Ein Britpopper solo, ein Rap-Hörspiel, die perfekte Metal-Prog-Sludge-Symbiose und das seit 10.000 Tagen erwartete Tool-Album feiern Jubiläum? Crazy!
Konstanz (laut) - Diese Jahre mit einer Sechs hintendran scheinen es kulturell gewaltig in sich zu haben: Anlässlich des 250. Wiegenfests des Wunderkinds deklarierten sie 2006 in Österreich zum "Mozart-Jahr". Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, kam erst 100 Jahre nach dem Klassik-Komponisten zur Welt und hatte in der Frage, wer für das Annum Pate stehen darf, deswegen das Nachsehen. Menno. In den Niederlanden war das allen völlig gleichgültig, dort zelebrierten sie zum 400. Geburtstag des alten Meisters 2006 das "Rembrandt-Jahr" ... und in Deutschland? Na, ja: Berlin nahm einen neuen Hauptbahnhof in Betrieb, so gab es überall etwas zu begießen.
Wir waren ebenfalls in Feierlaune, unter anderem angesichts dieser Jubiläums-Werke:
Das alles tröstete doch zumindest ein wenig darüber hinweg, dass aus dem von den Sportfreunden Stiller anvisierten "54, 74, 90, 2006" nichts geworden ist: Die deutsche Fußballnationalelf ließ sich im Viertelfinale von Italien aus dem Turnier kicken. Besser machten es Lordi: Die finnischen Gummimonster zeigten beim ESC in Athen der interessierten Zuschauer*innenschaft, was eine Harke ist, und fuhren souverän den Sieg ein. Darauf ein "Hard Rock Hallelujah"!
Rekordverdächtig
Unterdessen zementierte Madonna ihrem Ruf als "Material Girl": Ihre "Confessions"-Tour schrieb als bis dato erfolgreichste Tournee einer weiblichen Künstlerin Musikgeschichte. Das erfolgreichste Album in Deutschland veröffentlichten allerdings Rosenstolz, die mit dem Titel "Das Große Leben" wohl irgendeine Vorahnung hatten. Die erstaunlicherweise doch noch einmal wiedervereinigten Tic Tac Toe titelten dagegen weniger prophetisch: Ihr "Comeback" währte nicht sehr lange.
Den Rekord für das größte Konzert stellten 2006 die Rolling Stones auf: Die im Vergleich zu heute damals noch geradezu jugendlichen Haudegen spielten an der Copa Cabana vor unüberschaubaren 1,2 Millionen Menschen. Taylor Swift konnte da noch nicht mithalten: Sie hatte, mit zarten 16 Lenzen, soeben ihr selbstbetiteltes Debüt-Album veröffentlicht. Noch quasi niemand redete von Bon Iver, Ghost oder dem A$AP Mob, die allesamt gerade erst zusammengefunden hatten.
Für immer verabschiedet haben sich 2006 auch eine ganze Reihe namhafter Künstler*innen. Vor allem in den Soul- und Funk-Bereich riss das Jahr riesige Krater. Lou Rawls, Wilson Pickett, Billy Preston und James Brown segneten allesamt das Zeitliche, genau wie Drafi Deutscher, Desmond Dekker, Pink Floyds Phantom Syd Barrett und Producerlegende J Dilla. Farewell.
So klingt 2006
Wer sich einen noch umfassenderen Eindruck über den Jahrgang 2006 verschaffen will, als ihn unsere handverlesene Jubiläums-Selektion da oben gestattet: Im Radio setzen wir uns über die engen Grenzen des Listenformats gepflegt hinweg und spielen weit mehr als nur 20 Alben an. Man möchte kaum glauben, was so alles schon zwei Dekaden auf dem Buckel hat. Hört:



















































































































































































































































































3 Kommentare, davon 2 auf Unterseiten
Für mich fehlen ein paar Alben:
Archive - Lights
Blackmail - Arial View
Clueso - Weit Weg
Mars Volta - Amputchture (von laut.de damals verissen)
John Mayer - Continuum
Muth Math - Muth Math (Pop Prog at his best!)
Placebo - Meds (war damals mein erstea Placebo Album)
TV on The Radio - Return To…
The Zutons - Tired Of (mit dem Original Valerie drauf)
The Tangent - A Place In The Queue