Porträt

laut.de-Biographie

Gong

Die erste Inkarnation von Gong entsteht Ende der 1960er-Jahre. Eine der treibenden Kräfte: Daevid Allen. Der 1938 in Australien als Christopher David Allen geborene Musiker arbeitet zunächst in einem Buchladen, bevor ihn die Beat-Literatur und die experimentelle Kunstszene nach Europa ziehen. In Paris kommt er erstmals intensiver mit avantgardistischer Musik in Kontakt, Anfang der 60er geht er nach England.

Dort gründet er 1963 das Daevid Allen Trio, aus dem wenig später Soft Machine hervorgehen. Erste Konzerte führen die Band durch Europa, doch ein bürokratischer Zwischenfall verändert Allens Laufbahn nachhaltig: Nach einer Frankreichreise wird ihm als australischem Staatsbürger die Wiedereinreise nach Großbritannien verweigert. Bei Soft Machine ist damit Schluss, für Allen beginnt ein neues Kapitel.

Zurück in Frankreich lebt er mit seiner Partnerin Gilli Smyth zeitweise auf einem Hausboot in Paris. Die beiden sind künstlerisch wie politisch aktiv und bewegen sich im Umfeld der Studentenproteste von 1968. In dieser Atmosphäre entsteht Gong, eine Band, die später eng mit dem sogenannten Canterbury Sound verbunden wird: eine Spielart des Progressive Rock, geprägt von experimenteller Offenheit, Jazz-Einflüssen und personellen Überschneidungen zwischen Bands.

Auf Mallorca stoßen Allen und Smyth auf den Saxophonisten und Flötisten Didier Malherbe. Gemeinsam mit Christian Tritsch (Bass) und Pip Pyle (Schlagzeug) formiert sich die erste stabile Besetzung. 1969 erscheint das Debüt "Magick Brother", das bereits zentrale Elemente des Gong-Sounds enthält: Psychedelic, Space Rock, Jazz, Avantgarde und eine gehörige Portion surrealer Humor. Smyth prägt den Klang mit ihrem charakteristischen "Space Whisper", einer experimentellen Form des Sprechgesangs.

Mit "Camembert Electrique" (1971) folgt ein weiterer Meilenstein, begleitet von ersten größeren Tourneen und einem Auftritt beim Glastonbury Festival. Wie so oft in der Bandgeschichte bleibt die Besetzung jedoch instabil: Musiker kommen und gehen, die internationale Zusammensetzung spiegelt sich auch in den mehrsprachigen Texten wider.

Den künstlerischen Höhepunkt der frühen Phase markiert die sogenannte "Radio Gnome Trilogy": "Flying Teapot" (1973), "Angel's Egg" (1973) und "You" (1974). Hier entfaltet Gong seine eigene, bewusst schräge Mythologie rund um fliegende Teekannen, außerirdische Wesen und spirituelle Bewusstseinserweiterung. Die Mischung aus Konzeptkunst, Humor und musikalischer Virtuosität wird zum Markenzeichen und zur Blaupause für zahlreiche Nebenprojekte.

Diese entstehen parallel in großer Zahl. Als Allen und Smyth sich zeitweise zurückziehen, tourt ein Teil der Band unter dem Namen Paragong. Kurz darauf verlassen beide die Gruppe dauerhaft. In der Folge übernimmt Schlagzeuger Pierre Moerlen zunehmend die Leitung und richtet Gong musikalisch neu aus: Der Fokus verschiebt sich hin zu instrumentalem Jazzrock mit starker Betonung auf Perkussion. Mit Alben wie "Gazeuse!" (1976), an dem unter anderem Allan Holdsworth mitwirkt, entfernt sich die Band deutlich vom psychedelischen Ursprung. Schließlich firmiert das Projekt unter dem Namen Pierre Moerlen's Gong, ein klarer Schnitt zur ursprünglichen Vision.

Parallel dazu bleibt auch Allen aktiv: Unter Namen wie Planet Gong oder New York Gong verfolgt er eigene musikalische Ideen, während Smyth unter anderem Mother Gong ins Leben ruft. Ende der 80er kommt es zur erneuten Annäherung: Gemeinsam mit Malherbe gründet Allen die "Invisible Opera Company Of Tibet", aus der über mehrere Stationen Anfang der 90er wieder Gong hervorgeht.

Die Reunion bringt frühere Weggefährten zurück, darunter Pyle und Mike Howlett. Mit "Shapeshifter" (1992) und später "Zero To Infinity" (2000) knüpft die Band lose an die Ideen der "Radio Gnome Trilogy" an.

Nach einer erneuten Phase der Zerstreuung und dem Tod von Pip Pyle im Jahr 2006 scheint die Zukunft von Gong ungewiss. Doch Allen hält an der Idee fest, bis zu seinem Tod 2015 infolge einer Krebserkrankung. Auch Gilli Smyth stirbt ein Jahr später.

Vor seinem Tod formuliert Allen jedoch einen klaren Wunsch: Gong soll weiterbestehen. Mit den Musikern Kavus Torabi, Fabio Golfetti, Dave Sturt, Ian East und Cheb Nettles entsteht eine neue, vergleichsweise stabile Besetzung. Das erste Album dieser Ära, "Rejoice! I'm Dead!" (2016), versteht sich als bewusste Hommage an Allen und als Aufbruch zugleich. Weitere Veröffentlichungen folgen, und erstmals in ihrer wechselhaften Geschichte wirkt Gong über so viele Jahre hinweg personell konstant.

Alben

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