laut.de-Kritik

Mit dem Teufel Richtung Unterwelt.

Review von

"Belladonna" bedeutet simpel übersetzt schöne Frau. Dass die giftige rote Tollkirsche auf Latein ebenfalls Atropa Belladonna heißt, und Atropa die griechische Schicksalsgöttin ist, die unerbittlich über Leben und Tod entscheidet, sind dann eher nerdige Sidefacts. Genau so eine tödlich schöne Mischung ist Tabys neue EP "An Scharfen Messern Lernt Man Bluten". Von außen schön und von innen gefährlich.

Als Opener legt "Belladonna" musikalisch ordentlich Feuer. Summende Dystopie begleitet von E-Gitarre gibt Tabys fast schon lauernd sanfter Stimme den nötigen Kontrast. Kaum verklingt der letzte rockige Akzent, schlängelt sich "Minotaurus" auf die Bildfläche. "Und er starrt zu den Sternen und beneidet sie / Sie sind nicht allein im Labyrinth". Die Musikerin gibt verträumte Einblicke in das Gefühlsleben des Ungeheuers mit Menschenkörper und Stierkopf. Die Melodie transportiert ungeheure Traurigkeit und fließt schwingend in mein Ohr.

"Endlose Lügen machen mich süchtig / Du schreibst per SMS du bringst dich um". Taby verarbeitet eine toxische Beziehung mit Alters- und Machtunterschied in einer schmerzerfüllten Ballade. Das Klavier, die Streicher und der gleichmäßige Rhythmus lassen ihre Gefühle selbstbestimmt und kraftvoll klingen.

Lyrisch ist "Sparta" nicht spartanisch, sondern maximalistisch aufgeladen. Suizidgedanken und Bipolarität personifiziert Taby erschreckend schwarzhumorig: "Die Badewanne ruft 'Wie wär’s, wenn du dich mal ertränkst?' / Netter Versuch, ich versteh, dass sie das denkt / Also leg mich zu ihr, wir sind zusammen / Und zusammen gucken wir zwei Folgen Friends" hallt es. Wie Herzklopfen durchzieht der dumpfe Beat den Song, der Titel vergleicht die Kämpfe im Kopf mit dem berühmten griechischen Kriegsstaat und verwebt so abermals Mythologie mit Realität.

Die Gitarrenchords wecken aus dem Albtraum und schicken mich gleich in den nächsten. Negative, depressive Gedanken schlagen wie riesige Wellen über dem eigenen Kopf zusammen und markieren den musikalischen Höhepunkt des Albums. Die stürmische Mischung aus Schlaginstrumenten, rockigen Instrumentals und beängstigt leisen Pausen vollendet Tabys Tanz mit dem Teufel. Und ähnlich wie ein faszinierender Horrorfilm fesselt das neue Darkwave-Kapitel in Tabys Musikgeschichte auch meine Ohren.

Trackliste

  1. 1. Belladonna
  2. 2. Minotaurus
  3. 3. Unter Den Dielen
  4. 4. Sparta
  5. 5. An Scharfen Messern Lernt Man Bluten

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