Sie war Sängerin, Songwriterin, Unternehmerin, Wohltäterin, eine Frau mit vielen Talenten, großem Herzen und unschlagbarem Humor.

Nashville (dani) - Dolly Parton ist tot. Die Country-Ikone ist im Kreise ihrer Lieben friedlich eingeschlafen, so teilte es ihre Familie mit. Sie erlag im Alter von 80 Jahren einer kurzen, aber offenbar aggressiven Krebserkrankung. Bryan Seaver, Partons Neffe und wie vor ihm sein Vater der Leiter ihres Sicherheits-Teams, teilte die traurige Nachricht per Videostatement mit der Welt. Auf ausdrücklichen Wunsch der Verstorbenen, wie er erzählt:


Seaver erinnert in liebevollen Worten an seine Tante, die auch für viele ihrer Fans wie ein Familienmitglied zu ihrem Leben gehört und es bereichert hatte. "Wir sind heute in Trauer, nicht aber Dolly", betont er. "Sie hat ihr Leben im Licht gelebt." Ein Farmer sei sie gewesen, so Seaver, wie ihr Vater. "Er hat den Boden bestellt, sie hat Lieder und Glück gesät."

Landei in Nashville

Dolly Parton wuchs als Tochter eines Tabakbauern zusammen mit elf Geschwistern in ausgesprochen kärglichen Verhältnissen auf. Ihr musikalisches Talent zeigte sich früh: Die Mutter ermunterte sie, zu singen. Den ersten Song schrieb sie mit sechs Jahren. Zwei Jahre später hatte sie eine Gitarre und einen Plan. Der führt sie mit 18 Jahren - natürlich! - in die Hauptstadt der Country-Musik, nach Nashville, Tennessee.

"Von Anfang an habe ich an mein Talent geglaubt", so Dolly Parton in einem Interview. "Ich wusste, ich habe Nashville etwas anzubieten. Meine Songs waren gut, und ich war auch als Sängerin gut genug, um es schaffen zu können." Nashville hatte im Gegenzug auch Dolly etwas anzubieten: Gleich am Tag ihrer Ankunft lernte sie den Bauunternehmer Carl Dean kennen, Liebe ihres Lebens und Inspiration für viele ihrer Songs. Beinahe 60 Jahre waren die beiden verheiratet, bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr.

"Ich kann denken wie ein Mann"

Der Mann ihres Herzens hielt sich jedoch aus dem Rampenlicht fern, dafür hatte Dolly Parton einen anderen Kerl an ihrer Seite: Erste Lorbeeren fuhr sie zusammen mit ihrem musikalischen Partner Porter Wagoner ein, der sie in seine Fernsehshow holte. Viele ihrer Duette landeten in den Top Ten. Doch eigentlich hatte Dolly männliche Hilfe gar nicht nötig: "Ich kann denken, wie ein Mann", betonte sie immer wieder. Die Leute müssten nur "den Schock über mein lächerliches Aussehen überwinden", dann würden sie schon sehen.

Zunächst sah es Wagoner: Als Dolly die Zweckgemeinsaft auflöste, um Solopfade zu beschreiten, schrieb sie ihm zum Abschied ein riesiges Liebeslied, das später in der Version von Whitney Houston zum Welthit wurde:

"I Will Always Love You" war aber nur einer von buchstäblich Tausenden Songs, die Dolly Parton zu ihren Lebzeiten geschrieben, und einer der Hunderte, die sie auch aufgenommen hatte. Darüber hinaus betrieb sie Produktionsfirmen und einen Radiosender, mehrere Restaurants und einen Vergnügungspark namens "Dollywood", und versuchte sich zudem als Schauspielerin.

Taten sagen mehr als Worte

Politik, so sagte sie, sei nicht so ihr Ding. Eine Aussage, die ihre Taten jedoch Lügen straften: Dolly Parton engagierte sich ihr ganzes Leben lang gesellschaftlich, setzte sich für finanziell benachteiligte und anderweitig drangsalierte Menschen ein, was ihr viele Fans in der LGBTQ+-Community bescherte.

Eine von ihr ins Leben gerufene Stiftung, die Dollywood Foundation, vergibt Stipendien und betreibt unter anderem "Dolly Parton's Imagination Library", ein Leseförderprogramm, das Kinder mit Büchern versorgt. Parton organisierte Spenden-Sammlungen, um etwa die Opfer von Naturkatastrophen zu unterstützen, und spendete auch selbst immer wieder riesige Summen, unter anderem für die Entwicklung von Corona-Impfstoffen.

Keine ist wie sie

Dolly Parton möge in Frieden ruhen, sie hat jede einzelne der Huldigungen verdient, die nun über ihr ausgekippt werden. Mit ihr verliert die Welt weit mehr als nur eine Country-Sängerin. Sie verliert eine begnadete Songwriterin, einen anständigen, großzügigen, guten Menschen und obendrein eine verdammt lustige Person, die nur eine Sache nicht gewinnen konnte: einen Dolly-Parton-Look-A-Like-Contest.

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