Der Black Midi-Frontmann liefert zweieinhalb Stunden Jamming zwischen Jazzrock, Bossa Nova und Stoner-Doom.
Köln (kluk) - Das Bumann & Sohn in Köln: industrieller Charme, offenes Mauerwerk, Schmelztiegel für Indie und Elektronik. Dass man die beschauliche Ehrenfelder Location einmal zum richtigen Jazzclub umfunktioniert? Unwahrscheinlich. So unwahrscheinlich, wie der Umstand, dass sich eine experimentierwütige Band wie Black Midi einmal als zu enges Korsett für Frontmann Geordie Greep erweisen würde.
Fast forward, 10. Februar 2026, 20:35 Uhr. Alles wird wahr: Zu den Klängen von Ray Price betritt das Geordie Greep Trio die Bühne – der kleine Club (knapp 200 Personen) ist dicke ausverkauft, vor der Tür stehen noch immer Menschen mit 'Suche Tickets'-Schildern – vergebens. Viele der Anwesenden sichern sich gleich nach Einlass Greeps Debütalbum "The New Sound" am Merchstand. Doch nicht alle dürften recherchiert haben, was für den kurzen Deutschland-Run des Trios geplant ist: freie Jam-Shows. Keine Setlist.
Zweieinhalb Stunden Könner-Jam
Drummer King David-Ike Elechi leitet zaghaft ein, Rods statt Sticks, die Jazzbesen folgen später. Die Intimität des Bumann – ein großer Pluspunkt: Es gibt Bühnensound statt Mischpultmatsche, das Schlagzeug klingt nach Holz, Bassist Dave Strawn pustet seine Frequenzen durch den ganzen Club. Greep macht keine Ansage und gibt keine Erklärungen. Stattdessen: zweieinhalb Stunden Könner-Jam im dunklen, schummrigen Mauergewölbe.
Musikalisch kippt das Ganze regelmäßig von filigranen Jazzpassagen in krachige Fusion-Ausbrüche, die mehr als einmal an 70er-King-Crimson-Liveimpros erinnern – insbesondere an Kultdrummer Bill Bruford. Elechi rotiert sein Schlagwerkzubehör, Strawn spielt warm und geerdet, stellenweise fast kontrabassartig. Und Greep? Hält sich zunächst noch mit wilden Soli zurück und probt die Bandleader-Rolle: Der 26-Jährige steht meist seitlich zum Publikum und dirigiert seine beiden Mitmusiker mit vollem Gesichtseinsatz – von Lippen bis Augenbrauen. Eine Mimik teilen heute Abend allerdings alle drei: das fette Grinsen im Gesicht.
Bossa Nova switcht in Stoner-Doom
Da darf ein Bossa Nova-Flow dann auch gerne mal in stoner-doomige Grooves switchen, kurz stoisch wie bei Sleep, nur harmonisch eben deutlich beweglicher. Natürlich erwischt man Greep auch mal dabei, eine Tonleiter hoch und runter zu reiten, aber warum auch nicht, füllen Tool damit doch immerhin Stadien.
Viel lieber möchte man den Blick der heute nicht anwesenden Musiksnobs der reiferen Jugend aufs Publikum richten: fast durchweg unter 30, die erste Reihe irgendwo zwischen Maiden-Shirt und schlecht sitzender H&M-Krawatte. Noch mal zum Mitschreiben: 20-Jährige feiern hier frei improvisierten Jazzrock, ganz ohne elitäres Augenzwinkern. Da geht was.
135 Minuten Ekstase
Für den schnellen Kopfrechner lohnt der Abend natürlich gleich mehrfach: 22 Euro für fast zweieinhalb Stunden, ein No-Brainer. Wenn auch vielleicht 30 Minuten zu lang. Verständlich und legitim, dass nach 135 Minuten Euphorie und Ekstase alle vor und auf der Bühne dann etwas angeschlagen sind, als das Trio zum letzten Schlag ausholt: Mit "The New Sound", dem instrumentalen Titeltrack von Greeps Debütalbum findet das offene Set doch noch ein spätes Fundament – und tosenden Applaus.
Oder wie der bisher seine Stimme schonende Greep später verrät: "Es war phänomenal. Heute ist die erste Show der Tour und wir hätten auch vor einem leeren Raum spielen können." Haben sie nicht. Und selbst wenn: Das Geordie Greep Trio hätte ihn zu füllen gewusst.
Text/Fotos: Alex Klug.













2 Kommentare mit 10 Antworten
Damn. Hätte ich gerne gesehen.
Als Ersatzprogramm kann ich Glorpie Gleep sehr empfehlen.
Eh. Ich hab gehört, Glorpie Gleep sei nur eine inadäquate Kopie.
Ertappt.
Sorry! Ich habe nur eine Rezi von laut.de paraphrasiert. Ich glaube, der Rezensent hieß Gannik Yölz, oder so ähnlich.
Hat sich dann wohl erst einmal erledigt.
wie meinen?
Greep hat eine schlafende Frau sexuell belästigt. Das war in der letzten Woche DAS Thema in der entsprechenden Szene. Fantano hat auch ein Video dazu gemacht.
Auf nem Gig in Vancouver hatte jemand Flyer mit der Aufschrift, dass Greep ein Vergewaltiger sei, verteilt. Darum sah sich das Opfer dazu gezwungen, es an die Öffentlichkeit zu bringen. Ihr Statement wurde in diesem Artikel veröffentlicht:
https://www.pastemagazine.com/music/geordi…
Auch eines seiner Bandmitglieder war in der Wohnung dabei und hat deswegen auch sofort gequittet. Die anderen zogen am nächsten Tag nach.
Greep spielte den Gig dann noch solo, nachdem er sich auf der Bühne geäußert hatte: https://www.youtube.com/shorts/i3CV68AnkGw
Jedenfalls ist die Band weg und die Tour wurde abgesagt. Europa-Dates werden sicherlich folgen.
Gerade lief es ja für ihn. Vorband für die Strokes und er hatte ein dreiseitiges Album für 2027 ins Spiel gebracht. Außerdem war er letztens noch bei KEXP. Ob dieser Auftritt noch ausgestrahlt werden wird, mag bezweifelt werden.
Interessanterweise thematisierte Greep auf seinem Solo-Album ja problematische Verhaltensweisen von Männern.
Außerdem gibt es diverse Berichte dazu, dass er ein Alkoholproblem haben könnte.
Ach, damn, beschämend.
Frage mich manchmal echt, wie schwer es sein muss, kein Arschloch zu sein. Mach deine (in diesem Fall großartige) Musik, sei kein Arschloch, respektiere Frauen und Grenzen, sauf dir nicht die Hucke voll. Kann doch niocht so schwer sein.
Das dachte ich auch mal, aber wenn man sich einmal den Zeitraum 2020 bis heute anschaut, so kann man nur zu der Bewertung kommen, dass es wohl doch zu schwer ist, kein Arschloch zu sein.
Greep hatte ich noch im Februar live gesehen. Black midi wenigstens ein Mal während der Pandemie. Er hätte noch einiges reißen können, das Potential ist da und nun das. "Holy, Holy" von seinem Solo-Album war damals einer meiner Songs des Jahres. Der Text handelt zwar von einer Escort-Dame, aber Zeilen wie "And I want you to look at me as if I'm attractive
I want your eyes to say, "Take me" wirken nun ganz anders.
Ah jo, der As if Waltz alterte unter diesen Umständen auch denkbar schlecht, ma sagen. Bleibt trotzdem in der Playlist, auch Terra.