt. Kirk &.) spielte, nichts anfangen kann, sollte sich unbedingt den Film "Die Liebe frisst das Leben" (2019) anschauen. Er porträtiert den Werdegang des Underground-Musikers Tobias Gruben, der 1996 an einer Überdosis starb und als unvollendeter Diamant der deutschen Indie-Szene gilt. Seine Bands Cyan Revue und vor allem Die Erde inspirieren bis heute Gruppen wie Messer oder Isolation Berlin. Ein Geheimtipp für alle, die sich dunklen 80s-Indie, Wave und Gothic interessieren oder einfach für eine Inspirationsquelle, aus der die Hamburger Schule später entstand.
Der Film beleuchtet den Lebensweg einer getriebenen Existenz, spricht mit Wegbegleitern wie Rocko Schamoni und FM Einheit, dessen Band Einstürzende Neubauten Die Erde 1991 als Support auf Tour begleiten. Besonders traurig: Tobias Gruben kämpfte zeitlebens nicht nur gegen seine prekäre Existenz an, sondern auch gegen die Ablehnung der Eltern.
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