laut.de-Biographie
Paris Paloma
Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual. Paris Paloma zählt zu diesen Künstlerinnen, die sich offenbar nur schwer für eine ihrer zahlreichen Begabungen entscheiden können: Ob Kunst, kreatives Schreiben oder Songwriting, Paris lässt sich dahin treiben, wohin der kreative Wind sie weht.
"Meine Liebe zur Musik hat ihren Ursprung im kreativen Schreiben. Als Kind dachte ich, ich würde einmal Autorin oder kreative Schriftstellerin werden, aber als Teenager fühlte ich mich zum Songwriting hingezogen", erzählt sie gegenüber dem britischen Zero.Nine Magazine. Im Songwriting laufen all ihre Leidenschaften zusammen. Es ist für sie eine Form des "World Building": Sie erschafft emotionale Welten, in die sie ihr Publikum hineinziehen kann.
Paris Paloma Phillips wird 1999 im englischen Derbyshire geboren und wächst in Ashbourne auf. Als Kind begeistert sie sich für Ed Sheeran. Sein Debütalbum inspiriert sie dazu, selbst Gitarre zu lernen.
Ihre kreative Laufbahn beschränkt sich jedoch nicht auf die Liebe zur Musik. Sie studiert Fine Art an der Londoner Goldsmiths University und malt bis heute ihre eigenen Plattencover. Während der Pandemie, als ihr Studium und ihr bisheriger Alltag zum Stillstand kommen, beginnt sie, sich ernsthafter mit Musik zu beschäftigen, und sie stellt fest, dass sie mit Worten ebenso kraftvolle Bilder malen kann wie mit Farben. 2021 erscheint ihre EP "Cemeteries and Socials".
Ihre Musik bewegt sich zwischen Indie-Folk, Dark Pop und Alternative. Genregrenzen interessieren sie dabei weniger als die Energie, die ein Text vermittelt: "Die Energie der Worte beeinflusst das Genre jedes Songs", erklärt sie. Entsprechend kann ihre Musik gleichzeitig zart und unheimlich, märchenhaft und düster, verletzlich und wütend klingen.
2023 gelingt ihr mit "Labour" der internationale Durchbruch. Der Song handelt von der unsichtbaren Arbeit, die Frauen in Beziehungen leisten: emotionale Fürsorge, Hausarbeit, Mutterschaft und die ständige Anpassung an die Erwartungen anderer. "Labour" bedeutet im Englischen nicht nur Arbeit, sondern auch "Wehen", beziehungsweise bezeichnet den Geburtsvorgang. Das Wortspiel hinter dem Songtitel gibt einen ersten Vorgeschmack auf Palomas Faible für komplexe Interpretationsmöglichkeiten.
"All day, every day, therapist, mother, maid / Nymph, then a virgin, nurse, then a servant (...) It's not an act of love if you make her / You make me do too much labour." Wie ein eintöniger Marsch beginnt der vielstimmige Refrain, in dem Paloma gegen sexistische Erwartungen kämpft und bissig mit dem Madonna-Huren-Komplex abrechnet. Innerhalb kürzester Zeit geht "Labour" auf TikTok viral und entwickelt sich zu einer feministischen Hymne.
Im August 2024 erscheint ihr Debütalbum "Cacophony". Der Titel ist von Stephen Frys "Mythos" inspiriert und beschreibt für Paloma das überwältigende Chaos im eigenen Kopf. Das Album verbindet persönliche Erfahrungen mit feministischer Gesellschaftskritik, Mythologie und einer opulenten Klangwelt. Das Albumcover zeichnet Paloma selbst.
Paloma schreibt nicht nur über ihre unmittelbare Gegenwart, sondern bedient sich immer wieder alter Geschichten und archetypischer Bilder. Mit "The Rider" verfasst sie 2024 einen Song für den Soundtrack des Fantasy-Anime-Films "The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim".
Auch auf der Bühne entsteht rund um Paloma eine eigene kleine Mythologie. Ihre Fans nennen sich "Fairies", Feen. Bei ihren Konzerten kleiden sie sich in märchenhafte Outfits, tanzen gemeinsam und bilden eine Community, die Paloma selbst als Raum für gegenseitige Unterstützung, Freude und Verbundenheit beschreibt. In ihren Auftritten trifft so "feminine rage" auf eine verspielte, mädchenhafte Bildwelt: Wut und Zärtlichkeit, Verletzlichkeit und Stärke müssen bei Paris Paloma keine Gegensätze sein.
2026 erreicht diese Entwicklung einen Höhepunkt: Paloma begleitet Florence + The Machine als Support auf der europäischen "Everybody Scream"-Tour. Ausgerechnet mit Florence Welch, einem ihrer eigenen musikalischen Vorbilder, singt sie dabei "Labour" gemeinsam auf der Bühne: ein inoffizielles "Willkommen in der Riege der kämpferischen Waldfeen".
Im September 2026 folgt "The Fatal Flaw". Mit ihrem zweiten Album kehrt sie in die Welt der Gemälde und Mythen zurück. Sie zieht den Hut vor Myziaki, Rothko und den Präraffaeliten und wehrt sich gegen den Druck, als "Good Girl" oder "Good Boy" gehorsam in die vorgegebenen Formen des Patriarchats zu passen.
Paris Paloma hat sich innerhalb weniger Jahre einen eigenen künstlerischen Kosmos geschaffen, in dem Musik, bildende Kunst, Mythologie und feministische Gesellschaftskritik ineinandergreifen. Ihre unterschiedlichen künstlerischen Interessen stehen mittlerweile nicht mehr in Konkurrenz zueinander, sondern verschmelzen zu einer eigenen, vielschichtigen Welt.


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