laut.de-Kritik
Punkrock-Widerstand mit den "Edelweißpiraten".
Review von Jasmin LützPünktlich zum Tag der Arbeit am 1. Mai 2025 veröffentlichten Grenzkontrolle aus Köln die EP "Edelweiß" mit drei provokanten und auf den Punkt gebrachten Tracks. Der Song "Revolution" rotierte in den sozialen Medien, auch dank der prägnanten Zeile: "Du wählst hellblau? Die Faschos applaudieren.". Dazu die visuelle, kunstvolle Umsetzung des Videos, das selbstbewusste Auftreten und die punkrockende Musik. Schlagzeugerin Roza Roth, Gitarrist Kodia Funk, Bassist Schuttland und Frontmann Don L. Gaspár Ali bringen jeweils ihre eigene Geschichte, Kultur und Erfahrung mit in die kreative Formation und nehmen Stellung zur aktuellen Lage in diesem Land: "There is no Planet B"!
Mit vorliegender "Piraten"-EP folgen drei weitere Hit-Singles und fügen beide Titel zusammen: Edelweißpiraten. Damit schließt sich der Kreis zum Widerstand. Das Kollektiv zeigt Haltung und betrachtet dabei vor allem die Gegenwart. Der Song "Neumarkt" beschreibt den Zustand eines Ortes in Köln und reflektiert die ganz persönliche Sichtweise von Textschreiber Don L. Gaspár Ali, wie er im Interview ausführt. Jeder Kölner kennt diese Haltestelle zwischen Verwahrlosung und Shopping-Meile. Ein realistisches Beispiel für viele Großstädte, in denen Obdachlosigkeit und Drogensucht zunehmen. Jeder wird dabei zum Beobachter, das Leid ist nicht zu verdrängen: "Schwerer Druck auf meiner Brust / Wo fährt der nächste Bus?"
Dazu servieren Grenzkontrolle einen eingängigen Rhythmus mit Falco-Style im Beat und gängiger Gitarrenmelodie. Der Gesang ist mehr gesprochen als gesungen, energische Wutausbrüche mit klarer Ansage. Man assoziiert hier Gang of Four oder The Specials, eine neue kölsche Mods-Revolution rollt an.
Grenzkontrolle ist ein Gesamtkunstwerk aus visueller Umsetzung, Tanz, schauspielerischer Diva-Inszenierung, jazzigen und funkigen Akzenten und cooler Ausstrahlung. Eigene Sorgen und Erfahrungen mischen sich unter aktuelle Themen. Wie verarbeitet man die weltpolitische Lage, das schockierende Elend vor der Tür und den eigenen Gemütszustand? "Der Traum ist aus" schrieb Rio Reiser Anfang der 1970er Jahre. Grenzkontrolle antworten 2026 mit ihrem Titel "Traum Ist Aus" und verbinden persönliche Perspektiven mit gesellschaftlichen Beobachtungen. Düster sind die Gedanken, melancholisch der Sound: "Schwarzer Rabe führe mich ins Licht / der Traum ist aus / Ich muss hier raus."
In "Tür" heißt es: "Wo soll ich sein? Wo darf ich sein?" Beklemmende Worte, die trotz Frust und Zerstörung auch Platz für viel Liebe und Mut zwischen den Zeilen lassen. Der Formation geht es um Zusammenhalt. Grenzkontrolle fordern ein politisches Bewusstsein, sehen sich aber nicht als linkspolitische Band. Mit Edelweißpiraten erinnern sie an die junge Widerstandsbewegung im Dritten Reich. Jugendliche aus dem Rheinland und Ruhrpott stellten sich damals gegen den Nationalsozialismus. Am 10. November 1944 ließ die Gestapo 13 Mitglieder der Kölner Edelweißpiraten (darunter der erst 16-jährige Bartholomäus Schink) öffentlich und ohne Gerichtsurteil hängen. Grenzkontrolle setzen diesem mutigen Auflehnen aktiv ein Denkmal.
Dazu passt die DIY-Haltung der Band: Die EP erscheint auf dem eigenen Label Bodenlos Records digital und auf Vinyl. Die Release-Party findet natürlich in Köln statt und bald geht's auch auf die große Bühne, als Support der Sleaford Mods in Dortmund und Wiesbaden.


8 Kommentare mit 28 Antworten
Puuh, der erste Absatz liest sich so, wie Rechte sich eine linke Band vorstellen, nur dass es die Band anscheinend wirklich so gibt. Da fällt mir nur ein: "Wenn Musik die Welt verändern kann / Muss ich es nicht tun".
Lieber Olivander, hast du hier mal irgendwann einen kommentar verfasst, der nicht negativ ist? Vermutlich ja, trotzdem habe ich von dir ausschließlich negative beispiele im kopf. Um ein mögliches "argument" gleich zu entkräfte: ich kenne weder künstler noch das Album. Ich hoffe außerdem, dass du hierauf nicht antwortest, weil deine antwort mir scheiß egal ist und ich darauf sowieso nicht reagieren werde.
Also die Textbeispiele sind ja schon ziemlich platt. Das Lob darüber kann ich in keinster Weise verstehen. Das ist ja ganz nett produziert, aber das ist weder Gesamtkunstwerk (oder wenn dann kein besonders künstlerisches) noch wagen sich die Texte über die Poesie und Qualität einer Schultoilettekritzelei hinaus, aus, Maus, Klaus...
Gegen diese Texte ist die neue Hosen Platte gar nicht mal so schlecht.
Geht sogar finde ich und für Deutschland fett produziert. Klingt wie die frühen Messer.
Gebe zu, ich wollte ein bisschen pöbeln.
Richtig geile Band, die Texte lesen sich leider arg platt man muss schon sagen dass das rein textlich nicht rüberkommt bzw. sehr hemdsärmelig wirkt aber die live Energie transportiert es komplett anders.
Könnte mir auch vorstellen, dass die Texte bewusst so primitiv und fast schon hilflos gehalten sind. Oder der Schreiber kann es einfach nicht besser.
Ist für mich aber völlig irrelevant.
Der Versuch, mit klugen oder verklausulierten Songtexten den rechten Sympathisanten oder deren Idolen etwas entgegenzusetzen, ist nach meinem Empfinden auf ganzer Linie gescheitert.
Warum also nicht mal auf diese Art versuchen?
Unter den Antifaschisten sind nicht nur Studierte, die sich perfekt ausdrücken können, sondern auch viele andere. Vielleicht ist es eine Chance, mehr Menschen mitzunehmen.
Es ist ja auch nicht total schlimm, aber wenn Musik etwas verändern kann, dann bestimmt nicht so à la "Hört dich einfach auf, rechte Ärsche zu sein".
Umgekehrt funktioniert es, zumindest hier im Osten des Landes, ganz gut. Dumpf drauf auf die woken Linksgrünen und schwupp hat man bis zu 60 Prozent rechte Ärsche.
Vielleicht sollte man langsam akzeptieren, dass ein großer Teil der Bevölkerung einfach sehr einfach gestrickt ist. Die finden laute Musik, laute Motoren und laute Böller ganz toll. Da muss die Message halt auch plump und laut sein.
Seit dem echten Ende von Slime ist Deutschpunk tot.
Und jetzt?
Unter Deutschpunk fällt das hier sowieso nicht, ich würde es eher als Post Punk mit einem Retro-Sound bezeichnen.