laut.de-Biographie
Guesch Patti
Guesch Patti - bei diesem Namen klingt vielen Menschen vor allem ein Song im Ohr: "Étienne". Die Hit-Single katapultiert die Französin 1987 aus dem Nichts auf Platz 1 in neun europäischen Ländern.
Guesch (so wurde sie als Kind immer genannt, an sich ein baskischer Name) Patti (die Koseform von Patricia) heißt eigentlich Patricia Porrasse, wird am 16. März 1946 in Neuilly-sur-Seine geboren. Mit neun Jahren tritt sie in die Ballettschule der Pariser Oper ein. 1961 wird der renommierte Choreografen Roland Petit auf die 15-Jährige aufmerksam. 1969 konzentriert sie sich auf zeitgenössischen Tanz und arbeitet unter anderem mit Carolyn Carlson und Joseph Russilo zusammen. Sängerinnen wie Nana Mouskouri und Sylvie Vartan engagieren sie für TV-Auftritte. Auch an der Mailänder Scala sieht man sie auf der Bühne.
Ihre Gesangskarriere beginnt zunächst im Duo mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Yves Gilbert, unter dem Namen Yves et Patricia. 1984 gründet sie das Trio Dacapo mit, bevor sie sich kurz darauf für eine Solokarriere entscheidet, die sofort zündet.
Künstlerisch entfernt sie sich bald von der Hitsingle "Etienne", in dem man sie in Mieder und Netzstrümpfen sieht und das daraufhin schnell als Skandalvideo gilt. Die künstlerische Umsetzung erhält mehrere Preise. Tanz, Schauspiel, Musik, Gesang, Theater, Choreografie (u.a. auch von Modenschauen für den Designer Jean-Charles de Castelbajac), Guesch Patti sieht ihre Aufgabe als Künstlerin jedoch in der steten Auseinandersetzung mit sich selbst.
Sie lehnt viele Angebote ab, bevor sie 1997 in "Elles" (deutscher Titel "Die Schwächen der Frauen") das erste Mal auf der Leinwand zu sehen ist. Die romantische Komödie um fünf Frauen um die 40 wird zu einem der erfolgreichsten europäischen Filme des Jahres.
Als Sängerin ist sie vor allem in den Neunzigern aktiv: nach der Hitsingle "Etienne" erscheinen zehn weitere Singles und sechs Alben. Das erste Album "Labyrinthe" (1988) ist ein internationaler Erfolg und bringt ihr einen RFA European Artist Of The Year Award ein. Auch gehen jede Menge Musikvideos auf ihr Konto.
Drei Jahre später erscheint das Album "Blonde" zusammen mit zwei Singles in Europa und Kanada. 1996 entsteht die Musik zu Peter Greenaways sensiblen Film "Bettlektüre": neben traditioneller tibetanischer und chinesischer Musik steuert Guesch Patti den Titelsong des Films bei ("Blonde").
In Deutschland bleibt Patti weitgehend unsichtbar, was auch an Veröffentlichungen auf kleinen Labels wie Xiiibis ("Dernieres Nouvelles", 2000) liegt, die zur Jahrtausendwende keinen Wert darauf legen, Platten massenweise ins Ausland zu exportieren. 2002 nimmt sie mit Gonzales das Duett "Dans tes yeux" auf.
"Ich möchte das, was ich mit 'Etienne' durchgemacht habe, nicht noch einmal erleben", sagt sie später über die Folgen des internationalen Ruhms. Als Konsequenz daraus konzentriert sie sich wieder auf andere Bereiche. Zwischen 1997 und 2007 spielt sie in Filmen von Claude Lelouch, Luís Galvão Teles, Viviane Candas und Gabriel Aghion mit.
In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 2026 stirbt Guesch Patti mit 80 Jahren nach langer Krankheit in Paris.


4 Kommentare
schade das die frau in deutschland so unbekannt ist..sie machte sehr gute rock/pop musik..mit sehr guten texten. sie gehört in eine reihe mit les rita mitsouku u.s.w...... aber französisch-sprachige musik hat es hier immer schwer gehabt.
Dieser Kommentar wurde vor 6 Jahren durch den Autor entfernt.
Dieser Kommentar wurde vor 6 Jahren durch den Autor entfernt.
Guesch ist Jahrgang 46 und ist damit dann heute -Juni 2020- erfreuliche 74 Jahre alt. Sie hat mich seit 1986 begeistert und eben habe ich die ersten beiden Alben mit neuem Equipment und zur Freude der Nachbarschaft mit Gänsehaut relativ deutlich durchgehört.
Diese Musik hat weder ihren Charme noch ihr Dynamit verloren -