laut.de-Kritik

Der mit Abstand beste Emcee der vergangenen Jahre.

Review von

Ransom ist der mit Abstand beste Emcee der vergangenen Jahre, vereint er doch den alten Punchline-Style mit Poesie und scharfsinnigen Gedanken. Auf "The Price Of Clarity" drängen sich noch weitere Elemente in den Vordergrund: Reflexion, Reue und Selbsterkenntnis. Das Highlight auf "The Price Of Clarity" sind demnach nicht die meist souligen Loops oder die One-Liner, sondern die Lebensweisheiten.

46 Jahre alt ist der in Brooklyn geborene und in Jersey City aufgewachsene Rapper nun bereits – genug Zeit für allerhand Erlebnisse und Entscheidungen, die es jeden Morgen zu reflektieren gilt. Über einen warmen, sonnigen Soul-Loop von Mike & Keys dankt er in "Good Mournings" erst einmal Gott für seine Familie. "As I wipe the cold out my eyes and rise / Looking at my daughter and wife's face / The Lord's in the right place, I'm alive and wise".

Dass er es überhaupt bis hierhin schaffen könnte, stand in den Sternen. Kudos zu Ransom, er hat die Straße durchschaut und seziert sie bis auf die Knochen. "Plot the seat of a hundred swords or die like a Ned Starks / Why go out on a limb for a stupid nigga who fed sharks? / The fewer body parts, detectives gotta use less chalk / The street's cold, 'cause they gave the ruthless niggas the best heart". Sei dir gewahr, mit wem du Geschäfte machst. Und später führt er weise aus: "Furthermore, I only can sell you peace if I sold you war / Down here it's hard to uphold the law when a soldier fall". Der tödliche Kreis aus Krieg und Frieden endet nie.

Auch in "Richer Prior Life" spricht Ransom intensiv zur jüngeren Generation. Im Kern richtet er sich an sein jüngeres Ich und an all die Männer in der Hood, die irgendwann nur noch davon erzählen, was aus ihnen hätte werden können. Sein erster Vers ist so brutal ehrlich und klar, dass er zu den besten Raps 2026 gehört:

"We all heard of them fairy tales what you used to be
You could've been called a prodigy musically
If you would've gone to college exclusively
If you could've stored the knowledge to the tee
Or captured a few degrees, or drafted into the league
Or maybe you regret how you reacted to scrutiny
It was just a simple fact you lacked opportunities
You ain't fooling me, now look at your no wealth
Prisoner to the human you could've been, damn
Resorting to posting pics of your old self
You would've, could've, should've been.
"

Hätte, hätte, Fahrradkette. Doch Ransom will eben nicht, dass es ewig so bleibt. Sein Appell: Nicht jammern, zieht euch aus dem Sumpf und verlasst eure Komfortzone: "Your age is mandatory, growth is optional".

Häufiger als in den letzten Jahren – abgesehen vom Premier-Kollabo-Album – diggt Ransom auch echten Boom Bap mit harten Drums. Der Titeltrack etwa baut mit wabbernden, mal hektischen Synthie-Klängen zuerst ein großes, fast cineastisches Gebilde auf und endet in einem klassischen Eastcoast-Kopfnicker.

Bei "Confessional Booth" bietet ihm ein melancholischer Tune die wunderbare Grundlage für sehr persönliche Momente. Ransom spricht über seine Dealer-Vergangenheit. Er entschuldigt sich bei Menschen, denen er Drogen verkauft hat, und bittet für diese Menschen um Vergebung. "I passed two packs to Reece and Chrissy / A month pass, and now they niece is skinny (God damn) / I ain't the type to run to a priest for pity (Nah)".

Natürlich ist nicht jeder Track so deep und doppelbödig. Musikalisch und rap-technisch zeigt sich besonders "The Coldest Winter", auf dem Ransom, Freeway und Young Chris über einen minimalistischen Nicholas-Craven-Loop flexen, als wäre es 2012. Auch "Circumvention" lässt mit dem Duett Ransom und Lloyd Banks die Herzen aller Rap-Fans höher schlagen. Wie schon am Anfang erwähnt, behält Ransom hier meistens die Oberhand oder rappt mindestens auf Augenhöhe – und er weiß das.

Gleich im Opener "The Prime Example" attackiert er offen alle erfolgreichen Whack-Emcees und den Niedergang des Real Hip Hop. Aus seiner Sicht rappen sie eh nur irgendwelchen ausgedachten Stuff und lachen über ihre Fans. Das wäre für Ransom ja noch gerade so okay, doch meistens gehört ihre Musik großen Majorlabels: Am Ende bleiben sie Sklaven, die die Community und sich selbst vergiften.

Auch in anderen Songs wie "Doctor Manhattan" lässt er die jungen Kolleg:innen nicht vom Haken. "Comparing me to low-level rappers is so embarrassing / So how you tell a nigga so scarred that he flows sharp, but it's only flaw's his arrogance?". Ransom ist mit sich im Reinen und greift an. Gut so.

Trackliste

  1. 1. Ignorance Was Bliss
  2. 2. The Prime Example
  3. 3. Good Mournings
  4. 4. Sorry My Love feat. Nick Grant
  5. 5. Doctor Manhattan
  6. 6. Richer Prior Life feat. Tony Baker
  7. 7. Swan Song feat. Rob Lee
  8. 8. The Boule
  9. 9. The Temptations
  10. 10. The Coldest Winter feat. Freeway & Young Chris
  11. 11. MK Ultra
  12. 12. The Price of Clarity
  13. 13. Circumvention feat. Lloyd Banks
  14. 14. Hollywood Squares
  15. 15. Crystal Clear (Interlude)
  16. 16. The Ultimate Betrayal
  17. 17. Confessional Booth

2 Kommentare