laut.de-Kritik
Der Mut zur Entschleunigung.
Review von Jasmin LützManchmal braucht es ein harmonisches Gitarrenspiel und eine angenehme Stimme, um den lauten Alltag einfach draußen zu lassen. Der schwedische Singer-Songwriter José González verbreitet angenehme Ruhe und besänftigt das aufgewühlte Gemüt mit seinem neuen Album "Against The Dying Of The Light".
José González gilt schon seit seinem Debüt Veneer aus dem Jahre 2003 als Meister der ruhigen Melodien. Die Entwicklung des Menschen innerhalb der Gesellschaft beobachtet er schon zu Beginn seiner Karriere. Seine Beobachtungen und Gedanken brachte er damals auch schon für seine Band Junip aufs Papier. Hier wurden die Emotionen in Dark-Pop Lieder verwandelt. Als Solokünstler steht seine Akustikgitarre mehr im Vordergrund. Er verbindet Flamenco mit Indie-Folk und spielt sich in seinen neuen Songs gegen die vermehrte Empathielosigkeit warm.
Ausgrenzung und das (un)soziale Miteinander beobachte der Musiker besonders während der Pandemie. Probleme ansprechen, reflektieren und sich damit beschäftigen oder eben mit der Musik verarbeiten, gehört zu seinen Standards. Wie gehen wir miteinander um in Zeiten von Social Media und KI, wie ist die Beziehung des Menschen zur Natur und zur Technologie.
"A Perfect Storm" ist der perfekte Einstieg in die Klangwelt von José. Folk kann auch Protestmusik sein, wie im Titelsong zu hören ist: "Let's rebel against the replicators. Against the dying of the light. Kill the codes that feed the hate. Keep the codes that make you thrive. Celebrate the fucking fact that we're alive." Mut zur Entschleunigung beweist er mit seinem hypnotischen Sound und den Texten, abwechselnd in englischer, spanischer oder schwedischer Sprache gesungen. Einfach mal ruhig hinsetzen und ohne äußere Ablenkung der Musik lauschen, das funktioniert besonders bei Songs, wie "For Every Dusk" oder "Sheet", die uns textlich auch mehr zum Nachdenken fordern.
Der zerbrechliche Lofi-Folk erinnert an Elliott Smith. Die ungefilterte Akustik-Schönheit klingt auch auf Schwedisch ganz wunderbar ("U / Rawls Slöja"). Da hört man bewusst jeden Ton am Gitarrenhals, jedes Zupf- und Klopfgeräusch.
Eine gewisse Steigerung können die Songs dann aber auch wieder gut gebrauchen, sonst klebt man zu sehr mit seinen Gedanken im Sessel fest. In "Losing Game (Sick)" vibrieren die Saiten, und bei all den düsteren Gedanken schwingt immer wieder Hoffnung mit. "You And We" trifft dabei in jedes Herz: "With all of my heart. I wish you well. With all of my soul. I wish you well. Believe me when I say That I wish you well."
Und jetzt mal Hand aufs Herz, wann habt ihr zum letzten Mal ein ganzes Album am Stück und in Ruhe, ohne Ablenkung, gehört? Mit José González' "Against The Dying Of The Light" funktioniert das wirklich sehr gut.


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