laut.de-Kritik
Smells Like Teen Spirit: Alternative-Rock gegen Alterserscheinungen.
Review von Kerstin KratochwillUngewohnt rau rockig beginnt das neue Album von Get Well Soon mit dem nostalgischen Opener "The 4:3 Days", in dem Mastermind Konstantin Gropper singt "He's far too young to reminisce" ("Er ist viel zu jung, um in Erinnerungen zu schwelgen"). Der live eingespielte Track – genauso wie alle anderen von "Minus The Magic" erstmals in Band-Besetzung aufgenommen – atmen schwer den Geist von Alternative- und Slacker-Rock, Power-Pop sowie Grunge, speziell den von Kurt Cobain.
Der Nirvana-Sänger war Groppers Held, seine prägenden Jahre standen im Schatten von Cobains Tod im Jahr 1994. 2026, zum 20-jährigen Jubiläum von Get Well Soon, holt Gropper die Vergangenheit ein. In den Tracks spukt nicht nur Cobains Geist herum, sondern auch das Gespenst der Midlife-Crisis.
2008 wurde Get Well Soon mit seinem Debüt- Album "Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon" als melancholisches Indie-Wunderkind gefeiert, seine Musik war schwermütig und schwelgerisch und klang nach Leonard Cohen, Thom Yorke oder Conor Oberst. Jetzt klingt Gropper wie in "There's Waldo" nach Bruce Springsteen oder in "Staying Home" wie Buffalo Tom. Die jugendliche Lust am Leiden ist handwerklichem Spaß am Rock gewichen – ohne Pathos, ohne Filmorchester und ohne Effekt.
Vielleicht auch ohne Effektheischerei, denn eine solche waberte bei Get Well Soon schon ein wenig mit herum. Gropper sagt selbst, seine Konzept-Alben seien eigentlich "ein zutiefst missverstandenes Comedy Projekt". So ganz kann er es dann aber doch nicht mit dem arty Ansatz lassen, denn er experimentiert mit William S. Burroughs' Cut-up-Technik und montiert in Zeilen Sätze, Wörter und Gedankenfetzen per Zufall.
Also doch ein bisschen Magie der Kunst, die Gropper über die Songs von "Minus The Magic" verteilt, übrigens das erste von zwei Alben, die er in diesem Jahr veröffentlicht. Welches Thema das andere haben wird, wissen wir noch nicht, aber hier geht es um die Lebensmitte und die Musik, mit der man aufwuchs.
Im Fall von Gropper sind das Sonic Youth, Teenage Fanclub, Pavement, Lemonheads oder Nirvana – alle standen hier Pate. Nach zwanzig Jahren und sieben Alben liegt bei Get Well Soon, der von Anbeginn immer etwas antiquarisch klang, mit diesem musikalischen Turn nun also doch Teen Spirit in der Luft.


2 Kommentare mit 9 Antworten
Gropper macht traditionell Musik für deutsche Feuilletonist*innen. Aber auch schön, wenn die sich ab und zu mal über was freuen dürfen
Mit deiner Intellektuellenfeindlichkeit bist du schon ganz gut im Extremismus aufgehoben. Da nehmen sich Blau und strahlend rot nichts.
Ich glaube es wäre inhärent intellektfeindlich (hihi) aus einer einzigen Eigenschaft ne Nähe zum politischen Extremismus herzustellen.
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Großartiger Musiker, der große Hallen füllen könnte, wenn er denn wollte. Will er aber scheinbar nicht, sondern bleibt sich treu! Bin sehr gespannt auf das Album. Wäre spannend zu sehen, wie eine Kooperation mit bspw. James Blake aussehen würde, auch wenn die Beiden musikalisch gesehen nicht ganz koheränt sind, dafür aber im künstlerischen Anspruch
"auch wenn die Beiden musikalisch gesehen nicht ganz koheränt sind"
1. Du meinst kongruent,
2. das schreibt sich "kohärent"
Wie passt denn hier kongruent? Kohärent ist natürlich gemeint.
Kohärent.
Aber wisst ihr eigentlich was ich damit meine? Das wäre viel interessanter
Die Musik der beiden ist nicht konvergent.