laut.de-Kritik
Die Rückkehr der Reimemonster.
Review von Zabih Safdari1999 erschien mit "Reimemonster" einer der einflussreichsten Tracks der Deutschrap-Geschichte. Zwei sehr unterschiedliche MCs mit ebenso unterschiedlichen Hintergründen trafen da aufeinander: Afrob aus dem Stuttgarter Kollektiv Kolchose und Ferris MC aus der Hamburger Mongo Clikke. Der energiegeladene Track strahlte besonders dank der mühelosen Symbiose der beiden Styles.
27 Jahre später vereinen sich die Reimemonster erneut, diesmal für ein gemeinsames Album. "Sowas habt ihr nie gesehen / Sowas machen Hip-Hopper."
Der Opener "Ein Fall Für Zwei" eröffnet mit klassischem BoomBap-Sound. Direkt fällt auf, dass es sich nach wie vor um zwei handwerklich sehr souveräne Rapper handelt. Afrob rappt hungrig, und gerade der hörbar in die Jahre gekommene Ferris MC klingt ziemlich erfrischend. Wenngleich im Vergleich zu früher weniger rau, bildet seine Stimme noch immer ein gutes Kontrastprogramm zu Afrob.
Man spürt, dass beide auch nach fast drei Jahrzehnten die Liebe und Leidenschaft für das Genre noch immer mit sich tragen, und das, obwohl sie eigentlich niemandem mehr etwas zu beweisen haben: "Geschichte nicht studiert, Geschichte geschrieben."
Apropos Liebe für Hip Hop: Die Reimemonster sind selbstverständlich große Rap-Nerds und lassen uns das mit einer Menge Anspielungen wissen. Auf "Abu Dhabi" heißt es beispielsweise: "Wir sind die Reinkarnation von ODB." Ein berechtigtes Statement, wenn man hört, wie gekonnt Afrob den Stil der Wu-Tang-Legende in seinen Rap integriert.
Oder auf "Einmal Noch" über einem Beat, der klingt, als hätten ihn 2001 auch Fabolous oder Beanie Sigel picken können. Auf derartige Hommagen und Referenzen an den Hip Hop der 90er und frühen 2000er stößt man beim Hören des Albums immer wieder.
Daher wirkt es unausweichlich, dass Afrob und Ferris sich auf dem Outro-Track "Früher War Nicht Besser" zusammen mit Curse als Feature-Gast noch einmal Zeit nehmen, um ein letztes Mal auf die "guten alten Zeiten" zurückzublicken. "VIVA Freestyle", "Yo! MTV Raps", Nas-Tapes im Walkman ... wer checkt, der checkt.
Größtenteils vermeidet der Track das Klischee von verbitterten Greisen, das viele Hip Hop-Größen mit der Zeit verkörpern. Diese älteren Herren hier nutzen die Nostalgie nicht als Waffe gegen die Gegenwart. Die Hindernisse, die mit dem Alter im Hip Hop kommen, überwinden sie ohne größere Schwierigkeiten. Weder Ferris MC noch Afrob wirken verbittert oder peinlich.
Ein paar Fehlgriffe ließen sich trotzdem nicht vermeiden. Manche der Beats, insbesondere die eher an Trap orientierten, klingen etwas generisch und zu sicher gespielt. Das spiegelt sich in den darauf zu findenden Flows: Auf dieser Sorte Beats wirken die MCs deutlich weniger verspielt als auf den 90BPM-Oldschool-Beats.
Die Hook von Jan Delay auf "Mitternacht", in der er die Ankunft der (Reime-)"Monster" ankündigt, kommt etwas zu albern für einen sonst epochalen Track, außerdem klingt sie ziemlich schrill.
Dennoch legen Ferris und Afrob noch eine ganze Menge Energie und Rapskills an den Tag. Unc still got it, ja, ich hab' es gesagt.


2 Kommentare mit 2 Antworten
Wenn schon „Ein Fall für zwei“, dann das hier: https://youtu.be/C1Rx6398bPg
Love you, Capsi!!!!
Ich habe letztens gesehen, dass ich noch diesen Morgens um 7 Remix hier rumliegen habe. Was ist damit eigentlich? Wollt ihr den noch irgendwie veröffentlichen? Kann ich den hochpaden?
Der Text liest sich irgendwie auch wie 'ne laut.de-Rezi von 1999.
Das Album ist eher 'ne knappe 2/5. Der Titeltrack und das Curse-Feature sind groß, aber dazwischen sind so einige Gurken, vor allem die Features mit Eko und Jan Delay und alles, wo ein Trap-Beat dabei ist.