laut.de-Biographie
BEAT
Als Robert Fripp das King Crimson-Flagschiff Mitte der 2010er Jahre ein letztes Mal zu Wasser ließ, überkam ihn tatsächlich noch die Altersmilde: Die "Elements Of King Crimson"-Tournee deckte – wahrlich unerwartet – beinahe das gesamte Diskografie-Spektrum ab. Eine große Lücke rissen allerdings die 80er-Jahre mit dem wavigen Kult-Trio "Discipline" (1981), "Beat" (1982) und "Three Of A Perfect Pair" (1984).
Hintergrund dieser Entscheidung dürfte die Liveeinigung mit Sänger und Gitarrist Adrian Belew sein, den Fripp nach über drei Dekaden per E-Mail aus der Band entlassen hatte: Belew-Kompositionen ja, Belew-Texte nein. Ein Kompromiss, gegen den Fripp später selbst verstieß.
Doch die Zeit für Fans der Talking Heads-geschwängerten Crimson-Phase sollte erst noch kommen: Nachdem sich Fripp erneut in den Ruhestand verabschiedete, taucht 2024 plötzlich ein Name auf, der jedem Crimson-Fan sofort in die Hirnrinde sticht: BEAT.
Der eigentlich immer nach vorne schauende, mit tausenden Projekten bewaffnete Belew, Exzentrik-Frontmann von 1981 bis 2013, gibt seinem Drang nach, die ikonische Trilogie wieder auf die Bühne zu heben. An Bord: Langzeit-Crim-Bass-Koryphäe Tony Levin, der Mann für elastische Grooves von Viersaiter bis Chapman Stick.
Fripp selbst und 80er-Drummer Bill Bruford lehnen Belews Einladung dankend ab. An Brufords Stelle tritt Tool-Drummer Danny Carey, dessen Grooves zwischen Ritual und Mechanik Brufords Schlagzeugsprache perfekt ergänzen. Für den Gitarrenposten nickt Fripp persönlich den Alumni-Virtuosen Steve Vai ab – dieser sei der einzige Gitarrist, der seine Parts glaubwürdig interpretieren könne.
2024 geht das Quartett erstmals auf Tour durch Nordamerika – und die Nachfrage ist gigantisch. 65 ausverkaufte Shows später ist klar, dass hier etwas passiert, das im Progressive Rock sonst nur selten vorkommt: ein Projekt, das Gitarren-Nerds, Tool-Jünger und Art-Rock-Historiker gleichermaßen abholt. Kein Wunder, lassen BEAT doch zu keiner Sekunde den Eindruck einer Tribute-Show entstehen. Das Ensemble spielt die Songs, wie es sie heute fühlt: mal entschlackt, mal verschärft, aber immer mit Herzblut fürs Material.
2025 erscheint das unvermeidliche Livealbum "Neon Heat Disease – Live in Los Angeles" und zeigt: BEAT-Shows sind weniger nostalgische Rückschau als polyrhythmische Hochleistungsrituale. Für alle, die staunen wollen, wie sehr Musik auseinanderfallen kann, ohne zusammenzubrechen – typisch Crimson, mit einer dicken Extraportion Spielfreude. Im selben Jahr führt die Band erstmals eine Tournee nach Mexiko und Südamerika.
2026 folgt dann der langerwartete Sprung über den Atlantik: Im deutschsprachigen Raum stehen Termine in Düsseldorf, Hamburg, Berlin, München und Wien an. Ob und wie lange das Quartett das 80er-Erbe King Crimsons vor sich hertragen wird, steht in den Sternen. Für den Moment aber sind Belew, Levin, Vai und Carey gekommen, um zu bleiben.


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