Am 20. Mai diskutieren Musiker*innen und Branchenkenner über den Konzertkartenmarkt. Der Eintritt ist frei.
Berlin (laut) - Pop ist Wirtschaftsfaktor, Kulturgut und gesellschaftlicher Resonanzraum. Doch während Fans um Tickets kämpfen und Konzertpreise explodieren, hinkt die Regulierung hinterher. Genau da setzt das Parliament of Pop mit seiner Veranstaltung " Ticketing Goes Bundestag" an und bringt die Debatte dorthin, wo sie hingehört: ins Zentrum politischer Entscheidungen.
Im Berliner Paul-Löbe-Haus neben dem Reichstagsgebäude treffen am Mittwoch, den 20. Mai, um 18.30 Uhr Praxis, Politik und Publikum aufeinander, um über Schwarzmarkt, Zweitverwertung und faire Preise zu sprechen. Live im Stream auf youtube.com/@parliamentofpop. Angekündigt sind Interviews, Reden und Präsentationen, die Hosts Martin Rabanus (SPD) und Johannes Fechner (SPD) sprechen u.a. mit Konzertveranstalter Berthold Seliger und Christopher Annen von AnnenMayKantereit über folgende Themenschwerpunkte:
True-Crime-Ticketing
Mittels Fallanalyse soll der Status Quo des Konzertkartenmarkts abgebildet werden und die gesetzliche Lage thematisiert werden.
Schrei nach Regulierung
Tickets teurer weiterzuverkaufen ist längst keine Seltenheit mehr - auch etablierte Ticketunternehmen treiben die Preise nach oben. Trotz bekannter Missstände fehlt in Deutschland bislang eine klare gesetzliche Linie. Andere Länder wie Frankreich oder Dänemark zeigen bereits, wie sich Zweitmärkte stärker regulieren lassen. Besonders kritisch sehen Branchenvertreter die teils intransparenten Preisentwicklungen beim Ticketkauf – dynamische Preissysteme, die eher an schwankende Benzinpreise erinnern als an faire Kulturangebote. Selbst internationale Stars und politische Akteure fordern inzwischen klarere Regeln und mehr Verbraucherschutz.
Französische Ticketabgaben als Vorbild?
Ein Blick über die Grenze zeigt mögliche Lösungen: Frankreich erhebt eine Abgabe von 3,5 Prozent auf Ticketverkäufe,die gezielt wieder in die Förderung von Live-Musik fließt. Damit soll das Gefälle zwischen Megastars und unabhängigen Musiker*innen geebnet werden. Ein Modell, das auch für Deutschland an Attraktivität gewinnt – nicht zuletzt angesichts hoher Preise für internationale Top-Acts auf Europa-Tour.
Solitickets
Neben Regulierung geht es auch um Zugänglichkeit: Bands wie Sleaford Mods, Die Toten Hosen oder Die Ärzte setzen mit preislich günstigeren Sozialtickets ein Zeichen für mehr Teilhabe. Solche Initiativen könnten laut Experten Vorbildcharakter haben und langfristig zum Standard werden.
Folgende Personen nehmen an der Veranstaltung in Berlin teil:
Christopher Annen - ProMusik/AnnenMayKantereit
Tatjana Halm - Verbraucherzentrale Bayern
Nicole Jacobsen - MCT Konzertagentur
Johanna Bernklau - Freie Journalistin
Berthold Seliger - Konzertagent
Sarah-Sophia Kucher - Betriebsleitung Uebel & Gefährlich Hamburg
Martin Rabanus - MdB Obmann Kultur (SPD)
Awet Tesfaiesus - MdB Obfrau Kultur (B90/Grüne)
David Schliesing - MdB Obmann Kultur (Die Linke)
Felix Grädler - Initiator Live Music Fund
Hannes Heide - MEP Cult Committee Coordinator - European Parliament - S&D Group - (Digital)
Sebastian Steineke - MdB Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (CDU)
Henriette Bauer - Bretford Booking & Label
Cosey Müller - Musikerin
Kiki Ressler - Kikis Kleiner Tourneeservice

Ursprünglich als wanderndes Panel für Musikfestivals konzipiert, hat sich das Format "Parliament Of Pop" etabliert – mit Stationen bei internationalen Branchentreffen und zuletzt im Europäischen Parlament in Brüssel. Nun erreicht die Debatte erstmals den Bundestag. Es wird am 20. Mai auch ein Livestream angeboten. Musikerin Cosey Mueller gab für die Veranstaltung ihren Track "Der Politiker" frei.

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