laut.de-Kritik
Hier bleibt die Trance intakt.
Review von Emil DröllFast genau 50 Jahre nach der "Radio Gnome Trilogy" stehen Gong wieder vor einem Abschluss, wenn auch einem ganz anderen. "Bright Spirit" beschließt die lose Trilogie der modernen Gong-Phase unter Kavus Torabi. Ein ganz großes Konzept? Eher nicht. Aber eine überzeugende Reihe, mit einem noch überzeugenderem Schluss.
Denn wo "The Universe Also Collapses" noch jazzig aufraute und "Unending Ascending" verstärkt über Gitarrenflächen funktionierte, zieht sich "Bright Spirit" spürbar zurück. Weniger Druck, mehr Drift. Weniger Explosion, mehr Schwebezustand.
Schon der Opener "Dream Of Mine" macht klar, wohin die Reise geht. Eine orientalisch angehauchte Klanglandschaft öffnet den Raum, Perkussion pulsiert unterschwellig, alles fließt. Wenn nach Minuten endlich Gesang einsetzt, hat man längst jedes Zeitgefühl verloren. Der Track schichtet, kreist, verdichtet sich, ohne je wirklich auszubrechen. Hypnotisch statt exzessiv. Das ist Prog in seiner spacigsten, aber auch zugänglichsten Form.
"Mantivule" holt die Band kurz zurück auf den Boden, mit mehr Groove, mehr Struktur, getragen von Gitarre, Schlagzeug und einem präsenten Saxophon. Doch auch hier bleibt die Trance intakt. Selbst wenn der Song zwischenzeitlich fast heavy wird, wirkt das nie wie ein Bruch, sondern wie ein kontrolliertes Aufbäumen im Traumzustand.
Mit "The Wonderment" versinkt das Album endgültig im Schwebezustand. Synthesizer legen breite Flächen, das Saxophon schleicht sich unaufdringlich dazu, Vocals wirken eher wie zusätzliche Textur denn als Zentrum. Das Gitarrensolo am Ende: kein Ausbruch, sondern ein langsames Verblassen. "Stars In Heaven" gibt sich vergleichsweise klassisch, eine der wenigen Nummern, die stärker über Gesang funktionieren und am ehesten an traditionellen Prog erinnern. Fast schon ein Ankerpunkt im ansonsten sehr fließenden Albumkontext.
"Fragrance Of Paradise" greift die exotischen Motive des Openers wieder auf, kippt dann aber überraschend in ein deutlich treibenderes Songwriting. Vielleicht nicht der originellste Moment der Platte, aber einer der effektivsten. Hier zieht Gong das Tempo an, ohne die Grundstimmung zu opfern. "Relish The Possibility" wirkt mit seinen drei Minuten fast wie ein Interludium, bleibt aber mehr als bloßer Lückenfüller. Zu dicht ist die Atmosphäre, zu klar die Funktion im Albumfluss.
Zum Abschluss breitet sich "Eternal Hand" noch einmal in aller Ruhe aus. Der Track bündelt alles, was "Bright Spirit" ausmacht: Geduld, Schichtung, Raumgefühl. Kein Finale mit Knall, eher ein langsames Ausglühen.
Und genau darin liegt die Stärke dieses Albums. "Bright Spirit" ist kein Versuch, die eigene Vergangenheit zu überbieten oder gar die "Radio Gnome Trilogy" zu spiegeln. Stattdessen verzichten Gong bewusst auf verkopfte Eskalation. Psychedelisch? Absolut. Aber nie selbstverliebt und nie ziellos.
Dass die Band in dieser Phase ohne größere Besetzungswechsel auskommt, hört man. Hier spielt ein Kollektiv, das weiß, was es will und vor allem, was es nicht mehr beweisen muss.


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