Die Französin, die 1987 über Nacht berühmt wurde, war auch auf Theater-Bühnen und im Film zuhause. Nun starb sie im Alter von 80 Jahren.
Paris (mis) - Die französische Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin Guesch Patti alias Patricia Porrasse ist tot. Sie starb in der Nacht von Sonntag auf Montag nach langer Krankheit im Alter von 80 Jahren in Paris, teilte ihre Agentur mit. In einem Statement heißt es: "Sie hinterlässt allen, die sie auf der Bühne erlebt haben, die Erinnerung an eine Frau voller Lebensfreude und künstlerischem Ausdruck".
Guesch Patti erlangt 1987 mit dem Song "Étienne" über Nacht große Erfolge. Die Hit-Single katapultiert die Französin aus dem Nichts auf Platz 1 in neun europäischen Ländern. Allein in Frankreich verkauft sich "Étienne" über eine Million Mal und rangiert fünf Wochen an der Chartsspitze, in Deutschland landet der Song auf Platz 9.
Der düstere Song verbreitet mit 80s-Synths und Rockgitarren eine sinnliche Atmosphäre, während Patti mit bewusst eingesetzten Doppeldeutigkeiten und erotischen Untertönen spielt, womit vor ihr schon Serge Gainsbourg Erfolge feierte. Das Striptease-Video, das sie in Mieder und Netzstrümpfen zeigt, wird von MTV sofort aufgegriffen und gilt bald als Skandalvideo. Für die künstlerische Umsetzung erhält sie einige Preise. 1988 wird die damals 42-Jährige bei den Victoires de la Musique als "Newcomerin des Jahres" ausgezeichnet.
Nach dem Erfolg ihres Debütalbums "Labyrinth" 1988 entscheidet sich Patti gegen eine naheliegende Erfolgsformel und erkundet in den Folgejahren auf ihren Alben verschiedene Musikstile. "Ich möchte das, was ich mit 'Etienne' durchgemacht habe, nicht noch einmal erleben", distanziert sie sich später von den Folgen des frühen internationalen Ruhms. Zuvor musizierte sie unauffälig im Trio Da Capo, bevor sie sich für eine Solokarriere entschied. Den Namen Guesch wählte sie in Anlehnung an den baskischen Spitznamen Gaixoa, den ihr Großvater ihr gegeben hatte.
In Deutschland bleibt Patti weitgehend unsichtbar, was auch an Veröffentlichungen auf kleinen Labels wie Xiiibis ("Dernieres Nouvelles", 2000) liegt, die zur Jahrtausendwende keinen Wert darauf legen, Platten massenweise ins Ausland zu exportieren. In den 2000er Jahren zieht sie sich aus der Musikbranche zurück.
Auf der Bühne ist sie in Stücken wie "Die Vagina-Monologe" und der Dreigroschenoper" zu sehen. Zwischen 1997 und 2007 spielt sie in Filmen von Claude Lelouch, Luís Galvão Teles, Viviane Candas und Gabriel Aghion mit. Mit Gonzales entsteht im Jahr 2002 das Duett "Dans tes yeux". 2006 nimmt die ausgebildete Tänzerin als Jurorin an der Tanzshow "Dancing Show" teil.

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