Ecca Vandal und Turnstile heizen der Wuhlheide ein, Deftones machen den Abend schließlich unvergesslich.
Berlin (drö) - Für Ecca Vandal, Turnstile und Deftones kann man schon mal nach Berlin fahren. Knapp 100 Euro Eintritt sind dafür mittlerweile fast schon ein Open-Air-Schnäppchen, um so überraschender, dass die Wuhlheide an diesem Abend nicht ausverkauft ist. Vor Ort fällt das allerdings kaum auf.
Ecca Vandal steht bereits um 18 Uhr auf dem Programm. Viele Besucher kaufen noch Merch, sitzen auf den Rängen oder sind überhaupt noch nicht angekommen. Der erste Wellenbrecher ist trotzdem schon gut gefüllt. Die Australierin überzeugt mit gelungenem Crossover, vor allem die bekannteren Tracks wie "Then There's One", "Came Here For The Loot" und "Cruising To Self Soothe" reißen bereits große Teile des Publikums mit. Ein durchaus gelungener Auftakt.
Um 18:50 Uhr sind dann Turnstile dran. Wer einen Blick ins Publikum wirft, könnte meinen, Deftones und Turnstile hätten ihre Shirts untereinander aufgeteilt. Viele scheinen vor allem für die Pop-Hardcorer angereist zu sein. Das Set beginnt mit "Never Enough", und vorne steht die Energie sofort auf Maximum. "T.L.C." setzt noch einen drauf.
Das Wetter hat sich für die Konzertreihe glücklicherweise etwas gedrosselt: Temperaturen im Mittzwanzigerbereich und ein bewölkter Himmel sorgen für deutlich angenehmere Bedingungen. Im Front Of Stage geht es trotzdem heiß her. Viel Bewegung gibt es allerdings nicht immer: Vorne wird eher gequetscht als gemosht. Für Windmills fehlt schlicht der Platz.
Auch die neuen Songs müssen sich dabei keineswegs hinter den Klassikern verstecken. "I Care", "Dull" und "Look Out For Me" werden erstaunlich selbstverständlich aufgenommen. "Nonstop Feeling" bleibt dagegen leider unterrepräsentiert. Dabei beweist "Drop", dass gerade die älteren Songs live noch einmal deutlich mehr Spaß machen. Nach "Blackout" kommt schließlich, was kommen muss: Das Set schließt mit dem Riff-Monster "Birds".
Deftones stecken Turnstile locker in die Tasche
Deftones lassen anschließend bis 20:30 Uhr auf sich warten. Das Amphitheater ist mittlerweile voll, von freier Kapazität ist spätestens jetzt nichts mehr zu spüren. Ein Saxofon-Intro später brettert "Be Quiet And Drive (Far Away)" los. Dass der Wuhlheide-Sound zumindest vor der Bühne bereits bei den Vorbands überzeugt, ist offensichtlich. Bei Deftones wird daraus allerdings eine eigene Qualität. Der Drumsound scheppert absurd heavy, die Gitarren sind sauber voneinander zu unterscheiden, und auch Chino Morenos Stimme sticht, soweit das bei dieser Soundwand überhaupt möglich ist, klar hervor. Lediglich bei der Lautstärke muss die Wuhlheide passen: Dem Amphitheater geschuldet fällt sie insgesamt etwas gedrosselter aus, als man es von einem Deftones-Konzert vielleicht erwarten würde. Dafür bleibt das Klangbild bis in die Details erstaunlich sauber.
Stimmungstechnisch stecken Deftones Turnstile locker in die Tasche. Während bei Turnstile vor allem die vorderen Reihen eskalieren, bleibt bei Deftones praktisch das gesamte Infield in Bewegung. Bereits ab dem ersten Track steht kaum jemand still.
Anschließend spielen sich die Kalifornier quer durch ihre Diskografie: "Feiticeira", "Around The Fur", "Rocket Skates". Auch "Private Music" ist längst im Set angekommen. Bei "My Mind Is A Mountain", "Milk Of The Madonna" und vor allem "Infinite Source" geht die Meute ab, als wäre das Album schon seit 30 Jahren draußen.
Morenos Bühnenpräsenz ist fast schon absurd
Ein paar Tropfen fallen in der Mitte des Sets auf die Wuhlheide, mehr wird daraus glücklicherweise nicht. Die Show läuft unbeirrt weiter, und spätestens nach wenigen Minuten ist der kurze Spuk wieder vorbei.
Morenos Bühnenpräsenz ist dabei fast schon absurd. Wenn er nicht gerade kreischt, rennt er die Treppen zum Drumset hoch, wieder herunter und quer über die Bühne. Dass darunter die Stimme nicht leidet, ist umso beeindruckender. Bei "Rosemary", "Sextape" und auch "Change" greift er selbst zur Gitarre. Gerade bei "Change" hört man allerdings erstmals das textsichere Publikum deutlich stärker als den Deftones-Sänger.
Fanlieblinge des Abends bleiben sicher "Xerces", "Korea" und "Risk". Große Ansagen gibt es nicht, abgesehen von der obligatorischen Liebesbekundung ans Publikum. Auch eine Zugabe muss nicht wirklich gefordert werden, die Band spielt sie einfach. "Cherry Waves" setzt die Stimmung, "My Own Summer (Shove It)" bringt sie zum Überkochen und was bei "7 Words" abgeht, bleibt in der Wuhlheide.
Eine starke Vorbandauswahl, eine Wuhlheide in Bestform und Deftones auf einem Niveau, das selbst hohe Erwartungen mühelos sprengt. Sound, Energie, Bühnenpräsenz und die ganz besondere Mischung aus Melancholie und Wucht greifen an diesem Abend perfekt ineinander. Nach 90 Minuten bleibt vor allem eines hängen: Viel besser kann ein Konzert nicht sein. Ein vollkommen überwältigender Auftritt, der die Messlatte nicht nur hochlegt, sondern gleich ein gutes Stück außer Reichweite schiebt.




































1 Kommentar
Und wieder denke ich: ‚Es wäre doch geil in Berlin zu wohnen.´