laut.de-Kritik

Promillelastiger Deutschrock mit Humor und keltischen Vibes.

Review von

Nach bisher drei veröffentlichten Studioalbum, die allesamt in den Top-20 der Charts landeten, wollen Rauhbein nun die nächste Hürde auf ihrer Erfolgsreise nehmen. "Rebellen & Helden", so der Titel des vierten Longplayers, soll die Deutschrocker um Frontmann und Namensgeber Henry M. Rauhbein endlich in den Branchenolymp katapultieren. Die Zeichen dafür stehen gar nicht mal so schlecht. Rauhbein haben jede Menge gute Laune im Gepäck. Feuchtfröhlich und gesellig geht es zu, wenn die trinkfesten Hessen ihren kernigen mit keltischen Vibes aufgepeppten Deutschrock vom Stapel lassen.

Im hymnenhaften Opener paart sich anspruchsvolle Gitarrenrhythmik mit brummigem Gesang. Sänger Henry klingt genauso wie er aussieht. Mit seinem Rauschebart und den kräftigen Schultern könnte er locker als der hessische Jacob Aaron Smith alias The White Buffalo durchgehen. Henrys Stimme klingt noch etwas rauer als die des kalifornischen "Sons Of Anarchy"-Fan. "Das Leben ist ein Rausch - Und Dein Herz schlägt viel zu laut - Wenn Du die nächste Dosis brauchst - Dann gibt das Leben heute jedem einen aus", heißt es zum Einstieg. Na dann, Prost!

Mit "Meine Bar" erhöhen die Verantwortlichen die Promilleschlagzahl. Mit punkiger Attitüde und harmonischem Irish-Folk-Gefiedel im Hintergrund reißen Rauhbein die heimischen Tore auf. Wer mitfeiern und mittrinken will, der ist herzlichst eingeladen. Zweieinhalb Minuten später schnellt auch der Coolnessfaktor nach oben. Mit der Sonnenbrille auf der Nase zieht der Frontmann breitbeinig rockend durch vertraute Dorfgassen ("Mein Kaff"). Das kommt nicht nur lustig, sondern auch authentisch rüber.

Ein bisschen Ska ("C'est La Vie") und eine Überdosis Kitsch ("Rebellen & Helden") sorgen für etwas Schieflage. "Alle" sollen mitmachen und auf die Straße gehen. Lieder über die Kraft der Gemeinschaft kann es dieser Tage gar nicht genug geben. Nach einem kurzen Wackler fängt sich das große Ganze wieder. Der Tod schleicht im Off-Beat um die Ecke ("Gevatter Tod"). Und wenn der "Vagabund" irgendwann mal das Zeitliche segnet, dann soll die treue Gefolgschaft keine Tränen verdrücken, sondern tanzen ("Tanzt").

Zum Abschluss holt Henry M. Rauhbein die Akustikklampfe aus dem Schrank und hinterfragt als schunkelnder Songwriter sein Musikerdasein. "Warum bin nur so süchtig nach Bühnenlicht und nach Geschrei - Zwei Stunden live und dann ist es vorbei", murmelt das Rauhbein-Oberhaupt. Danach ist Schluss. Die "Rebellen & Helden" haben fertig. Schweißgebadet torkelt man ins Bett. Fazit: Im Gegensatz zu vielen Artverwandten nehmen Rauhbein das Genre nicht ganz so ernst. Statt in Pathos zu versinken und testosterongeschwängerte Durchhalteparolen aneinanderzureihen, kommt die Band lieber mit promillelastigem Stammtisch-Humor um die Ecke. Damit reißt man zwar keine musikalischen Bäume aus. Aber sympathisch ist es allemal.

Trackliste

  1. 1. Rausch
  2. 2. Meine Bar
  3. 3. Mein Kaff
  4. 4. C'est La Vie
  5. 5. Pack Schlägt Sich
  6. 6. Rebellen & Helden
  7. 7. Alle
  8. 8. Gevatter Tod
  9. 9. Tanzt
  10. 10. Vagabund
  11. 11. Wie Wir
  12. 12. Morgen Früh

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare